Die Welt ist besser als die meisten glauben

Andreas Grünewald

Seit Jahren spielt die (Kommunikations‐)Psychologie in Verbindung mit der weltweit zunehmenden Vernetzung den Anlegern hierzulande einen Streich. Die Aktienmärkte sind im Höhenflug ‐ doch viele Anleger stehen an der Seitenlinie und verpassen die Hausse. Hunderte Millionen junger und immer besser ausgebildeter Menschen sowie Technologiesprünge befeuern die Weltwirtschaft. Für global agierende Unternehmen sind die Rahmenbedingungen hervorragend. Es gilt Aktien dividendenstarker Weltmarktführer weiterhin zu favorisieren.

Der schwarze Punkt
Ein einfaches, jederzeit selbst durchführbares Experiment beschreibt die Problematik punktgenau: Personen wird ein weißes Blatt Papier mit einem auffälligen schwarzen Punkt gezeigt und nachgefragt, was sie sehen. Die klare Mehrheit wird den schwarzen Punkt erwähnen und ergänzend noch dessen Lage und Größe beschreiben. Aber die Allerwenigsten bemerken, dass sie im Schwerpunkt eine große weiße Fläche sehen.

Der schwarze Punkt symbolisiert die Krisen dieser Welt – und diese gilt es auch nicht kleinzureden oder wegzudiskutieren. Aber es gibt weltweit eine große Vielfalt an normalen oder sogar positiven, die Weltwirtschaft vorantreibenden Faktoren. Doch diese werden, analog zur weißen Fläche, im täglichen Strom der Schlagzahlen kaum wahrgenommen. Das Überraschende hierbei für viele: So wie die weiße Fläche das Bild dominiert, werden unterm Strich auch die Krisen überkompensiert.

Junge Völker treiben die Weltwirtschaft
Viel bedeutsamer als Aufsehen erregende Einzelereignisse ist für den Anleger der Blick auf das Gesamtbild. Und hier sieht es weltweit betrachtet gut aus. Die Weltbevölkerung und deren Lebenserwartung nimmt zu. Allein in Asien leben mittlerweile mehr als 4 Milliarden Menschen und in Afrika nochmals gut eine Milliarde. Hunderte von Millionen junger Menschen, die immer besser ausgebildet sind und deren Kaufkraft entsprechend steigt, wachsen dort in den nächsten Jahren erstmals bzw. verstärkt in den Konsum hinein.

Profiteure sind nicht nur dortige lokale Unternehmen, sondern ebenso global aufgestellte, westliche Konzerne, deren Markenprodukte bei diesen jungen Käuferschichten als Statussymbole heiß begehrt sind. Global agierende Unternehmen finden somit beste Rahmenbedingungen vor: Weltweit betrachtet steigende Kaufkraft, historisch niedrige Refinanzierungskosten, gesunkene Energie‐ bzw. Rohstoffpreise sowie beschleunigte Innovationen. Technologiesprünge – siehe Digitalisierung und Vernetzung – heizen den
Konsumwunsch nach neuen, leistungsstärkeren Gütern und somit den Umsatz an.

Das Gesamtbild passt
Im Ergebnis ergibt sich ‐ für viele Anleger überraschenderweise ‐ ein erfreuliches Bild der Weltwirtschaft: Das jährliche Wachstum liegt bei rund 3% und dieses Niveau ist geradezu ideal: Ein nennenswert niedrigeres Wachstum schürt Sorgen rund um die Gewinne der global agierenden Unternehmen. Ein deutlich stärkeres Wachstum würde hingegen Sorgen rund um Lohn‐Preis‐Spiralen in Gang setzen sowie Zinssteigerungsängste befeuern.

Fehlende Alternativen zur Aktie
Parallel zu diesen positiven Wachstumsaussichten müssen sich die Anleger aufgrund der praktisch nicht mehr vorhandenen Guthabenzinsen händeringend nach Anlagealternativen umsehen. Dies gepaart mit einer fairen, in Teilsegmenten sogar günstigen Bewertung der Unternehmen, ist auch weiterhin ein gutes Umfeld für die Aktienanlage. Beispielsweise beträgt beim Deutschen Aktienindex (DAX) das Kurs‐Gewinn‐Verhältnis (KGV) 13 und die Dividendenrendite lukrative 3%.

Zum Vergleich: Bei Immobilien in guter Lage wird mittlerweile nicht selten das 30‐fache der Jahreskaltmiete als Kaufpreis aufgerufen. Oder blicken wir zum Anleihenmarkt: Bei der aktuell mit rund 0,4% pro Jahr kaum noch vorhandenen Verzinsung von 10‐jährigen deutschen Staatsanleihen liegt das „Anleihen‐KGV“ bei etwa 250. Und dass die klassische Lebensversicherung, welche die anvertrauten Gelder zum Großteil in die historisch niedrig verzinsten Staatsanleihen hochverschuldeter Staaten investiert, der richtige Weg für den
privaten Vermögensaufbau ist, darf stark bezweifelt werden.

Favorisiert sind in dem skizzierten Umfeld vielmehr breit gestreute Investitionen in dividendenstarke Weltmarktführer, deren Geschäftsmodelle an den zuvor skizzierten Entwicklungen langfristig partizipieren und deren Unternehmenswert nicht bereits überbewertet ist.

Auf die Zukunft vorbereitet sein
Hierbei gilt es sowohl für den Privatanleger als auch den professionellen Vermögensverwalter demütig zu erkennen, dass letztendlich keiner wissen kann, wie die Zukunft aussieht. Somit reden wir über Eintritts‐Wahrscheinlichkeiten von Erwartungen und nicht über sichere Entwicklungen. Entsprechend ist es für den Anleger elementar, großen Wert auf eine breite und effektive Risikostreuung nach Anlageklassen, Regionen und Branchen zu legen. Dabei ist auf seine spezifische Ausgangsituation sowie seine Anlageziele und das persönliche Chance‐Risiko‐Profil abzustimmen. Um es mit den Worten des griechischen Philosophen Perikles zu sagen: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern auf sie vorbereitet zu sein.“

Autor: Andreas Grünewald,
Gründer und Vorstand der unabhängigen Münchner Vermögensverwaltung FIVV AG