Die Narren der Märkte

Anleger sollten ein Auge auf Absolute-Return-Fonds haben und Multi-Asset-Fonds ignorieren.

Diversifikation ist gut – daran gibt es nichts zu rütteln. Doch wie gut sind die Asset-Manager und Fonds-Manager, die sich um die Diversifikation der Vermögenswerte ihrer Anleger kümmern? Die letzten zehn Jahre geben wenig Anlass für Jubel.

Im 10-Jahresvergleich konnte selbst ein Portfolio aus den zehn besten ausgewogenen Multi-Asset-Fonds (grüne Linie) die Benchmark (graue Linie) aus 50 Prozent Aktien global (MSCI World TR) und 50 Prozent Renten global (Barclays Global Aggregate Bond TR) nicht schlagen – weder unter Performance- noch unter Risikogesichtspunkten.

Der aus sämtlichen Multi-Asset-Fonds mit ausgewogener Anlagestrategie bestehende Index des Fondsanalysehauses Lipper (rote Linie) liegt obendrein derart weit abgeschlagen zurück, dass sich die Leistung von Fondsmanagern in der Breite nur als enttäuschend bezeichnen lässt.

Nun könnte man sich auf den ersten Blick zwar über die positive Wertentwicklung in den vergangenen zehn Jahren erfreuen, ein mehr als fader Beigeschmack bleibt dennoch. Schließlich sind die Ergebnisse der Multi-Asset-Fonds ausschließlich auf die Entwicklungen der Märkte, nicht aber auf die Qualität der Fondsmanager zurückzuführen. Diese entpuppen sich vielmehr als Narren der Märkte, die am Rockzipfel der Märkte um ein positives Börsenumfeld betteln müssen.

Da Anleihen in der heutigen Zeit mit Null- bzw. Niedrigzinsen keinen Puffer mehr für Verluste aus Aktienengagements bieten, stehen Multi-Asset-Fonds bei einer längeren Baissephase an den Aktienmärkten vor einer großen Herausforderung. Ob die Fondsmanager dieser Herausforderung gewachsen sind, ist mehr als fragwürdig.

Der aktuellen und pauschalen Euphorie für Multi-Asset-Fonds kann ich daher herzlich wenig abgewinnen. Wirklich gute Multi-Asset-Manager sind eigentlich nicht zu finden.

Mein Tipp: Werfen Sie lieber ein Auge auf Absolute-Return-Fonds und lassen Sie traditionelle Multi-Asset-Fonds links liegen. Auch bei Absolute-Return-Fonds steht Diversifikation stets hoch im Kurs. Allerdings ist es vorrangiges Ziel des Managers eines Absolute-Return-Fonds, unabhängig von der Richtung der Kapitalmärkte ein positives Ergebnis zu erwirtschaften. Hier traut sich jemand also etwas zu und klebt nicht sklavisch am Rockzipfel der Märkte. Möglich wird dies durch eine deutlich flexiblere und aktivere Vorgehensweise bei der Portfoliozusammenstellung.

Auch hier gilt: Gute Manager sind rar gesät. Die Suche nach herausragenden Absolute-Return-Fonds bedarf also ebenfalls einer genauen Analyse. Allerdings läuft die Suche hier – anders als bei Multi-Asset-Fonds – nicht gänzlich ins Leere.

Autor: André Kunze, geschäftsführender Gesellschafter P.A.M Prometheus Asset Management GmbH