„Erntezeit“

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Die Tagundnachtgleiche um den 21. September herum markiert den Beginn des Herbstes, wenn die Bauern in der nördlichen Hemisphäre ihre Ernte einbringen und sich auf den Winter vorbereiten.

Am Kapitalmarkt sind die Anleger unterdessen weiterhin auf der Suche nach Erträgen, seitdem die Notenbanken im Anschluss an die globale Finanzkrise mit der Ausweitung der Geldmenge „Quantitative Easing“ begannen. Seit Juli dieses Jahres haben sich die Investoren auf ihrer Jagd nach Rendite zum ersten Mal seit drei Jahren wieder den Schwellenländern zugewandt. Bis Anfang September sind der MSCI Emerging Market-Aktienindex und der JPM EMBI Global-Anleihenindex um 7 bzw. 3 Prozent nach oben geschnellt (gemessen ab Juli). Hauptthema der abgelaufenen Woche war wieder einmal die Geldpolitik. Wie allgemein erwartet hat die US-Notenbank davon abgesehen, ihre Leitzinsen im September anzuheben. Bei der Bank of Japan (BoJ) kam es zu einer Anpassungen der Strategie. Sie will jetzt vor allem die Zinsstrukturkurve und weniger die Geldmenge steuern. Als Abkehr von einer insgesamt expansiven Strategie kann dies aber nicht gewertet werden. In der kommenden Woche werden die endgültigen Daten für das Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal verkündet. Die am 26. August vorläufig bekanntgegebenen Zahlen hatten am Markt für eine negative Überraschung gesorgt, da sie gegenüber der ersten Schätzung auf 1,1 Prozenz nach unten revidiert worden waren. Aktuell rechnen die Marktteilnehmer mit einer Wachstumsrate von 1,6 Prozent für das zweite Quartal. Die Erwartungen der Anleger im Hinblick auf die US-Wirtschaft haben sich verbessert, nachdem überraschend gute Daten zu den Konsumausgaben und der Beschäftigungsentwicklung veröffentlicht worden waren. Ebenfalls in der nächsten Woche werden die Verkaufszahlen neuer Eigenheime in den USA für den Monat August bekannt gegeben. Seit 2008 hat der Eigenheimmarkt erheblich zum Wachstum der US-Wirtschaft beigetragen. Dank niedriger Zinsen und sich verbessernder Arbeitsmarktlage ist die Nachfrage nach Eigenheimen stetig gestiegen. Zwar werden am Markt für August lediglich 580.000 Eigenheimverkäufe erwartet, nachdem es im Juli noch 654.000 waren. Die Leerstandsquoten bei Eigenheimen, ebenfalls ein wichtiger Nachfrageindikator, sind auf den niedrigsten Stand der vergangenenen zwölf Jahre gefallen. In Europa wird die EU-Kommission in der nächsten Woche ihre Zahlen für das Verbrauchervertrauen veröffentlichen. Bei den Indizes für das Verbrauchervertrauen in den großen Volkswirtschaften der Europäischen Union erwarten die Marktteilnehmer einen leichten Rückgang gegenüber dem Vormonat. Unter den bedeutenden Volkswirtschaften in der EU konnte lediglich Deutschland ein gestiegenes Verbrauchervertrauen verzeichnen, während es in Frankreich stagnierte und in Spanien sowie Italien zurückging. Die Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass die Daten zum Verbrauchervertrauen in der Europäischen Union trotz des Rückgangs im September weiterhin deutlich über ihrem historischen Durchschnitt liegen. thomson-reuters_zinsstrukturjapan In der nächsten Woche werden außerdem die endgültigen Zahlen für das Wirtschaftswachstum in Großbritannien im zweiten Quartal bekanntgegeben. Nach den im August publizierten vorläufigen Daten betrug das Wachstum im Vorjahresvergleich 2,2 Prozent. Angesichts der jüngsten Daten des britischen Einkaufsmanagerindex rechnen wir bei den endgültigen Daten mit keiner negativen Überraschung. In Asien wird der chinesische Datendienstleister Caixin seine September- Daten für den Einkaufsmanagerindex im Produzierenden Gewerbe publizieren. Der von Caixin in China ermittelte Einkaufsmanagerindex, der die Entwicklung kleinerer Privatunternehmen besser widerspiegelt als der Einkaufsmanagerindex der chinesischen Statistikbehörde, dürfte sich gegenüber dem Vormonat nicht verändert haben. Einiges deutet darauf hin, dass die chinesische Regierung in maßvollem Umfang fiskalpolitische Anreize plant, die zum Ausgleich der anhaltend schwachen Exportnach-frage beitragen sollten. Nachdem die Bauern im Herbst ihre Ernte eingebracht haben, bringen Sie das Saatgut für die Ernte im nächsten Jahr aus. Bis dahin werden die Saatkörner sich verschlechternden Wetterbedingungen und einem kalten Winter ausgesetzt sein. Analog dazu sind Anleger gut beraten, sich mittels aktiven Managements auf verstärkte Kursschwankungen am Kapitalmarkt einzurichten. In einem Umfeld negativer Zinsen kommt es entscheidend darauf an, weiterhin Ertrag zu erzielen. Mittelfristig ist ein Wiederanstieg der Volatilität zu erwarten.

Ein Kommentar von Charles Ma, Client Investment Strategist, Greater China & South East Asia, Retail Distribution 

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