Eine Alternative zur Börse

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Seit seinem historischen Höchststand im Januar 2018 hat der DAX gut 2.000 Punkte eingebüßt. Wesentlich ruhiger geht es da auf dem Markt für Private Equity zu. Dennoch sind hier Privatinvestoren (noch) in der Minderheit. Möglicherweise ändert dies aber bald aufgrund der aktuellen Lage an den Kapitalmärkten.

Die Welt dreht sich immer schneller: Physikalisch ist zwar genau das Gegenteil richtig (aufgrund der Gezeiten verlangsamt sich die Erdrotation), aber in vielen Lebensbereichen haben wir immer wieder das Gefühl, dass früher alles irgendwie entspannter vonstattenging. Zumindest für die Börse trifft das durchaus zu: Wurden Aktien im Jahr 1980 noch durchschnittlich zehn Jahre lang von den Anlegern gehalten, verkürzte sich diese Zeit bis heute auf unter ein Jahr. Anlageberatern, die ihre Kunden von der Wertentwicklung von Unternehmen profitieren lassen möchten, aber die Hektik der Börse meiden wollen, stehen Private Equity Fonds zur Verfügung. „Private Equity ist nicht von persönlichen Emotionen, Leerverkäufern oder Charttechnikern abhängig. Es geht vielmehr darum, Unternehmen abseits der Börse über einige Jahre hinweg strategisch sowie operativ zu verbessern und so wertvoller zu machen. Diese Illiquidität klingt wie ein Nachteil, ist aber ein Vorteil. Anleger geraten nicht in Versuchung, sich wieder von ihrer Anlage zu trennen“, erläutert Horst Güdel, Mitgründer und Vorstand der RWB Group, dass die Unternehmensbeteiligung über Private Equity wesentlich ruhiger verläuft als über Aktien. Anleger könnten davon auch in monetärer Weise profitieren. „Das zahlt sich in Form von Stabilität und einer langfristig attraktiven Rendite aus“, so Güdel weiter.

Sebastian Zehrer betont, dass es für Unternehmen bei der Finanzierung keine Wahl „Börse oder Private Equity“ geben muss. „Anleger schätzen weiterhin die hohe absolute wie risiko-adjustierte Rendite sowie die Diversifikationsmöglichkeiten, gerade auch zu börsennotierten Unternehmen“, erklärt der Leiter Research & Unternehmenskommunikation der Wealthcap Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH. Entsprechend erfreut sich diese Assetklasse wachsender Beliebtheit. „Wir analysieren den Private Equity-Markt regelmäßig mit unserem Überblick Zielfondsinvestments. Das platzierte Volumen und die Zahl der Anbieter wachsen weiter und tragen der steigenden Nachfrage von Anlegern Rechnung“, berichtet Zehrer. Dass immer mehr Investoren auf außerbörsliches Eigenkapital setzen, sieht Horst Güdel auch in der aktuellen Lage an den Finanzmärkten begründet. „Die Nachfrage nach Private Equity steigt spürbar. Dies liegt vor allem an der anhaltenden Niedrigzinsepoche, die Anleger zum Umdenken bewegt. Neben dem Ziel, mehr Ertrag zu erzielen, ist nach dem Börsenjahr 2018 verstärkt der Wunsch nach Stabilität dazugekommen.“ Dr. Matthias Hallweger betrachtet das aktuelle Kapitalmarktumfeld ebenfalls als vorteilhaft für Private Equity, räumt aber auch ein, dass viele Investoren unabhängig davon in dieser Assetklasse aktiv seien. „Unsere Investoren achten natürlich auf die Entwicklung des DAX und damit der Aktienmärkte ebenso wie auf die Zinsentwicklungen. Die Unsicherheiten an den Aktienmärkten lassen für unsere Investoren dabei die Attraktivität außerbörslicher Unternehmensbeteiligungen wie den MIG Fonds steigen. Die Mehrheit unserer Investoren haben jedoch ohnehin das Thema Private Equity/Venture Capital als festen Bestandteil in ihrer Portfoliostrategie und erhöhen diesen Anteil kontinuierlich“, so der Vorstand der HMW Emissionshaus AG.

Die Einschätzungen der PE-Anbieter werden durch Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) untermauert, wonach das Gesamtvolumen des deutschen Beteiligungsmarktes im Jahr 2018 bei 9,6 Mrd. Euro liegt. Damit steigerte sich das Investitionsvolumen auf dem deutschen PE-Markt seit 2014 auf 42 Mrd. Euro. Dieses Kapital ist in mehr als 5.000 Portfoliounternehmen investiert, die mit 1 Mio. Beschäftigten 194 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaften, ca.6 % des gesamten deutschen BIPs.

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