EKG für Lebensversicherungen

Neue Methode erfüllt ihren Zweck

„Im Marktdurchschnitt müssen die Anbieter rund viereinhalb Prozent Rechnungszins auf ihre Deckungsrückstellung erwirtschaften“ erläutert Heermann mit Blick auf das EKG-Profil. „Diese immense Anforderung ist maßgeblich der Zinszusatzreserve geschuldet und zeigt, dass die politisch beschlossene Methodenänderung bei der Berechnung der Zinszusatzreserve überfällig war, um die Tragfähigkeit der Versichertenbestände zu erhalten.“ Assekurata hat in der aktuellen EKG-Studie die Effekte der sogenannten Korridormethode simuliert und ihre künftige Wirkung auf die Ertrags- und Solvenzlage abgeschätzt. Die Analysten stellen im Ergebnis fest, dass die neue Berechnungsmethodik in unterschiedlichen Zinsszenarien ihre Wirkung entfalte, indem kurzfristige Belastungsspitzen bei den ZZR Zuführungen reduziert und gleichförmiger auf einen längeren Zeitraum verteilt werden. Zugleich reduziert sie die Mindest-Renditeanforderung an die Kapitalanlage, ausgedrückt als Break-Even-Nettoverzinsung. Für dieses Jahr erwartet Assekurata unter Anwendung der Korridormethode eine Break-Even-Nettoverzinsung von etwa 2,40 %. Nach der bisherigen ZZR-Berechnungsmethode lag sie im vergangenen Jahr noch bei 3,31 %.

Ertrags- und Kapitalmanagement bleibt wichtig

Die ZZR-Methodenänderung ist zwar grundsätzlich handelsbilanziell motiviert, wird sich aber auch in den Solvency-II-Quoten positiv niederschlagen. So dürfen sich die Solvenzquoten der Lebensversicherung durch die Korridormethode bei einem unveränderten Zinsniveau zwischen 20 und 40 % erhöhen, in Einzelfällen sogar mehr. „Beispielsweise würde eine mittlere Steigerung der Solvenzquotevon 30 % dazu führen, dass der aktuelle Branchendurchschnitt von 220 % in Richtung der 300-%-Marke ansteigt und dies ohne Einbezug von Übergangsmaßnehmen“, rechnet Lars Heermann vor. Nach Auffassung von Assekurata beseitigt die Korridormethode vorhandene Unwuchten, nimmt die Versicherer aber nicht aus der Verantwortung, langfristige Zinsvorsorge zu betreiben. „Ein sorgfältiges Ertrags-und Kapitalmanagement sollte daher weiterhin im Fokus stehen“, resümiert Heermann.

Ergebnisse unter HGB und Solvency II hängen zusammen

Die Marktposition einzelner Anbieter unter HGB und Solvency II deutet oftmals in dieselbe Richtung. „In beiden Bilanzwelten sind Lebensversicherer im Vorteil, die über ein ertragreiches und wenig zinsabhängiges Geschäftsprofil verfügen“, interpretiert Dr. Reiner Will die Studienergebnisse. Dies trifft jedoch nicht auf alle Marktteilnehmerzu. So haben zwar zwanzig Lebensversicherer im Geschäftsjahr 2017einen Return-on-Revenue (ROR) von mehr als drei Prozent erzielt, allerdings haben auch fünf Anbieter das Geschäftsjahr ohne Gewinn abgeschlossen. „Vereinzelt bringen dabei Bestände trotz einer hohen Garantielast und entsprechend geringen EKG-Quote eine ansehnliche Unternehmensrendite hervor“, hat der Assekurata-Geschäftsführer identifiziert. „Offenbar kann sich ein professionelles Bestandsmanagement unter dem Strich auszahlen.“ (ahu)

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