Die Zukunft im internationalen Zahlungsverkehr

von Jan Kolk, Senior Vice President für Devisenzahlungen, INTL FCStone Ltd. / Foto: © INTL FCStone Ltd.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Devisen und grenzüberschreitende Transaktionen per Telefon oder Fax abgewickelt. Dafür war meist eine Vielzahl manueller Eingriffe erforderlich, die den Prozess bisweilen nicht nur unflexibel und herausfordernd machten, sondern diesen auch mit operationellen Risiken behafteten und Abwicklungsprobleme verursachten. Für kleinere Unternehmen gab es fast keine Möglichkeit, direkten Zugang zu den Handelsräumen der Banken zu erhalten, die in der Lage waren, Transaktionen kostengünstig und effektiv für sie auszuführen. Optimal war die Vergangenheit in dieser Hinsicht offensichtlich nicht – aber was bringen die nächsten Jahre? Wie sieht der internationale Zahlungsverkehr in Zukunft aus? Und, welche Ansätze gibt es bereits jetzt, um grenzüberschreitende Transaktionen effizient und sicher vorzunehmen?

Die Gegenwart des internationalen Zahlungsverkehrs

Das Zusammentreffen von Globalisierung und Digitalisierung hat die Art und Weise, wie Devisentransaktionen und globale Zahlungen abgewickelt werden, enorm verändert. Unbestritten ist, dass grenzüberschreitende Zahlungen durch die Globalisierung massiv zugenommen haben; dank der Digitalisierung können sie zunehmend sicher und effizient abgewickelt werden. Heutzutage sind elektronische Single- oder Multi-Dealer-Plattformen keine Zukunftsmusik mehr: Sie ermöglichen es den Nutzern, Wechselkurse, die oft in Echtzeit gestreamt werden, unmittelbar einzusehen und Devisengeschäfte zu tätigen, wann und wie sie es wünschen. Dadurch sind Organisationen und Unternehmen wettbewerbsfähiger und ihre Transaktionen transparenter. Außerdem erleichtert es die Durchführung von Benchmarking. Darüber hinaus sind solche Plattformen auch in der Lage, Transaktionen zu verfolgen, Marktupdates oder indikative Kurse bereitzustellen und Abstimmungs-Tools zu integrieren.

Das Herzstück: Straight-Through-Processing (STP)

Die Methodik des Straight-Through-Processing verspricht dabei Effizienz und Effektivität. Die Einführung neuer Systeme hat den Wettbewerb auf dem Devisenmarkt nachhaltig gestärkt. Der intensive Konkurrenzkampf hat dazu geführt, dass Kosten gesenkt und die Abwicklungs- und STP-Aktivitäten immer effizienter werden. Manuelle Eingriffe sind die Ausnahme; operationelle Risiken haben sich erheblich reduziert. Einige Anbieter sind noch einen Schritt weiter gegangen, indem sie Application Programming Interfaces (APIs) zur Verfügung gestellt haben, die es den Anwendern ermöglichen, sich direkt mit ihren wechselkurs- und transaktionsbasierten Systemen zu verbinden. APIs erlauben es einer Software sicher über das Internet mit einer anderen Software zu interagieren. Dies hat neben geringeren Arbeitskosten auch eine höhere Produktivität zur Folge, da Batch-Dateien und große Mengen an Zahlungen sicher verarbeitet werden können. Gleichzeitig ergibt sich eine hohe Zuverlässigkeit, da eine solche Automatisierung Fehler bei der Stapelverarbeitung ausschließt und Eingabedaten validiert. Somit haben APIs weniger Betrugsmöglichkeiten und insgesamt eine bessere Kontrolle der Prozesse zur Folge.

Webbasierte Lösungen für einen direkten Devisenhandel

Soll das Straight-Through-Processing – der Wettbewerbserwartung des Devisenhandels entsprechend – auch in Zukunft immer transparenter werden, braucht es eine fortgeschrittene Lösung, die in der Lage ist Kursentwicklungen in Echtzeit zu streamen und in die STP-Systeme aller am Prozess beteiligten Parteien zu integrieren. Zwar gibt es bereits verschiedene Anbieter elektronischer Handelsplattformen dieser Art, doch einige Märkte, vor allem in den Entwicklungsländern, konnten lange Zeit nicht zur Genüge berücksichtigt werden. Dabei ist die Schaffung von Transparenz in diesen Märkten von besonderer Bedeutung, da die traditionellen Methoden zur Preisfindung hier oft unzuverlässig sind. Bisher fehlten für Währungen in Entwicklungsländern schlicht die Referenzwerte.

Ein Problem, dass die web-basierte Devisenplattform FXePrice von INTL FCStone Ltd (IFL) lösen soll. Die Anwendung automatisiert den Prozess, indem sie mithilfe von Streaming- und Ausschreibungsfunktionen eine elektronische Preisfindung im Devisenhandel ermöglicht. Die Korrespondenzbanken von IFL können Preise auch außerhalb der Börsenzeiten für ihre Währungen übermitteln und so rund um die Uhr am Devisenmarkt teilnehmen. FXePrice soll zukünftig die Preisfindung  in 140 Währungen für 175 Länder ermöglichen.

Feste Marktzeiten ade – Transparente Preisfindung immer und überall

Straight-Through-Processing ist die Gegenwart und die Zukunft des internationalen Zahlungsverkehrs zugleich. Attribute wie Effizienz und Effektivität allein halten den Erwartungen des Marktes und seiner Wettbewerber jedoch nicht mehr stand. Zusätzlich braucht es individuelle Lösungen, die als Teil des Ganzen in den Prozess integriert werden können, und für mehr Transparenz im Preisfindungsprozess sorgen. Solche Lösungen dürfen keine Märkte oder einzelne Akteure des Wettbewerbs unberücksichtigt lassen. Insofern sind Devisenplattformen der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft grenzüberschreitender Transaktionen. Konkrete Anwendungen wie FXePrice erschließen diesen Fortschritt auch auf exotischen Märkten, z.B. in Schwellenländern wie Bolivien oder Armenien. Die Zeichen der Zeit sind vielfältiger und anspruchsvoller geworden: Neben Wirtschaftlichkeit gehören inzwischen Transparenz und Flexibilität zu den wichtigsten Anforderungen, die mit fortschrittlichen Zahlungslösungen einher gehen.

Gastbeitrag von Jan Kolk,
Senior Vice President für Devisenzahlungen, INTL FCStone Ltd.