Dritte Welle der Kooperation zwischen Versicherern und InsurTechs kommt

Martin Baumann, Industry Head Insurance bei Capgemini Invent / Foto: © Capgemini Invent

Es ist gerade einmal etwas mehr als drei Jahre her, dass ein Buzzword in die Versicherungsbranche in Deutschland Einzug erhielt: Der Begriff der InsurTechs. Mit anderen Worten, die StartUp Branche hat den Versicherungsmarkt für sich entdeckt. Das Potenzial erscheint gewaltig. Alleine in Deutschland sprechen wir spartenübergreifend über etwa 437 Millionen Bestandsverträge (2018). Bis heute wird nur ein geringer Anteil an Neuverträgen über digitale Online- und Direktkanäle vertrieben und abgeschlossen. Die Verwaltung erfolgt zumeist noch mit etablierten Bestandssystemen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich InsurTechs in Deutschland zu Beginn das Ziel gesteckt hatten, genau diese Lücke zu füllen. Ihr Anspruch: Entwicklung von kundenzentrierten Ansätzen oder gar komplett neuen Geschäftsmodellen mit Versicherungsbezug („Insur“) und Umsetzung durch neue Technologien („Tech“).

Entwickelt wurden zahlreiche neue Ideen zumeist jenseits regulatorischer Besonderheiten, die im Versicherungsmarkt gelten. Die traditionelle Versicherungsbranche reagierte mit Zurückhaltung. Der natürliche Impuls der meist jungen Gründer brachte die erste und medienwirksame Welle ins Rollen: „dann machen wir es alleine und disruptieren die Branche.“

Diese Welle hielt bekanntermaßen nur kurz an und die Erfolge waren überschaubar. Fehlender Endkundenzugang und fehlendes Verständnis für die Verwaltung und den Vertrieb von komplexen, erklärungsbedürftigen Produkten sind nur zwei Erklärungsansätze die zur zweiten und nach wie vor anhaltenden Welle im InsurTech Markt geführt hat: „wir kooperieren mit Versicherern und erobern den Markt gemeinsam.“

Zunächst erscheint dieser Ansatz nachvollziehbar. Es sind die komplementären Stärken, die in ihrer Ergänzung, die sich verändernden Kundenbedürfnisse optimal abdecken können. Versicherungsunternehmen punkten durch ihre Solvabilität und Sicherheit, aufgebaute Marke sowie bestehende Serviceeinheiten und Vertriebsstrukturen mit etabliertem Enkundenzugang. InsurTechs hingehen zeichnen sich durch hohe Agilität und konsequente Endkundenorientierung im Prozess- und UX-Design aus (Grafik 1). Durch eine Kooperation können die unterschiedlichen Stärken zusammengeführt werden, welche in einer gegenseitigen Wettbewerbssituation jeweils mühsam aufgebaut werden müsste.

Grafik 1: Stärken von Versicherern und InsurTechs

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