Digitalisierung als Schlüssel für ein erfolgreiches ESG-Management

Diese zusätzlichen nachhaltigen Kriterien in Investitionsentscheidungen mit einfließen zu lassen ist zeitgemäß und zwingend notwendig. Sustainable Finance mit ESG-Perspektive bedeutet aber auch, dass eine Vielzahl an zusätzlichen Daten gesammelt und ausgewertet werden muss. Zum einen, um die Unternehmen zu bewerten und zum anderen, um Transparenz auf dem Finanzmarkt zu erreichen. Die Lösung für den effizienten Umgang mit diesen Daten findet sich in einem weiteren Trend des 21. Jahrhunderts: der Digitalisierung. Der Einsatz neuer Technologien kann entscheidend zu einem professionellen ESG-Datenmanagement beitragen. Das gilt nicht nur für Ratingagenturen, die Portfoliounternehmen nach nachhaltigen Kriterien bewerten, sondern für alle anderen Akteure des Finanzmarktes ebenso, zum Beispiel Banken, Versicherungen und Investoren.

Finanzakteure sind von der Datenmenge überfordert

Da es sich um ein relativ neues Thema handelt, bringt die Implementierung eines ESG-Managements viele Herausforderungen mit sich. Oft sind ESG-Perspektiven strategisch gar nicht verankert und es fehlt an Zuständigkeiten. Auch ein fehlender einheitlicher Standard erschwert die Arbeit mit nachhaltigen Kriterien. Zudem sind Akteure schier oft erschlagen von der Datenmenge und auch überfragt, wenn es darum geht, schwer messbare Aspekte, etwa im sozialen Bereich, zu bewerten. Daten werden oft aus verschiedenen Quellen bezogen, was das transparente und systematische Sammeln und Erfassen zusätzlich erschwert. Als Lösung, um Ordnung in die Datenherausforderung zu bringen, bieten sich spezielle Softwarelösungen an, mit denen ESG-relevante Prozesse zeit- und kosteneffizient erledigt werden können. Features übernehmen zum Beispiel die Analyse von Daten, das Erstellen von Berichten und Unternehmensprofilen, die Erstellung und Nachverfolgung eines ESG-Index und vieles weitere mehr. Integrierte Plausibilitätsprüfungen erhöhen gleichzeitig die Datenqualität und Datenschutz-Standards gewährleisten einen sicheren Umgang mit einer Fülle von Daten. Neben dem Einsatz einer geeigneten Software wird auch Künstliche Intelligenz (KI) als weitere Errungenschaft der digitalen Transformation für die Analyse von ESG-Daten immer wichtiger. Mittels passender Algorithmen kann KI externe Quellen nach passenden Daten durchsuchen und so die Datenqualität deutlich erhöhen.

Der Einsatz digitaler Tools für das Datenmanagement ist entscheidend, aber das ESG-Managment muss natürlich fest in der Unternehmensstrategie verankert werden. Für den professionellen Umgang mit nachhaltigen Kriterien im Investment-Lifecycle braucht es einen systematisierten Standard. Nach der Entwicklung einer ganzheitlichen ESG-Strategie gilt es somit eine individuelle ESG-Policy zu entwerfen. Mit dem Erstellen von Ausschluss-Kriterien und Kennzahlen, zum Beispiel auf Basis des KPI-Sets “ESG 3.0” der European Federation of Financial Analysts Societies, werden die Investment-Kriterien noch verfeinert. Wenn die Theorie für das ESG-Management steht, kommt die praktische Datenerhebung, Analyse und das Reporting mit ins Spiel. Für diese umfangreiche Aufgabe empfiehlt sich, wie bereits erwähnt, das Arbeiten mit einer spezialisierten Software.

Fazit

Die Politik hat den Kurs vorgegeben: Die Wirtschaft muss nachhaltig agieren und Investoren sowie weitere Akteure auf dem Finanzmarkt haben die Aufgabe, Kapital mittels ESG-Kriterien in verantwortliche Investments zu lenken. In Entscheidungen fließen nun zusätzliche, neue Informationen mit ein – Daten und ihre Qualität spielen eine außerordentlich wichtige Rolle. Die Digitalisierung mit ihren Technologien wie Software oder KI ist hier ein wichtiges Mittel, auf dem Weg zu einem professionellen ESG Management.

Gastbeitrag von Frank Thole,
Partner WEPEX Unternehmensberatung