Eine Mischung auf mehreren Ebenen

Die Assetklasse „Immobilien“ ist weiterhin des Anlegers „Liebling“. Doch welche Immobilie eignet sich für welchen Investor? Bestand oder Projektentwicklung, Wohnen oder Gewerbe?

finanzwelt sprach hierzu mit Wolfgang Dippold, geschäftsführender Gesellschafter der PROJECT Investment Gruppe.

finanzwelt: Einige selbst ernannte Immobilienexperten prophezeien schon die Immobilienblase. Wenn die Zinsen wirklich steigen, sinken dann in Deutschland die Immobilienpreise?

Dippold: Das IW Köln hat untersucht, bei welchem Zinsniveau sich der Kauf einer eigenen Wohnung im Vergleich zur Miete lohnt: Selbst bei deutlich steigenden Zinsen von 3 bis 4 % ist laut Studie die Immobilieninvestition noch rentabel. In Berlin z. B. liegt diese Zinsgrenze bei 4,3 %, in Hamburg bei 3,8 %. Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen und den realistisch in den nächsten Jahren zu erwartenden Zinssteigerungen ist in Deutschland nicht mit sinkenden Immobilienpreisen zu rechnen. Allerdings sind Unkenrufe vor allem in ländlichen Regionen berechtigt, in denen aufgrund der allgemeinen Euphorie für Wohnimmobilien z.T. bereits über den Bedarf hinaus gebaut worden ist. In den Top-Metropolen hingegen besteht deutlicher Nachholbedarf.

finanzwelt: Gewerbe, Handel, Wohnen: Welche erachten Sie als langfristig gute Immobilientrends?

Dippold: Langfristig gesehen alle drei. Bedarf und Preise von Büro- und teilweise auch Handelsimmobilien steigen an starken Standorten wieder deutlich. Der Bereich Wohnen hat aus unserer Sicht langfristig die stabilsten Perspektiven, da insbesondere in den Ballungszentren noch deutlich hinter dem Wohnungsbedarf gebaut wird. Rund 350.000 Wohnungen müssen jährlich gebaut werden. Hierbei ist die Flüchtlingsthematik noch nicht berücksichtigt, deren Mehrbedarf bislang auch niemand exakt einschätzen kann.

finanzwelt: Wie sieht eine gute Diversifikation eines Immobilienportfolios aus?

Dippold: Es sollte eine Mischung auf mehreren Ebenen sein: Zum einen Bestandsobjekte im Wohnbereich als auch ausgewählte Gewerbeobjekte. Zum anderen sollte in jedem Immobilienportfolio die Entwicklung von Immobilien berücksichtigt sein, da diese deutlich höhere Renditeperspektiven bietet und mit Bestandsimmobilien wenig korreliert. Sinnvoll ist in jedem Fall die Aufteilung auf direkte und indirekte Investments, denn der Arbeitsaufwand bei direkten Immobilieninvestments wird oft unterschätzt.

finanzwelt: In welchen Standorten sollte investiert werden?

Dippold: Für Immobilienentwicklungen besonders interessante Standorte sind Metropolregionen mit hoher Wohnraumnachfrage: Berlin, Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, München, Köln und Düsseldorf – natürlich auch Stuttgart und einige B-Städte.

finanzwelt: Jüngst wurde Ihre positive Bilanz für 2015 veröffentlicht. Wo liegen die Gründe für Ihren Erfolg?

Dippold: Einer der Gründe ist die konsequente Ausrichtung auf unser Stabilitäts- und Eigenkapitalprinzip. Allerdings begünstigt uns natürlich die hochattraktive Marktsituation. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von PROJECT sind aber die Menschen, die mit uns arbeiten. (lvs)

Printausgabe 01/2016