Erbschaft trifft auf vorhandenes Vermögen

Die Erben haben heute meist selbst Vermögen angespart. Das Erbe mehrt laut einer Studie nur das vorhandene Vermögen. Die Erblasser können es also getrost zu Lebzeiten für sich selbst investieren. 

2015-10-27 (fw/db) Obwohl mit 3,1 Billionen Euro von 2015 bis 2024 in Deutschland ein enormes Vermögen vererbt wird, relativiert sich die Erbschaft im Einzelfall, wenn man sie ins Verhältnis zum Vermögen der begünstigten Erben setzt.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat dies in seiner jüngsten Studie festgestellt. Im Durchschnitt sind die Erbschaften weitaus kleiner als das vorhandene Vermögen. Die Relation des Durchschnittsvermögens aller Haushalte zur durchschnittlichen Erbschaftshöhe liegt bei knapp 60 Prozent, wenn man zwei Erben pro Erbfall unterstellt oder bei knapp 40 Prozent, wenn man drei Erben annimmt.

Bezieht man die Erbschaften aber nicht auf das Durchschnittsvermögen aller Haushalte, sondern auf das der typischen Erben (50- bis 59-jährige Haushalte), verschlechtern sich die Relationen noch einmal sehr. Das Verhältnis liegt dann nur noch bei deutlich weniger als 50 Prozent (zwei Erben) oder bei etwa 30 Prozent (drei Erben).

Die Bedeutung von Erbschaften im Verhältnis zum Vermögen der begünstigten Erben schrumpft also, wenn sie ins Verhältnis zu den eigenen Ersparnissen gesetzt werden. Das gilt erst recht, wenn die Erbengeneration eine höhere Schulbildung hat und einen günstigeren Einkommenspfad beschreitet als ihre Eltern.

Relation der Erbschaft zum vorhandenen Vermögen

Allerdings kann ein Vergleich von mittleren Vermögen und mittleren Erbschaften, laut der Studie, schnell in die Irre führen, denn nicht nur die Erbschaften, sondern auch die vorhandenen Vermögen unterliegen enormen Streuungen.

So besitzen, laut der Studie, über 90 Prozent aller 50- bis 59-jährigen Mieterhaushalte – egal ob Ost- oder Westdeutschland – weniger Vermögen als die mittlere Erbschaft bei zwei oder drei Erben. Für diese Gruppe würde eine „mittlere Erbschaft“ demnach mehr als eine Verdoppelung und damit den Eintritt in ganz neue Vermögensdimensionen bedeuten. Allerdings zeigen frühere Untersuchungen, dass Mieter nicht nur unterdurchschnittliche Einkommen oder Vermögen haben, sondern auch seltener und vor allem weniger als der Durchschnitt erben.

Dietmar Braun