Droht den FAANGs der Absturz?

Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

Die Web-Giganten Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google haben sich in den letzten Jahren unter dem Akronym FAANG einen Börsennamen gemacht. Die Aktienkurse kletterten von Rekordhoch zu Rekordhoch. Seit einigen Tagen leiden die FAANG-Aktien unter einem Schwächeanfall. Droht jetzt der Absturz nach dem Höhenflug?

Die fünf Techriesen Alphabet (ehemals Google), Amazon, Apple, Facebook und Netflix sind zusammengerechnet 1,94 Billionen US-Dollar wert. Das übertrifft sogar den Wert aller 30 DAX-Konzerne um etwa 45 Prozent. Der Aufstieg der FAANG-Aktien an die Spitze der wertvollsten Unternehmen geht einher mit der rasanten Entwicklung des Internets, welche schon vor einem Jahrzehnt absehbar war. Die Datenmenge, die durch das World-Wide-Web rollt, ist immens und weiter stark steigend. Das Internet ist somit längst zu einem Multimilliardenmarkt geworden. Der Kuchen wird in diesem Segment nach dem Motto „the winner takes it all“ vergeben. Die Firmen aus der zweiten und dritten Reihe ächzen oftmals unter der übermächtigen Konkurrenz der oben genannten Marktführer und versinken über kurz oder lang in der Bedeutungslosigkeit. Ein Beispiel für dieses winner takes it all-Prinzip sind die Börsenlieblinge Facebook und Alphabet. Die Google-Mutter und die Firma des Gründers Mark Zuckerberg sind in ihren Märkten unangefochtener Marktführer und dominieren das schnell wachsende Segment für mobile Internetwerbung. Zusammen kommen Alphabet und Facebook auf einen Weltmarktanteil von gut 60 Prozent. Mehr als jede zweite mobile Werbung weltweit landet somit bei Google oder Facebook, Tendenz steigend.

In einem positiven Aktienmarktumfeld liefen Technologieaktien in den letzten Jahren besonders gut und unter den Technologiewerten stachen die FAANG heraus. Amazon und Alphabet knackten in den letzten Handelswochen sogar die magische Grenze von 1000 US-Dollar pro Aktie.

Die steigenden Aktienkurse haben natürlich auch steigende Bewertungen zur Folge. So ist Netflix aktuell mit einem KGV von 150 und Amazon mit einem KGV von 144 sehr ambitioniert bewertet. Letzten Freitag platzte der erste Lack an der sonst makellosen Performancehistorie ab. So verlor Amazon in nur fünf Sekunden 17 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Der Sektor, insbesondere die Aktien, die sehr gut gelaufen sind, können eine Korrektur dringend vertragen.

Jetzt stellt sich allerdings die Frage, ob es sich nur um eine gesunde, kurzfristige Korrektur handelte oder ob die letzten Tage der Auftakt für einen veritablen Crash waren. Investoren sollte jedenfalls klar werden, dass die Börse keine Einbahnstraße ist – die Dotcom-Blase lässt grüßen. Mittel- und langfristig kehren Aktien immer wieder zum fairen, inneren Wert zurück, so dass Investoren gut beraten sind, Übertreibungen nach oben zum Verkauf sowie nach unten zum Kauf konsequent zu nutzen. Der nächste Einstiegszeitpunkt wird bestimmt kommen, schließlich ist es wie mit dem nächsten Bus.

Kolumne von Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions