Ein Berater namens Robo

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Nachdem wir in modernen Wohnungen und Häusern schon von Herrn Computer begrüßt werden, der Kühlschrank-Robo mir zuruft, dass die Butter alle ist, ich demnächst dem Auto-Robo nur noch sagen muss, wohin ich möchte, haben Banken und Finanzdienstleister eine neue Generation geschaffen: Den Vermögensverwaltungs-Robo.

Das viele auf Spar- und sonstigen Konten brach liegende Geld, bringt für die Bank wenig oder keinen Ertrag. Aus Marketingsicht ist jetzt der ideale Zeitpunkt, eine Verwaltung durch einen Roboterexperten ins Leben zu rufen bzw. zu forcieren. Denn jede Rückschau auf die letzten zehn Jahre bescheinigt dem Robo eine ansehnliche Rendite.

So lässt sich vielleicht ein Kunde, der bisher ein Aktienengagement gescheut hat, doch „überzeugen“, zumindest einen Teil der Rücklagen einem Computer zu überlassen. Der kennt nämlich keine Emotionen. Allerdings auch keine Scheu. Selbst dann nicht, wenn ein „Gordon Gekko“ mal wieder eine falsche Spur legt.

Individuelle Beratung findet so nicht mehr statt. Und mein Geld landet irgendwann auf dem großen Haufen. Nämlich bei einer Bank oder Vermögensverwalter. So hat BlackRock, größter Vermögensverwalter der Welt, schon eine maßgebliche Beteiligung an einem der bereits existenten Roboter-Vermögensverwalter, Scalable Capital erworben. Auch die Deutsche Bank bietet ihren „Robin“ über den Onlinebroker Maxblue an. Den restlichen Robotern wird es nicht anders ergehen, wenn sie mal groß genug sind. Da viele Anlagen über ETF-Portfolios gemanagt werden, verstärkt jeder Euro der Computer-Manager das zyklische Handeln an der Börse.

Es sind oft die gleichen Institute, die jetzt den Computer als Verwalter empfehlen, die seit Jahren mit ihrem „überlegenen“ Wissen für die eigenen Fondsprodukte geworben haben. Trotzdem ließ der reale Erfolg oft einige Wünsche offen. Zumindest die des Anlegers. Ausdrücke und Strategien wie Trendfolger, contrarian Opinion, Chart-Technik, Elliot Wave, implizierte Volatilitäten, Korrelationen, Blockchain, Beta- und Alpha-Strategien, Indikatoren-Indikator oder Bücher wie „Handeln wie Warren Buffet“, „Wie bestimme ich Kursziele“ oder „Trading für Anfänger“ haben alle irgendwie eine Berechtigung, aber auch ihre Grenzen. Und mit dem Buch „Wie werde ich Millionär“ ist nur einer Millionär geworden: Derjenige, der das Buch geschrieben hat.

Sicher handelt ein Roboter emotionslos, aber auch ohne Überlegung und immer (auch bei Kursverlusten) prozyklisch. Besonders bei Kursrückgängen werden auch rationale Gedanken ausgeschaltet. Solange das System auf verkaufen steht, wird eben verkauft, Stopp-Kurse ausgelöst, die zu weiteren Kursverlusten führen, die weitere Stopp-Kurse auslösen und bei allen Robotern den Verkaufszwang suggeriert. So nimmt der Flash-Crash seinen Lauf.

Je mehr sich diese Computer betreute Beträge summieren, umso größer wird die Gefahr, dass die Institute den Herrn Roboter auch für eigene Zwecke (Erträge/Kursgewinne) benutzen. Schon heute werden die Preise von großen Marktteilnehmern zu den bekannten Stopp-Kursen manipuliert, um eigene Positionen in den Gewinn „zu bringen“. Roboter könnten dann durchaus nützliche Idioten sein.

Wer jetzt glaubt, dass die Finanzaufsicht eingreift, wird sich irren. Denn sie hätte schon in der Vergangenheit eingreifen müssen: Wenn Notenbanken die Zinsen manipulieren oder wenn wenige große Marktteilnehmer gleichzeitig zum Beispiel mit riesigen Leerverkäufen (ohne dazu „passende“ Meldung) einen Kursrutsch auslösen. Oder hatten wir im Nachhinein nicht das Gefühl, bei den Produkten der USA „Schrottimmobilien“ in 2007 hätte die Aufsicht einschreiten müssen.

Heute muss man fast vom Gegenteil ausgehen: Die Summe der Derrivateprodukte übertrifft derzeit den Aktienmarkt etwa um das Zehnfache. So zum Beispiel hat eine Unze Gold über den Optionsmarkt mittlerweile etwa 450 Besitzer. Bei diesen Summen ist eine Krise nicht mehr beherrschbar. Das Einschreiten der Aufsicht ist schon längst überfällig. Aber wie soll denn eine Aufsicht agieren, wenn selbst Politiker und Notenbänken die Gesetze brechen oder umgehen.

Wer mit seinem Berater eine individuell ausgerichtete Strategie erarbeitet, eine prozentuale Aufteilung vornimmt, um Klumpen Risiken zu vermeiden, wer auf Qualität achtet und nicht spekuliert, benötigt keinen emotionslosen Roboter. Den braucht eventuell nur derjenige, der am Aktienmarkt spekuliert. Es ist viel wichtiger die eigene Strategie den Veränderungen der Kapitalmärkte anzupassen bzw. auf die individuelle Richtigkeit zu überprüfen.

Kolumne von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter,
I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH