„Die Rezession macht vor dem deutschen Büromarkt nicht halt“

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Die Coronakrise dürfte wohl deutliche Spuren auf dem deutschen Immobilienmarkt hinterlassen. Während Wohnimmobilien nur wenig davon berührt sein dürften, sieht es bei Büroimmobilien schon wieder ganz anders aus.

Zum dritten Mal hat Fahrländer Partner Raumentwicklung (FPRE) Immobilienexperten zu ihren Zukunftserwartungen befragt. Die diesjährige Umfrage, an der sich 727 Experten aus allen Bundesländern beteiligten, steht eindeutig unter dem Eindruck der Coronakrise. So sind die Erwartungen der Experten in allen Segmenten pessimistischer als vor einem halben Jahr.

Insgesamt positive Entwicklung bei Wohnimmobilien

Relativ gut kommen noch Wohnimmobilien weg: Für diese erwarten die Befragten zumindest Preisstabilität oder weiter steigende Preise. Jedoch liegt der Preiserwartungsindex in diesem Segment mit 9,9 Punkten nur bei einem guten Sechstel des Vorjahreswertes von 59,4 Punkten. Während 60 % der Umfrageteilnehmer erwarten, dass die Preise für Wohnimmobilien in den nächsten zwölf Monaten stabil bleiben werden, gehen 25 % davon aus, dass die Preise in einem Jahr höher liegen werden als aktuell. Lediglich 15 % der Umfrageteilnehmer erwarten fallende Preise. Den größten Optimismus haben die Experten bezüglich der Einfamilienhäuser, wo der Preiserwartungsindex bei 14,9 Punkten und damit um fünf Punkte über dem für Eigentumswohnungen liegt. „Es ist erfreulich, dass offensichtlich keine Welle von Zwangsverwertungen zu erwarten ist. Die staatlichen Hilfen und die tiefen Zinsen bewirken positive Effekte“, interpretiert Dr. Stefan Fahrländer, CEO FPRE. Der Preiserwartungsindex bei den Wohnungsmieten liegt bei minus 5 Punkten. Dass er im negativen Bereich liegt, hängt vor allem mit dem Gewicht Berlins zusammen, wo der Mietendeckel dem Mietwachstum eine rechtliche Grenze setzt. So erwarten in der Hauptstadt 36 % der Experten sinkende oder stark sinkende Preise und der Preiserwartungsindex liegt hier bei minus 30,2 Punkten. In den meisten anderen Bundesländern gehen die Experten hingegen vor allem von einer Seitwärtsbewegung bei den Mieten aus.

Auch bei den Transaktionspreisen für Mehrfamilienhäuser bildet Berlin das Schlusslicht: In der Spreemetropole liegt der Preiserwartungsindex in diesem Segment bei minus 27,4 Punkten. Am besten schneiden hier Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen ab, wo der Index mehr als 50 Punkte erreicht. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert bei 14,1 Punkten. “Der Anlagenotstand treibt die Preise trotz Rezession und verstärkten Eingriffen bei den Wohnmieten“, so Fahrländer.

Büromarkt wird ausgebremst

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist weit weniger konjunkturabhängig als die nach Büroimmobilien. Das schlägt sich auch im Preiserwartungsindex für Büroimmobilien nieder, der mit minus 61,8 Punkten um 93,4 Punkte gegenüber der Umfrage im vergangenen Herbst eingebüßt hat. Ebenfalls im negativen Bereich liegt der Preiserwartungsindex für Büro- und Geschäftshäuser, der bundesweit auf einen Wert von minus 38,6 kommt. Ein Lichtblick: In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland und Thüringen liegt er im positiven Bereich.  54 % der Teilnehmer erwarten einen starken oder sehr starken Anstieg des Leerstands, 71 % der Teilnehmer einen Mietzinsrückgang als direkte Folgen der gegenwärtigen Pandemie. „Die Rezession macht vor dem deutschen Büromarkt nicht halt“, so Fahrländer. (ahu)