Digitale Finanzprodukte: nur eine Sache junger Männer?

Florian Reichert, Geschäftsführer für den Bereich Kredite bei CHECK24 / Foto: © CHECK 24

Wer Kredite komplett digital aufnimmt, ist in der Regel jung und männlich. Bei vielen anderen digitalen Finanzdiensten sieht die Zielgruppe ganz ähnlich aus. Wird das so bleiben?

In Finanzfragen haben die Deutschen den Ruf, große Digitalmuffel zu sein. Im Laden bezahlen sie am liebsten in bar und beim Onlineshopping per Banküberweisung. Bei der Nutzung des Onlinebankings sind sie mittlerweile ins europäische Mittelfeld zurückgefallen, hinter die Einwohner von Ländern wie Irland oder Tschechien. Das zeigen Daten, die Eurostat vor kurzem veröffentlicht hat. Das gilt so aber keineswegs für alle Bundesbürger gleichermaßen. Tatsächlich sind die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in ganz unterschiedlichem Maße digitalaffin.

Für die Finanzwelt ist das ein wichtiger Befund. Schließlich ist die gesamte Branche im digitalen Aufbruch begriffen. In den letzten Jahren hat es einige weitreichende Entwicklungen gegeben. Für den Abschluss eines Onlinekredits zum Beispiel mussten Kunden bis vor wenigen Jahren noch zahlreiche Nachweisunterlagen und den Vertrag per Post einschicken. Die Personenidentifikation fand in der Postfiliale statt. Dank neuer Verfahren wie Videoident, digitalem Kontoblick – also dem Auslesen der Kontoumsätze über eine Schnittstelle zum Online-Girokonto – und der digitalen Unterschrift ist der Kreditabschluss mittlerweile gänzlich online möglich. Der Kreditnehmer kann den ganzen Prozess komplett am heimischen PC oder auch am Smartphone durchlaufen.

Produktübergreifend ähnliche Befunde

Über CHECK24 ist der volldigitale Kreditabschluss seit dem vergangenen Frühjahr möglich. Nun haben wir einen Blick auf die typischen Kunden geworfen, die ihr Darlehen über unser Vergleichsportal komplett auf digitalem Weg abschließen. Dabei zeigt sich, dass die Mehrheit von ihnen sehr jung (im Mittel 33,8 Jahre) und der Großteil männlich (79 Prozent) ist. Das trifft zwar auch auf Menschen zu, die über CHECK24 einen Kredit zumindest teilweise digital aufnehmen, aber längst nicht so deutlich. Hier liegt der Männeranteil immerhin noch bei 70 Prozent, das Durchschnittsalter bei 40 Jahren. Bei anderen Faktoren, zum Beispiel der regionalen Verteilung, unterscheiden sich die volldigitalen Nutzer kaum von der Vergleichsgruppe oder auch nur von der Durchschnittsbevölkerung.

Bei anderen digitalen Finanzanwendungen sind die Befunde ähnlich. Auch die Nutzer von Banking-Apps sind überwiegend jung (42 Prozent unter 35 Jahren) und männlich (62 Prozent), glaubt man einer Yougov-Befragung unter 2.000 Erwachsenen aus dem letzten Jahr. Dabei ist schon das reine Interesse am Mobile Banking bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen, wie eine Trend-Studie von BBW Marketing von 2016 feststellt. Unter den befragten Männern gaben rund acht Prozent an, dass sie in Zukunft gerne ausprobieren würden, ihre Bankgeschäfte auch über das Smartphone abzuwickeln. Unter den befragten Frauen waren es nur rund drei Prozent. Dieser Statistik zufolge nutzen 2016 rund 19 Prozent der Männer und rund 17 Prozent der Frauen eine App ihrer Bank oder Sparkasse für Bankgeschäfte.

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