Ein Markt in Bewegung

Foto: © Flamingo Images - stock.adobe.com

Das Jahr 2018 war für den Büroimmobilienmarkt ein Rekordjahr. Wie es nun weitergeht, darüber besteht innerhalb des Marktes aber Uneinigkeit. Einstimmiger sind hingegen die Meinungen zur Zukunft einer anderen Klasse von Gewerbeimmobilien.

Alle Büros in Deutschland nehmen eine Fläche von ca. 340 km² ein und sind damit etwas größer als die Stadt Dresden. Auf diesem Markt hat sich im vergangenen Jahr viel bewegt: Laut einer Untersuchung des Immobiliendienstleisters CBRE stieg das Transaktionsvolumen deutscher Büroimmobilien im Jahr 2018 um 15 % gegenüber dem Vorjahr und lag mit 31,96 Mrd. Euro erstmals über der Marke von 30 Mrd. Euro. Damit hatten Büroinvestments einen Anteil von 41 %am gesamten bundesweiten Immobilieninvestitionsvolumen. Der Löwenanteil der Büroinvestments entfiel dabei auf die A-Städte, die einen Anteil von 80 % hatten. Alleine in Frankfurt wurde mit 27 % mehr als ein Viertel des Gesamtvolumens erzielt. Michael Guggenberger MRICS führt die Begehrtheit der Büroimmobilien vor allem auf die aktuelle Lage an den Kapitalmärkten zurück. „Büroimmobilien waren schon immer im Fokus gerade professioneller Investoren und haben ihre Attraktivität nie wirklich verloren. Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld steigen Büroobjekte mit ihren klassischen Anlegerattributen wie der guten Planbarkeit der Einnahmen und dem geringeren Verwaltungsaufwand umso mehr in der Gunst der Anleger“, so der Leiter Fonds- und Assetmanagement Immobilien Europa bei BVT. Thomas Olek betrachtet die Marktsituation bei anderen Immobilienklassen als Grund, warum Investoren verstärkt Büroimmobilien nachfragen: „Schon vor dem Boom von Einzelhandel und Wohnen waren Büroobjekte gefragteste Assetklasse am Investmentmarkt. Der konjunkturelle Dämpfer bei Einzelhandelsobjekten, den wir erst kürzlich erlebt haben, führte dazu, dass nun vor allem konservative Investoren wieder vermehrt nach Büroobjekten für ihr Portfolio schauen. Sie vermitteln Stabilität und Sicherheit, vor allem in wirtschaftlich guten Zeiten. Diese Entwicklung war für uns abzusehen und überrascht uns daher nicht. Wir investieren schon seit Jahren in Büroobjekte, da wir glauben, dass wir die derzeitigen, gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen bereits frühzeitig erkannt haben und auch heute noch erhebliche Potenziale an vielen Standorten in Deutschland zu heben sind“, so der Vorstandsvorsitzende der publity AG.

Gipfel oder Hochebene?

Wie es nach dem Rekordwert auf dem Büroimmobilienmarkt nun weiter geht, darüber sind die Marktteilnehmer sehr unterschiedlicher Meinung. So stellt für Gerald Feig das letztjährige Transaktionsvolumen einen Gipfel dar, nach dem es bald wieder bergab geht. „Der Büro-immobilienmarkt ist so volatil wie kein anderer auf dem Immobiliensektor. Die Rekordzahlen des letzten Jahres sind Momentaufnahmen und werden nicht lange anhalten“, prophezeit der Geschäftsführer der FLEX Fonds Capital GmbH. Für Kapitalanleger muss diese Situation aber nicht unbedingt schlecht sein und es könnten sich bald wieder günstige Einstiegszeitpunkte in diese Assetklasse finden: „Immer, wenn es mehr Büroflächen gibt als tatsächlich absorbiert wird, gehen in den Folgejahren die Bauaktivitäten drastisch zurück. Das gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Preis nach oben, Preis nach unten. Diese extreme Berg- und Talfahrt erleben weder der Wohn- noch der Einzelhandelsimmobilienmarkt. Deshalb: Freuen wir uns auf einen gut erholten Büromarkt und gehen weiterhin restriktiv mit diesem berechenbaren Zyklus um“, so Feig weiter. Michael Guggenberger hingegen glaubt aufgrund der aktuellen Kapitalmarktsituation eher, dass der Büroimmobilienmarkt auf einer Hochebene angekommen ist. „Aufgrund des weiterhin hohen Investitionsdrucks der Kapitalanleger gehen wir auch in diesem Jahr von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Büroobjekten aus.“ Dem stimmt auch Thomas Olek zu, der vermutet, dass Büroimmobilien auch in diesem Jahr im Fokus professioneller Investoren stehen werden.

Wie sich der Markt für Einzelhandelsimmobilien entwickelt, lesen Sie auf Seite 2