Dividendenrekord in Sicht

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Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

Die Dividendensaison kommt jetzt richtig ins Laufen und Anleger können sich die Hände reiben. In Zeiten von Niedrigzinsen sind Dividenden als Renditebringer deutlich attraktiver geworden. Doch worauf kommt es bei der Dividendenauswahl wirklich an? Die Dividendensaison steht vor der Tür, sodass sich die Aktionäre auf saftige Ausschüttungen freuen können. Die 30 Dax-Konzerne schütten nämlich in diesem Jahr 32 Milliarden Euro an Dividenden aus, so viel wie nie zuvor und 8,5 Prozent mehr als 2016. Vor zehn Jahren schütteten die DAX-Konzerne gerade mal 23,5 Milliarden Euro aus. Dividenden sind ein wichtiger Renditebestandteil eines Aktieninvestments. Laut einer Studie von Allianz Global Investors haben Dividenden in der Vergangenheit rund 38 Prozent zur Wertentwicklung des MSCI Europa beigetragen. Darüber hinaus liegen die Erträge aus Dividenden aktuell über dem Renditeniveau von „sicheren“ Anleihen, wie beispielsweise der einer zehnjährigen Bundesanleihe. Laut dem Fondsverband BVI bieten die Dax-Firmen derzeit eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,5 Prozent, beim kleinen Bruder, dem MDax, sind es sogar über 3 Prozent. Deutsche Aktionäre profitieren allerdings nur bedingt von diesem Geldregen. Von den rund 32 Milliarden Euro, die in den kommenden Wochen gezahlt werden, fließen fast 20 Milliarden Euro an ausländische Anteilseigner. Die größten ausländischen Dividendenempfänger sind die amerikanischen Geldverwalter Blackrock und Vanguard, gefolgt vom norwegischen Staatsfonds. Deutsche sind im internationalen Vergleich, nach wie vor „Börsenmuffel“. Gerade mal neun Millionen Deutsche besitzen direkt oder indirekt Aktien, was einem Bevölkerungsanteil von nur elf Prozent entspricht. Hier wandert also erhebliches Vermögen ins Ausland. Die Ausschüttungen, welche für die Aktionäre auf den ersten Blick wie ein warmer Geldsegen aussieht, können aber langfristig gesehen auch Nachteile mit sich bringen. Im Unternehmen selbst könnten die Gewinne eventuell besser angelegt sein, da der Zinseszinseffekt bei einer Nichtausschüttung zum Tragen kommt. Dieser wirkt sich aber nur aus, wenn das Unternehmen die Gewinne nicht ausschüttet, sondern reinvestiert und damit attraktivere Renditen erwirtschaften kann. Langfristig kann der Unternehmenswert so deutlich schneller gesteigert werden. Investoren sollten auch darauf achten, wie sich die Dividende eines Unternehmens zusammensetzt. Der Anteil der Ausschüttungen sollte im Verhältnis zum Gewinn idealerweise maximal 70 Prozent betragen. Die einbehaltenen Gewinne sollten zukunftsträchtig in Themen wie Forschung und Entwicklung, Akquisitionen oder organisches Wachstum investiert werden. Entscheidend ist vor allem die so genannte Dividendenhistorie des Unternehmens. Interessant für Dividendenjäger sind also Unternehmen, die in der Lage sind, über einen Zeitraum von vielen Jahren eine gleichbleibende oder besser noch steigende Dividende zu zahlen. Genauer hinschauen sollten Aktionäre, wenn Unternehmen für die Dividendenausschüttung Tafelsilber veräußern müssen Aller „Dividendeneuphorie“ zum Trotz, sollten (Neu)anleger dennoch oder gerade deswegen wachsam sein und ein Unternehmen genauestens analysieren, bevor blindlinks Aktien gekauft werden. Neben der Dividendenrendite sind für das Aufspüren von guten Dividendentiteln weitere Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis und der Cashflow zu durchforsten. So gelingt es Investoren rechtzeitig, Kapitalvernichter, wie beispielsweise die Deutsche Bank oder EON, zu identifizieren.

Kolumne von Guido vom Schemm, GVS Financial Solutions