Dieses Mal kommt alles anders

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Kostolany bezeichnete diese Aussage als teuersten Satz der Börse. Ich halte es für die letzte Ausrede gegenüber Kritikern, wenn die Argumente ausgegangen sind. Denn volkswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten holen die Fehler, die durch politischen Willen durchgesetzt wurden, immer ein. Auch dieses Mal.

Der dramatische Anstieg des weltweiten Schuldenberges, begleitet und begünstigt durch eine massive Erhöhung der Geldmenge beinhaltet die Gefahr eines Finanz-Tsunamis, der Aufgrund der exorbitanten Volumina nicht beherrschbar erscheint. Irrsinnige Derivate-Produkte im Gegenwert von zig Billionen werden ihr übriges tun. Die Lunte brennt. Aber auf der Kapital-Titanic spielt noch die Musik.

Nun sind Schulden nicht grundsätzlich etwas Böses. Ein Unternehmen kauft mit Kredit eine Maschine, um damit den Umsatz und den Gewinn zu erhöhen. Den Mehrertrag nimmt es und tilgt den Kredit. Auch Privatleute nehmen einen Kredit auf zum Beispiel für ein Auto (um zum Arbeitsplatz zu kommen) und tilgen den Kredit in Monatsraten. Weniger sinnvoll erscheint die Kreditaufnahme, um in Urlaub zu fliegen. Solange die Kredite für Käufe wie Auto, selbst Urlaub oder die Küche usw. aufgenommen werden, kommt dieser Konsum in der Volkswirtschaft an. Die Gefahr einer Insolvenz wächst rasant an, wenn Kredite benötigt werden, um Kreditzins und/oder Tilgung zu begleichen. Der Nutzen für die Volkswirtschaft sinkt dann gegen Null. Ähnliches gilt auch für die Staatsschulden.

In den letzten zehn Jahren sind die Staatskredite global deutlich schneller gestiegen als das BSP. Da ein wachsender Teil der Neuverschuldung für die Bedienung der Altschulden, aber auch für Soziales verwendet wurde, ist die volkswirtschaftliche Wirkung der Schuldenaufnahme immer geringer. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat errechnet, dass sowohl in Europa als auch in den USA und China von einem Euro Kreditaufnahme nur noch 0,38 bis 0,40 Cent in der Wirtschaft ankommen. Die Produktivität und damit die Sinnhaftigkeit des massiven Ausbaus von Staatsschulden schrumpfen immer schneller. Schulden lassen sich nicht weginflationieren. Denn wer tilgt in schlechteren Zeiten seine Schulden, wenn er es in der Boom-Phase nicht getan hat? Das Gegenteil wird der Fall sein. Eine Nebelkerze jagt die nächste. Viele glauben trotz aller Widersprüche den Politikern und Notenbankern. Eine Krise trifft sie dann völlig unvorbereitet.

Dem Bürger wird mit Hilfe der „neutralen“ Presse vorgegaukelt, dass zum Beispiel Griechenland und Italien die Kehrtwende geschafft haben. Tatsache ist, dass das BIP beider Länder für 2018 wachsen wird. Tatsache ist aber auch, dass das BIP seit zehn Jahren trotzdem gesunken ist, und zwar in Griechenland etwa 36 und Italien ca. neun Prozent. Parallel stieg das BIP der Euro-Zone aber um über 18 (BRD 36 Prozent). Während der Verschuldungsgrad in Deutschland annähernd gleich geblieben ist, stieg er in Italien um 36 Prozent, in Griechenland gar um 85 Prozent (trotz Schuldenschnitt in 2012). Trotzdem ist Italien das Sorgenkind, weil die Gesamtschulden in etwa das zehnfache Volumen der Griechen betragen.

Nochmals zehn Mal höher als in Italien ist der Schuldenberg der USA. In den nächsten fünf Jahren (eher drei) dürfte er die 25 Billionen-Grenze überschritten haben. In diesem Zeitraum stehen aber auch fast 50 Prozent der Staatsschulden zur Prolongation an. Wer ist zukünftig noch bereit, ca. 10 Billionen Dollar (plus Neuverschuldung) in US-Schulden anzulegen, zumal dann, wenn der US-Dollar zur Schwäche neigt. Denn die USA sind auf Ausländer bei der Finanzierung angewiesen. Nachdem die USA auch potentielle Käufer (zum Beispiel China, Iran, Russland) in Wirtschaftskrieg und Sanktionen verstricken, dürften sich die Platzierungen der Schuldpapiere immer schwieriger gestalten.

Ein Fazit darf man schon aus mathematischen Gründen ziehen: Die Zinsen müssen weiterhin auf niedrigem Niveau verbleiben, das heißt die Notenbanken werden keine dramatischen Zinserhöhungen beschließen. Problematisch wird es, wenn die Weltwirtschaft sich merklich abschwächt, die Aktienbörsen spürbar verlieren (Crash-Indikator von Goldman Sachs zeigt 73prozentige Wahrscheinlichkeit) und/oder die Anleger an der Börse aufgrund von Bonitätsverschlechterung oder steigender Inflation höhere Zinsen verlangen. Die hohen Volumen machen dann die Notenbanken als Retter zum zahnlosen Tiger.

Was kann der Anleger derzeit tun, um auch für ein solches Szenario vorbereitet zu sein? Bargeld aufbauen (falls Banken wochenlang geschlossen bleiben), die selbstgenutzte Immobilien schuldenfrei stellen, Aktien höchster Qualität und Edelmetalle. Denn Gold hat keine Schulden und so seit über 5.000 Jahren jede Krise überlebt. Schon Konfuzius gab drei Wege vor, klug zu handeln: Der edelste war durch Nachdenken. Der einfachste war durch Nachahmen. Der dritte war der bitterste: Durch Erfahrung. Denn Erfahrung resultiert oft daraus, dass man die Entwicklung falsch eingeschätzt hat.

Kolumne von Rolf Ehlhardt,
Vermögensverwalter,
I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH