Drei Szenarien für den weiteren Verlauf der Krise

Dr. Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München / Foto: © Dr. Lux & Präuner

Gefühlt sind wir noch mittendrin in der Corona-Misere, aber die Börsenauguren machen sich jetzt schon Gedanken über das Danach – will heißen, wie es mit der Wirtschaft nach dem Corona-Crash weitergeht.

Drei Szenarien stehen im Raum – es sind die gleichen, die auch bei der Finanzkrise zur Debatte standen. Wie bekannt, war die Finanzkrise zwar dramatisch, die Kurse erreichten aber schon zwei Jahre später fast wieder ihr Ausgangsniveau, und es folgte ein jahrelanger Kursaufschwung. Wird es nach Corona ähnlich sein?

V-Szenario

Im günstigen Fall hinterlässt das Virus ökonomisch betrachtet überschaubare Schäden: viele Leute verzichten auf Urlaubsreisen oder Städtebesuche, größere Anschaffungen werden verschoben. Etliche Angestellte arbeiten über den Computer von zu Hause aus. Vereinzelt gibt es Engpässe in der Produktion, weil die internationale Logistikkette stockt. Die meisten Menschen aber werden sich schnell an die neue Realität gewöhnen. Letztlich verbreitet das Coronavirus keine apokalyptische Seuche, sondern eine Art Grippe.

In diesem Szenario wird die Krise nur eine Delle in der Weltwirtschaft hinterlassen. Ein schlechtes Quartal, vielleicht zwei. Die meisten Unternehmen würden das verkraften. Notenbanken und Staaten stehen bereit, um in Notfällen auszuhelfen. Ein Teil der Umsatzausfälle kann über Nachholeffekte in späteren Quartalen der Wirtschaft einen Schub geben. Der Schaden würde damit am Jahresende kleiner sein als befürchtet. Selbst viele Unternehmen, die von der Krise hart getroffen werden, könnten auf längere Sicht profitieren: wenn etwa finanzschwache Airlines auf der Strecke bleiben, stärkt das die Marktposition von Branchenriesen wie Lufthansa.

Im Endeffekt könnte rasch wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht werden. Börsianer schauen ohnehin nach vorn: im Jahr 2009, als die Finanzkrise die Welt erschütterte, drehten die Kurse nach oben, als die Realwirtschaft noch tief im Schlamassel steckte. Auch jetzt haben die Aktienmärkte ein negatives Szenario vorweggenommen: der Corona-Crash hat die Kurse ungewöhnlich schnell nach unten getrieben. Sollte die Krise nicht doch noch außer Kontrolle geraten, könnte das Schlimmste also schon in den Kursen stecken. Hartgesottenen Anlegern bietet der Corona-Crash somit die Chance, Aktien starker Konzerne günstig einzukaufen. Das langfristige Argument für Aktien hat durch die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung sogar an Gewicht gewonnen: die erneute Leitzinssenkung in den USA verstärkt den Renditenotstand bei klassischen defensiven Investments. Vielleicht spiegelt sich dies auch bereits in der aktuell kräftigen Erholungsrallye der US-Indizes wider.

Die beiden anderen Szenarien erfahren Sie auf Seite 2