Eine skurrile Entscheidung

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Der Staat fördert die bKV nicht mehr, zum Unverständnis nahezu aller Marktbeobachter. Denn sowohl für die Firmen und ihre Mitarbeiter, als auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland, hat sie eine immense Bedeutung. Noch steckt das Modell in den Kinderschuhen, auch geschuldet vertrieblichen Problemen. An ihrer Zukunft bestehen jedoch keine Zweifel.

2014 hat sich die Finanzverwaltung aus der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) zurückgezogen. Beiträge hierzu werden nicht mehr als Sachbezug anerkannt, entsprechend auch nicht mehr mit einem Steuervorteil von 44 Euro im Monat gefördert. Eine Entscheidung, die für kaum einen fachkundigen Beobachter nachvollziehbar war. Es mutet schon recht skurril an, dass Tankgutscheine oder Betriebsfeiern Finanzminister Wolfgang Schäuble näher am Herzen liegen, als die Investition von Firmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Und damit zugleich in die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

bKV als strategisches Geschäftsfeld

Dabei zeigen Umfragen immer wieder, dass für die Beschäftigten selbst die betriebliche Krankenversicherung deutlich wichtiger ist, als beliebige Prestigeobjekte. Zumal sie weitestgehend ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeiten und obendrein mit einem konkurrenzlos günstigen Preis ausgestaltet ist. Inwieweit sich dieses Konzept in der Zukunft etablieren kann – vielleicht sogar als gleichwertiges Standbein zur bAV – muss sich angesichts des Wegfalls des Steuervorteils noch erweisen. Die Prognosen gehen hier auseinander. So sagt Peter Schneider, Geschäftsführer bei Morgen & Morgen: „Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Bedeutung überschaubar. Ob sich dies ändert, hat bis zu einem gewissen Punkt damit zu tun, inwiefern der Gesetzgeber die bKV zukünftig fördert.“ Deutlich optimistischer hingegen zeigt sich Michael Albrecht, Hauptabteilungsleiter Maklervertrieb der Barmenia Versicherungen: „Aus unserer Sicht ist die bKV schon heute als ein wichtiges strategisches Geschäftsfeld für die privaten Krankenversicherer zu verstehen. Wir gehen davon aus, dass sich die bKV in den kommenden Jahren zu einem relevanten Volumengeschäft entwickeln wird.“ Deshalb habe die Barmenia bereits vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, ambitioniert in bKV-Produkte, bKV-Prozesse und in die bKV-Beratung und -Begleitung zu investieren. Die bKV sollte als ein innovatives und hoch flexibles personalpolitisches Instrument verstanden werden, das hervorragend in die Zeit des demografischen Wandels, einer anhaltend guten Konjunktur und dem immer drängender werdenden Fachkräftemangel passe. Die positiven Effekte auf personalökonomische Faktoren würden immer klarer und transparenter. Albrecht weiter: „Mit dieser Positionierung bzw. einer entsprechend professionellen Vermarktung durch die privaten Krankenversicherer sehen wir in der bKV ein ähnlich großes Potenzial, wie es die bAV in den vergangenen Jahren für die Lebensversicherer realisierte.“

Interessant für Makler

Inzwischen kommt das Thema auch erstmals in Breite bei Personalentscheidern an, wie u. a. das aktuelle „Schwerpunktthema bKV“ im Personalmagazin 6/2016 unterstreicht. Kluge Makler nutzen deshalb jetzt die Gunst der Stunde. Wobei sie laut Albrecht jedoch auch Aufholbedarf haben: „Die bislang eher verhaltene Marktentwicklung beruhte noch auf deutlichen Schwächen in treffenden Konzepten, passenden Produkten, einfachen Prozessen und insbesondere auf der noch nicht etablierten, aber notwendigen professionellen Beratung und Begleitung.“ Die bKV habe bislang ein stark bremsendes Beratungs- und Vermittlungsproblem gehabt, aber kein echtes Nachfrageproblem. Die attraktiven neuen Produktgenerationen und die inzwischen spezialisierten Vertriebe würden der bKV allerdings nun kurzfristig zum Durchbruch verhelfen. Albrecht: „Die Barmenia sieht sich dabei gut gerüstet, um auf diesem interessanten neuen Markt eine starke Position einzunehmen und überproportional zu wachsen – im Sinne ihrer Partner und Kunden.“ Schneider hingegen erkennt noch einen anderen Grund für den bislang eher mäßigen Vertriebserfolg: „Ein Makler, der kleine und mittelständige Unternehmen berät, hat andere Schwerpunkte und ist nicht zwingend Experte im Bereich der bKV. Im Bedarfsfall müsste er mit einem KV-Makler kooperieren.“