Die Zukunft der Finanzbranche in Europa

finanzwelt: Welches Thema in der Branche bewegt Sie aktuell am meisten? Ist es der geplante Provisionsdeckel?

Rentmeister: Natürlich beschäftigt mich die Diskussion um den Provisionsdeckel, obwohl ich aktuell gar nicht betroffen bin. Als zuletzt die Aussagen von Herrn Hufeld vom Aufsichtsamt zu den nachteiligen Entwicklungen in Großbritannien für Aufsehen sorgten, musste ich schmunzeln, da ich diese bereits 2009 prognostiziert habe und sie immer Teil meiner Argumentation gegen Preisdiktate waren. Die aktuelle Diskussion um die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige treibt mich ebenfalls um. Trotz allem Für und Wider, halte ich entgegen dem Forschungsbericht 487 des BMAS die ‚Einbeziehung der Selbstständigen in die GRV‘ saldiert für volkswirtschaftlich schädlich.

finanzwelt: Sie hatten während Ihrer Zeit als Chef der OVB auch den Einblick in viele andere Länder in Europa. Wie fällt Ihr Vergleich aus, wenn Sie andere europäische Länder im Hinblick auf die aktuellen Themen mit Deutschland vergleichen?

Rentmeister: Da gäbe es viel zu berichten. Ich möchte versuchen, ein paar wesentliche Aspekte herauszuarbeiten. Kaum ein Markt in Europa ist im Bereich der Produktanbieter und Vermittler so diversifiziert und fragmentiert wie der deutsche. Dies macht ihn auf der einen Seite weniger interessant für Kapitalinvestoren. Andererseits beobachten wir in Deutschland aber bisher auch noch eine nicht so negative Marktkonzentration im Bereich der Produktanbieter und Vertriebswege. Dieses Gut dürfen wir nicht durch weitere oder schlechte Regulierung gefährden. Darüber hinaus haben wir in Deutschland noch Bedingungen, die es uns glücklicherweise ermöglichen, Nachwuchskräfte mit vertretbarem Aufwand zu entwickeln. Vielfach benötigt man in Europa als Voraussetzung für die Tätigkeit als Versicherungs- oder Finanzanlagenvermittler Abitur oder sogar einen Hochschulabschluss. Allein die Aufnahme einer Analyse ist in einer Reihe von Ländern ohne das Ablegen einer Sachkundeprüfung nicht gestattet. Wenn dort die zentralen Aufsichtsbehörden, im Gegensatz zu unseren IHKs, aus Kapazitätsmangel nicht ausreichend Sachkundeprüfungen anbieten können, stärkt dies nicht das Mehrfachagenten- oder Maklertum. Was glauben Sie, mit welcher Konsequenz?

finanzwelt: Die DSGVO ist jetzt ca. ein Jahr auf dem Markt. Hat sich die Richtlinie bewährt oder ist und bleibt es das oft zitierte Datenschutzmonster, das die Verhältnismäßigkeit der Mittel vollkommen überschreitet?

Rentmeister: Es gibt viele Gesetze, die zwischenzeitlich nach dem Motto ‚gut gemeint, aber schlecht gemacht‘ eingestuft werden müssen. Die Datenschutz Grundverordnung ist sicherlich ein solches Gesetz. Offen gesagt bin ich bei vielen Gesetzen und insbesondere der DSGVO immer wieder überrascht, wie weltfremd viele Gesetze gemacht werden. Die Großen, die man eigentlich mit der DSGVO zur Räson bringen wollte, haben sie relativ einfach umgesetzt und profitieren nun davon. Kleine und mittlere Unternehmen, also das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sind leider wieder einmal erheblich mehr herausgefordert oder sogar überfordert.

Welche Entwicklung Michael Rentmeister für die nächsten Jahre erwartet, lesen Sie auf Seite 3