Digitalisierung ändert gewohnte Abläufe

Die Digitalisierung, das Internet und die moderne Kommunikation werden die Wirtschaft verändern. Erste Einflüsse sind bereits in der gewohnten täglichen Praxis angekommen, andere drohen sich an.

2015-10-23 (fw/db) Im Mittelpunkt des 10. Nordbayerischen Versicherungstag in Coburg, der vom Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft (BWV) Nordbayern-Thüringen in Kooperation mit Forum V veranstaltet wurde, standen die Chancen einer digitalen Welt im Mittelpunkt. Rund 400 Teilnehmer diskutierten gemeinsam mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über Lösungsansätze und Handlungsoptionen. Unterm Strich wird vieles nicht so bleiben, wie es ist.

Digitalisierung mit politischer Unterstützung

Innovation, Kreativität und Digitalisierung beschreiben die großen Herausforderungen, vor denen gerade auch die Versicherungswirtschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stehen wird.

„Die digitale Revolution erfasst alle Lebensbereiche. Wir müssen uns auf die digitale Zukunft einstellen und neue Ideen generieren, um weiter zur wirtschaftlichen Spitze zu gehören. Wir treiben die Digitalisierung in der Staatsverwaltung konsequent voran“, so Dr. Markus Söder, Finanzminister des Freistaats Bayern.

Gleichzeitig investiere die bayrische Staatsregierung so viel in den Breitbandausbau wie kein anderes Bundesland. „Mit einem einzigartigen Förderprogramm von 1,5 Milliarden Euro für den Ausbau von schnellem Internet in Bayern schaffen wir ideale Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Verwaltung – insbesondere im ländlichen Raum“, sagte Söder auf dem Nordbayrischen Versicherungstag.

Das Neue und seine Feinde

Das Internet und die Digitalisierung verändern die Welt. Nach einem Vierteljahrhundert Internet erscheint „das Web“ plötzlich als Bedrohung etablierter Geschäftsmodelle.

„Alles ist gesetzlich so stark reglementiert, dass kaum Möglichkeiten zum neuerlichen Probieren bestehen. Die Kommunikation mit Kunden stimme nicht. Diese vermuten bei jeder Neuerung eine gewisse Profitgier. Zudem bleibt alles starr, solange sich ein Einstieg von Google & Co. noch nicht lohnt“, erklärte Prof. Dr. Gunter Dueck in seinem Vortrag „Das Neue und seine Feinde“.

Auch Finanzunternehmen stünden, nach Meinung des Experten Dueck, vor Herausforderungen. Beispielsweise wird es schon bald selbstfahrende Fahrzeuge geben, die als System versichert werden und vermutlich nicht mehr über den Fahrzeughalter. Damit würden Banken und Versicherungen einen der wichtigsten Kundenzugangspunkte verlieren.

Prozesse werden einfacher, schneller und effizienter

Dr. Wolfgang Weiler, Sprecher der Vorstände der HUK-Coburg Versicherungsgruppe, erwartet, dass alle Prozesse, die derzeit in einem Unternehmen ablaufen, künftig digital durchgeführt werden. Dadurch würden die Prozesse einfacher, schneller und effizienter.

„Dies macht Unternehmen zwar zukunftssicherer, wird aber große Veränderungsprozesse in der Assekuranz auslösen“, so Weiler.

Der Gewinner der Digitalisierung müsse der Versicherte sein. Es gelte, digitale Kundenerwartungen zu erfüllen und unkomplizierte Geschäftsmodelle anzubieten, die auf ganz einfache und schnelle Weise jederzeit und überall funktionieren.

„Die Kunden sollten auch vor der Digitalisierung bereits im Fokus der Unternehmensanstrengungen gestanden haben. Anders ausgedrückt: Die Digitalisierung ändert nicht automatisch die DNA eines Unternehmens, Kundenorientierung ist keine zwangsläufige Folge“, mahnte Weiler.

Für die Branche könne durch die Digitalisierung eine höhere Transparenz entstehen und dadurch wiederum das Vertrauen in die Assekuranz wachsen.

Digitalisierung als Basis für Innovationen

Innovation und Kreativität sind Begriffe, die in der Bevölkerung nicht mit der Versicherungsbranche in Verbindung gebracht werden. Prof. Dr. Petra Gruner von der Hochschule Coburg und gleichzeitig Mitglied des Vorstandes bei Forum V stellte hierzu verschiedene Thesen vor. Beispielsweise sei die Versicherungsbranche der geborene Innovator, da Versicherungslösungen dem sich verändernden menschlichen Sicherheitsbedürfnis entsprechen müssen. Ändern sich die Umstände, so werden diese in neuen Versicherungsprodukten abgebildet. Somit hat jede Innovation unmittelbare Auswirkungen auf die Versicherungsprodukte.

Für die Expertin Gruner stellt die Digitalisierung eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar und ist Ausgangspunkt und Basis für Innovationen. Dabei sollte bei der Gestaltung von Versicherungsprodukten darauf geachtet werden, dass sich die zunehmende Komplexität der Umwelt nicht in noch unverständlicheren Versicherungsbedingungen widerspiegelt. Was der Versicherte nach einer Studie von Bain & Company möchte, sind verständliche, modularisierte und individualisierbare Problemlösungen.

„Dies konsequenter zu realisieren wäre eine wirkliche Innovation im Versicherungsbereich. Zudem darf nicht vergessen werden, dass ein immaterielles Gut wie Versicherungsschutz neben moderner Technologie und Transparenz einen dritten wichtigen Erfolgsfaktor hat: Das Vertrauen“, so Gruner.

Daten, Relationen und „intelligente“ Nutzung

In den drei Foren wurden aktuelle Branchenthemen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutiert, beispielsweise die Auswirkungen eines zunehmend automatisierten Fahrens auf die Geschäftsmodelle sowie der gläserne Versicherte in der Krankenversicherung. Zudem wurden Wege zu mehr Kreativität aufgezeigt, die auch Innovationsprozesse befördern können.

Thomas Andrae, Direktor der 3M New Ventures, ging in seinem Schlussvortrag auf die Bedeutung kontextueller Systeme im digitalen Zeitalter ein. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Bereichen zeigte er auf, wie die Fülle an generierten Daten durch Verknüpfungen und Kombinationen intelligent genutzt und die heutige Welt damit „klüger“ gemacht werden kann.

Dietmar Braun