Die Rolle der Verwahrstelle

Vor etwas mehr als einem Jahr trat das neue KAGB in Kraft. Geschlossene alternative Investmentfonds (AIF) gewinnen dadurch an Attraktivität für Anleger, sagen die Einen. Die Anderen stellen infrage, ob sich AIFs für Anleger noch lohnen – schließlich führen mit der Regulierung einhergehende Maßnahmen zu einem Anstieg der Fondsgebühren und damit zu sinkenden Renditeprognosen.

Um diese Situation beurteilen zu können, ist eine genauere Analyse der neuen Kostenstruktur geschlossener Fondsgesellschaften notwendig. Dazu gehört u. a. die bei AIFs einzubindende Verwahrstelle. Was auf den ersten Blick nur nach einem Ersatz für das aussieht, was vorher „Mittelverwendung” hieß, ist auf den zweiten Blick wesentlich komplexer.

verwahrstelle grafik

Neben den Leistungen eines Mittelverwendungskontrolleurs – also der Überwachung und Kontrolle des Zahlungsverkehrs in der Investitionsphase – umfasst das Aufgabenspektrum einer Verwahrstelle neben der Zahlungsverkehrsüberwachung die Kernfelder „Zustimmen” und „Verwahren” über die gesamte Laufzeit des AIF.

Wie stark die Verwahrstelle eingebunden werden muss, hängt dabei vom Produkt ab. So wurden bei Publikums-AIFs weitreichendere Prüfpflichten definiert als bei Spezial-AIFs. Bei Letzteren geht der Gesetzgeber davon aus, dass deren Anleger umfassende Kenntnisse rund um Investmentprozesse und -märkte besitzen, um ein geeignetes Produkt auszuwählen. Anleger von Publikums-AIFs sind nach Meinung des Gesetzgebers dagegen schützenswerter, sodass hier zusätzliche Maßnahmen vorgesehen sind.

Alternative Verwahrstelle oder Depotbank?

Als alternative Verwahrstelle können berufsständischen Regeln unterliegende Treuhänder fungieren. Dies sind z. B. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Rechtsanwälte. Ob als Verwahrstelle eine alternative Verwahrstelle oder eine Depotbank eingesetzt wird, macht auf der Aufgabenebene jedoch keinen Unterschied: Geht es in der Investitionsphase um die Prüfung verschiedener Parameter, z. B. um die Einhaltung der Leverage-Grenze und Prüfung des Eigentumsübergangs der erworbenen Wirtschaftsgüter, kommen in der Bestandsphase Aufgaben wie die Überwachung der Ertragsverwendung oder die laufende Bewertung der Vermögensgegenstände hinzu. In der abschließenden Liquidationsphase überwacht die Verwahrstelle die Auszahlung des Liquidationserlöses an die Anleger. Unterschiede zwischen alternativer Verwahrstelle und Depotbank zeigen sich dagegen auf organisatorischer Ebene: Aufgrund der häufig komplexeren Strukturen einer Depotbank kann die in der Regel deutlich schlanker aufgestellte alternative Verwahrstelle mit erheblich kürzeren und schnelleren Entscheidungswegen – und damit mitunter kostensparender – arbeiten. Zum Großteil konzentrieren sich alternative Verwahrstellen im Vergleich zur Depotbank zudem auf eine begrenzte Auswahl an Anlageklassen, sodass sie in diesen Bereichen über eine hohe Expertise verfügen.

Christina Niebuhr, Geschäftsführerin BLS Revisions und Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Regulierung der AIFs – Onlineausgabe 04/2014