Dividenden-Strategien – wie sie wirklich funktionieren

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Rund 36 Milliarden Euro werden die 30 im DAX gelisteten Unternehmen in diesem Jahr als Gewinnbeteiligung an ihre Aktionäre ausschütten. So hoch fielen die Dividendenzahlungen noch nie aus. Der Großteil dieser Summe wird in den Monaten April und Mai fällig, weil hier viele Konzerne ihre Hauptversammlung abhalten. Für Anleger ist die Dividende gerade jetzt ein wichtiger Bestandteil ihrer Performance, da die Aktienkurse seit dem Jahreswechsel bei vielen Titeln trotz der zu erwartenden Rekordausschüttungen gefallen sind.

Dass eine hohe Dividendenrendite allein nicht ausreicht, um Aktien zu Erfolgsgaranten zu machen, ist hinlänglich bewiesen. Die in diesem Segment aktiven Fondsmanager achten deshalb zum Beispiel zusätzlich darauf, dass die Unternehmen eine zuverlässige Dividendenhistorie mit möglichst stetig steigenden Ausschüttungen ausweisen und über eine gesunde Bilanz, starke Cashflows sowie zukunftsträchtige Geschäftsmodelle verfügen. Auch die Trader, die bei wikifolio.com eine Dividenden-Strategie verfolgen, haben ganz klare Vorstellungen davon, was bei der Aktienauswahl neben hohen Dividenden noch wichtig ist.

Ausschüttungen sollten vorher auch verdient werden

Frank Naujoks fokussiert sich zum Beispiel verstärkt darauf, dass die Unternehmen zu den führenden Unternehmen in einem Wachstumsmarkt zählen, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell betreiben und an der Börse möglichst günstig bewertet sind. Gleichzeitig versucht er sich immer ein Bild von der Qualität, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit des Top-Managements zu machen. Hier achtet er etwa darauf, „von welchen Wachstumsraten das Unternehmen selbst ausgeht und ob in der Vergangenheit die eigenen Prognosen erfüllt oder sogar übertroffen wurden“.

Die Dividendenhistorie ist für den im Bankwesen tätigen Trader ebenfalls ein ganz wichtiger Aspekt, wobei die Konzerne die Ausschüttungen zuvor auch verdient haben sollten: „Die Kontinuität der Zahlungen ist ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen über die Jahre gut gewirtschaftet und sich im Markt behauptet hat. Entscheidend hierbei ist, dass die Dividenden aus den Cash-Flows generiert werden und nicht aus der Substanz des Unternehmens“.

Deutsche Autobauer erfüllen die Voraussetzungen

Im aktuellen Umfeld hält Naujoks für risikofreudige Dividendenjäger unter anderem die sich seiner Ansicht nach gerade zu kompletten Mobilitätsanbietern weiterentwickelnden deutschen Automobilhersteller für interessant: „Hier locken Dividendenrenditen von teilweise über fünf Prozent und Kurs-Gewinn-Verhältnisse von unter acht. Kursrisiken drohen jedoch weiterhin durch mögliche negative Folgen aus der Aufarbeitung des „Dieselskandals“ sowie aus einem möglichen Handelskrieg mit den USA“.

Auf das richtige Timing kommt es an

Wie die Experten bei LBBW Asset Management herausgefunden haben, spielt gerade während der heißen Phase der Dividendensaison auch das Timing eine ganz entscheidende Rolle. Nach ihren Untersuchungen laufen Dividendentitel in der Phase zwischen der Ankündigung und der Ausschüttung der Dividende besonders gut.

Auf einem ähnlichen Ansatz basiert die Anlagestrategie von Ralph Sonderhüsken, der die „zeitliche Nähe zur Ausschüttung“ als einen wichtigen Erfolgsfaktor bezeichnet: „In den vier bis sechs Wochen vor der Hauptversammlung preisen Marktkräfte in der Regel die zu zahlende Dividende auf (und oft deutlich mehr)“. Um davon zu profitieren, nimmt er vor allem im März und April die entsprechenden Aktien ins Visier. Nach der Ausschüttung erfolgt dann häufig ein (Teil-)Verkauf, weil es bei den guten Dividendenzahlern seiner Beobachtung nach im Anschluss sehr oft zu langen Konsolidierungsphasen kommt. In diesem Jahr findet der Trader aufgrund des „defensiven Charakters und positivem Newsflow“ vor allem die deutschen Versorgerwerte spannend – zumindest bis zu deren Hauptversammlungen.

Von: Andreas Kern,
Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG