Die Merz-Rente – ein Faktencheck

Reinhard Panse, CIO von HQ Trust / Foto: © HQ Trust

Es gibt eine einfache Faustformel zur Beurteilung eines wirtschaftspolitischen
Vorschlages in Deutschland: Alles, was auf breiter Front abgelehnt wird, muss gut sein
– und umgekehrt. Demnach ist der Vorschlag von Friedrich Merz, eine aktienbasierte
Altersvorsorge mit Steuervorteilen aufzubauen, erstklassig. Denn ablehnende Stimmen
kommen nicht nur von politischen Gegnern, sondern auch von Wissenschaftlern und
sogar von Parteifreunden.

Also könnte es sich lohnen, etwas ganz Ungewöhnliches zu tun: Auf die Fakten zu
schauen. Ein Durchschnittsverdiener mit € 35.000 Jahresgehalt hat einen
Arbeitnehmer- und einen Arbeitgeberanteil von € 6.545 in die Rentenversicherung
eingezahlt. Wenn er 45 Jahre lang diesen Betrag (unter der Annahme einer jährlichen
Gehaltssteigerung von 2,4 %) in einem praktisch kostenfreien, vom Staat verwalteten
weltweit anlegenden Aktienfonds – wie etwa in den schwedischen AP7-Fonds – hätte
anlegen dürfen, würden daraus rund € 2.200.000, wenn man konservative 6 %
Gesamtertrag (Dividenden + Kursgewinne) pro Jahr unterstellt. Diese Zahl liegt deutlich
unter den Werten, die die Aktienmärkte in den letzten 120 Jahren inklusive zweier
Weltkriege und diverser Deflationen, Depressionen und Inflationen erwirtschaftet haben.

Selbst wenn nur € 50,- monatlich zur Verfügung stehen, könnte die vermutlich ab dem
Jahr 2060 ziemlich magere staatliche Rente mit immerhin mehr als € 200.000
aufgebessert werden, sodass ein Widerspruch abgebügelt werden kann, der da lautet:
„Statt Steuersubventionen für Aktiendeals von wenigen müssen wir die gesetzliche
Rente stärken,“ wie es der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte.
Aktiendeals für wenige?

Es drängt sich die Vermutung auf, dass Friedrich Merz nicht der einzige Bundesbürger
ist, der unter erträglichen Entbehrungen € 50 monatlich sparen könnte. Auch die
gelegentlich in Berechnungen genannten € 150 dürften für einen erheblichen Anteil der
Bevölkerung erreichbar sein. Zudem geht es hier nicht um Aktiendeals, sondern um die
Geldanlage in einem Fonds, der weltweit in Aktien investiert und die Einzelposten oft
jahrzehntelang hält, wie es auch der keineswegs spekulative norwegische Staatsfonds
macht. In die gleiche Kerbe haut der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner
(„Steuerpolitik für Alterssicherung de luxe“). Dabei beeindruckt, mit welch absurden
Argumenten manche Politiker verhindern wollen, dass ihre Kernklientel wenigstens die
Chance auf einen bescheidenen Wohlstand erhält.

Weiter auf Seite 2