Erdland und seine Männer

Erdland für 10 Monate GDV-Präsident
Dr. Alexander Erdland (65), Ex-GDV Präsident © GDV

Die 16 Männer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft wählten für zehn Monate Alexander Erdland an ihre Spitze. Das GDV-Präsidium ist noch eine reine Männer-Sache.

Der scheidende Chef der Wüstenrot & Württembergische AG (W&W AG) Alexander Erdland ist am Dienstag in Berlin für zehn Monate als Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt worden. Die Vertreter der Mitgliedsunternehmen hatten zuvor 16 getreue Männer der Branche in das 16-köpfige GDV-Präsidium gewählt.

Das Präsidium ist der vereinsrechtliche Vorstand des GDV und wählte Erdland ohne Widerspruch.

Ins GDV-Präsidium wurden die folgenden Männer und Manager der Branche gewählt:

  • Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Munich Re
  • Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia und Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland
  • Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben und Vorsitzender des Hauptausschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds
  • Thomas Flemming, Vorstandsvorsitzender der Mecklenburgische Versicherungsgruppe
  • Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, Vorsitzender der Geschäftsführung des GDV und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied
  • Christian Hinsch, Vorstandsvorsitzender der HDI Global SE und stellv. Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden-/Unfallversicherung
  • Hermann Kasten, Vorstandsvorsitzender der VGH Versicherungen
  • Manfred Knof, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland
  • Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka und Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbandes
  • Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland
  • Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo
  • Alexander Vollert, Vorstandsvorsitzender der Axa Konzern AG
  • Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern
  • Wolfgang Weiler, Vorstandssprecher der HUK-Coburg

Für Erdland, der auch noch dem Stuttgarter Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische AG als Vorstandsvorsitzender vorsteht, sind es die letzten zehn Monate Amtszeit als GDV-Präsident. Diese Amtszeit ist die kürzeste in der Historie des Verbandes, da sie auf seinen Wunsch nach zehn Monaten vorzeitig am nächsten Versicherungstag im September 2017 endet.

Der 65-Jährige machte deutlich, dass er sich auch und gerade im Jahr der Bundestagswahl als Stimme der Versicherer in die aktuelle politische Debatte einmischen wolle. Die Assekuranz nehme eine Schlüsselfunktion für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein, das wolle der Präsident in seinen letzten zehn Monaten vortragen. Seine bisherige Präsidentschaft – er führt den GDV seit November 2012 – ist vor allem von der historischen Niedrigzinsphase, der Regulierung im Vertrieb und der Lebensversicherung geprägt.

Der Westfale Erdland ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der aus dem württembergischen und schwäbischen Traditionsunternehmen Wüstenrot und Württembergische hervorgegangenen W&W AG, die er als ein Mischkonzern aus Bank und Versicherung vereint hat.

Seine Karriere hatte Erdland bei der Norddeutschen Genossenschaftsbank in Hannover begonnen. In der Folgezeit nahm er Vorstandsmandate bei unterschiedlichen Instituten wahr, darunter die DG Bank in Frankfurt am Main. 1999 erfolgte seine Berufung zum Vorstandsvorsitzenden der Bausparkasse Schwäbisch Hall, bis er sechs Jahre später Wüstenrot-Chef wurde. Erdland ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Erstmals eine GDV-Präsidentin?

Im September 2017 könnte erstmals eine Vorstandsvorsitzende eines Versicherer und Versicherungsmanagerin an die Spitze der Assekuranz gewählt weden. Das wäre ein Zeichen für den Aufbruch der Assekuranz in eine neue Zeit: die Zukunft.

Fazit: Mit Erdland verabschiedet sich vielleicht die Zeit einer reinen Männerwirtschaft an der GDV-Spitze. In zehn Monaten wäre der Weg frei eine Versicherungs-Managerin an die Spitze der Assekuranz zu wählen, kluge weibliche Vorstände der Versicherer gibt es genug. Es wäre auch ein Zeichen, nach dem Motto „Wir Männer haben verstanden“, dass qualifizierte Frauen die deutsche Versicherungswirtschaft längst mitgestalten und nicht nur als Versicherte mitfinanzieren.  (db)