Digitale Technik ermöglicht dem Versicherer einen Neustart

Walter Capellmann, Hauptbevollmächtigter der DELA in Deutschland / Foto: © DELA

Die Digitalisierung verändert die Versicherungswirtschaft. Immer mehr InsurTechs mischen den Markt auf. Um neue und alte Versicherungswelt miteinander zu verknüpfen, wurde die Digital Insurance Agenda (DIA) gegründet. Hier vernetzen sich Führungskräfte der Versicherungs- und InsurTech-Branche. 2016 zum ersten Mal in Barcelona, 2017 und 2018 jeweils in Amsterdam. Im Herbst  wird eine Veranstaltung in München stattfinden. Grund genug für die finanzwelt, den Mitveranstalter, Herrn Walter Capellmann, nach den Hintergründen zu fragen.

finanzwelt: Herr Capellmann, Sie sind Mitveranstalter und Partner des DIA Kongresses in München. Hier werden unter anderem 50 streng selektierte InsurTechs erwartet. Worum geht es bei dieser Veranstaltung konkret und an wen richtet sie sich?

Capellmann: Die DIA www.digitalinsuranceagenda.com ist die weltweit führende Konferenz und Plattform für InsurTechs und Innovation im Versicherungssektor. Idee und Zweck der DIA ist, Innovationen in der Versicherungswelt zu beschleunigen. Die Konferenz bringt führende InsurTechs mit strategischem Impact für die Branche und Entscheidern auf C-Level der Versicherungsindustrie zusammen.

finanzwelt: Was können Makler und Vermittler dort lernen und welche Netzwerke sind für sie von Vorteil?

Capellmann: Zum einen lernen sie, wie sich Zugangswege und Kundenverhalten verändert haben. Sie erfahren mehr über die Auswirkungen auf Kommunikation sowie die für den Kunden wichtigen Momente in der Customer Journey. Zum andern wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten sich aus diesen Veränderungen ergeben und wie Berater diese neuen Ansätze für sich nutzen können.

finanzwelt: Der große Überbegriff für die Veranstaltung, aber auch letztendlich das, was gerade am Markt passiert, könnte man mit ‚digital Transformation‘ bezeichnen. Was verbirgt sich dahinter?

Capellmann:  Die Veränderung durch die Digitalisierung hat schon längst stattgefunden und ist irreversibel. Informations- und Kundenverhalten haben sich drastisch verändert. Insbesondere der Umgang und die Interaktion mit Kunden/Konsumenten. Digitale Transformation ist ein Prozess, der alle Bereiche eines Anbieters betrifft und sich nicht nur auf die Effizienzsteigerung der bestehenden Prozesse beschränken solte. Wer den Kunden in diesem Prozess nicht ins Zentrum stellt, wird nicht zu den Gewinnern der digitalen Welt gehören.

finanzwelt: Sie behandeln u. a. das Phänomen, wie InsurTechs den sozialen und wirtschaftlichen Einfluss auf Versicherer beschleunigen. Können Sie dafür Beispiele benennen?

Capellmann: Ende 2017 haben wir unsere Prognosen der Key InsurTech Trends 2018 veröffentlicht. Einer der Trends in unserer Top 10 war „Purpose Reboot“, also Neustart. Wir glauben fest daran, dass neue digitale Technologien nicht nur kritisch bei der Repositionierung entlang der Wertschöpfungskette sind, sondern den Versicherern einen Neustart innerhalb ihrer Gemeinschaften ermöglichen. InsurTechs können Versicherern helfen, diese Rolle wesentlich schneller und effizienter zu spielen als zurzeit. Wichtige globale Herausforderungen heute und in der Zukunft; zum Beispiel Innovationen, die helfen, Schäden bei Naturkatastrophen zu begrenzen. Oder sog. Connected Health Devices und fortschrittliche Technologien, die die Gesundheitsvorsorge verbessern und gleichzeitig günstige Kostenstrukturen bieten in einer alternden Gesellschaft. Mikroversicherungen, die Millionen Geringverdienern, die bisher unterversichert waren, Versicherungsschutz bieten.

finanzwelt: Und zum Schluss: Das Thema Blockchain ist in aller Munde und auf einer FinTech Veranstaltung nicht mehr wegzudenken. Inwieweit können auch Versicherer davon profitieren und diese Kryptotechnik nutzen?

Capellmann:  In erster Linie für mehr und bessere OperationaI Excellence. Mit der Blockchain Technologie sind alle in der Kette miteinander verbunden: Versicherer, Rückversicherer, Berater. Sie sind alle in der Lage, direkt Informationen und Regeln auszutauschen, so dass der Geschäftsvorfall vom Abschluss bis zum Leistungsfall ultraeffizient verläuft. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Innovation. Ich denke, Sie kennen das Thema Flugverspätungen. Im letzten Jahr hatten einige meiner Flüge Verspätungen von mehr als 5 Stunden. Nach 3 Stunden hat man ein Anrecht auf Kompensation. Trotz Recht und einer Vielzahl auszufüllender Formulare warte ich heute noch auf eine Erstattung. Einfacher wäre es mit Fizzy von AXA gewesen. Fizzy nutzt die Blockchain Technologie zu einer sog. parametrischen Versicherung. Dabei checkt Fizzy online Datenbanken wie Flightstats.com und weiß exakt, welcher Flug wie lange verspätet ist. Das ist der Auslöser zur Bearbeitung des Leistungsfalls. Es folgt die Meldung an Fizzy. Die weitere Bearbeitung läuft dann voll automatisiert. (lvs)

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