Die Lehren der Erfolgreichen

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Bei der Geldanlage genießt Vertrauen oberste Priorität. Das gilt gerade auch für vermögende Personen. Immer häufiger vertrauen diese ihr Geld einem Family Office an. Dabei handelt es sich um eine bankenunabhängige Organisation, die sich sowohl um die finanzielle als auch nicht-finanzielle Aspekte des Vermögens kümmert.

Vermögende Familien geben ihr Schicksal bei Finanzangelegenheiten in die Hände von Family Offices und lassen die Banken außen vor. Im Gegensatz zu den angloamerikanischen Ländern sind Family Offices hierzulande ein relativ neues Phänomen. Rund 6.000 Menschen mit einem Vermögen von mehr als 30 Mio. Euro je Familie nutzen bereits deren Dienste, schätzt das Analysehaus Investors Marketing. Carolin Decker, Inhaberin einer Juniorprofessur für Family Offices, sagte in einem Interview, dass im Zuge der Krisen das Vertrauen in die Finanzbranche sehr gelitten habe und viele Reiche eine unabhängige Vermögensverwaltung ohne Interessenskonflikte suchen würden. Wie viele Single Family Offices und Multi Family Offices es tatsächlich gibt, lässt sich nur erahnen, zumal der Begriff „Family Office” gesetzlich nicht definiert ist. Brancheninsider gehen von 300 Single Family Offices und 50 Multi Family Offices hierzulande aus. Das Tätigkeitsspektrum deckt dabei nicht nur die individuelle Anlageberatung ab, sondern impliziert eine ganzheitliche Beratungsdienstleistung und Steuerung. Tatsächlich kümmern sich Family Offices generationenübergreifend um gesamte Besitztümer, die neben Wertpapieren, Immobilien und Kunst auch Ländereien beinhalten. Sie sind für Unternehmensverkäufe und Firmennachfolgen zuständig und beraten in Erbschafts-, Steuer- und Rechtsfragen.

Im Mittelpunkt der Anlagestrategie eines Family Office steht das Bewahren des Vermögens. „Dem dauerhaft realen Erhalt des Gesamtvermögens messen unsere Mandanten in aller Regel die höchste Bedeutung zu. Dies gilt in ganz besonderem Maße für die von uns betreuten Stiftungen”, so Martin Drathen, Geschäftsleiter des Düsseldorfer WSH Family Office. Der Vermögenserhalt hat eindeutige Priorität, was jedoch die Inkaufnahme eines Anlagerisikos nicht gänzlich ausschließt, wie Michael Stammler, geschäftsführender Partner der Taunus Trust GmbH, darlegt: „Das bedeutet in einer Phase extrem niedriger Zinsen für sichere Anlagen (nahe null!), dass ein Investor das Ziel des realen Vermögenserhalts nur unter Inkaufnahme eines begrenzten Schwankungsrisikos erreichen kann. Es ist sinnvoll und erforderlich, dass Assetklassen und Anlagesegmente wie Aktien oder Immobilien trotz des spezifischen Risikos auch im Portfolio berücksichtigt sind.” Das beinhaltet auch ein permanentes, aktiv steuerndes Controlling, um rechtzeitig auf Marktveränderungen zu reagieren.

Eine aktuelle Studie des Bayerischen Finanz Zentrums zum „Mythos Family Offices” legt dar, dass die strategische Assetallokation ganz deutlich aus den Anlagezielen des Vermögensinhabers herrührt und im Einklang mit dem Bewahren des Vermögens steht. Die meisten Family Offices erachten den Kapitalerhalt (42 %) als übergreifendes Anlageziel. Weitere wichtige Anlageziele sind das Erwirtschaften einer Rendite von Inflationsrate + x % (19 %) sowie die Erzielung eines konstanten Cash Flows (18 %). Jedes fünfte Office stuft sich demnach als risikofreudig ein, die Mehrheit sieht sich eher der risikoneutralen Strategie verpflichtet und ein weiteres Viertel handelt eher risikoavers. „Staatsanleihen, Pfandbriefe und ähnliche ‚sichere’ Instrumente vernichten Vermögen – die Renditen für diese Papiere liegen deutlich unter den Inflationsraten. Unternehmensanleihen sowie Aktien von soliden, substanzstarken Werten mit attraktiven Dividendenrenditen sorgen auch aktuell für laufende Erträge, die mindestens den Kapitalerhalt sicherstellen. Durch diese strategischen Entscheidungen gewinnt das Risikomanagement immer mehr an Bedeutung – man muss in der Lage sein, notfalls sehr schnell für den Kunden reagieren zu können”, bemerkt Alexander Daniels, Vorstand der Knapp Voith AG. Das Thema „laufende Erträge” ist auch für die Mandanten der Taunus Trust ganz entscheidend. Kerninvestments seien Anleihen, Immobilien und Aktien, die durch Satelliten wie Rohstoffinvestments, Private Equity und Hedgefonds ergänzt würden. Die Wichtigkeit der breiten Streuung über viele Assetklassen betont auch WSH-Geschäftsleiter Drahten. So kämen beispielsweise auch Investitionen in Wald, Wasserkraft oder unternehmerischen Beteiligungen in Frage. Allerdings immer als Satelliten um die Kerninvestments Anleihen und Aktien der entwickelten Märkte. Die aufstrebenden Staaten (Emerging Markets) werden hingegen eher über ETFs gespielt. Konsens besteht bei den Befragten auch bezüglich der hohen Bedeutung der kurzfristigen Liquidierbarkeit eines gewissen Bestandteils des Vermögens. Die Liquidität dient dabei als Steuerungsgröße für das eingegangene Risiko.

Die effektive Assetallokation der Family Offices ist sehr individuell und die langfristigen Renditeerwartungen für die Gesamtvermögen liegen zwischen 2,5 und 5 %. Der Global Family Report 2014, herausgegeben von UBS und Campden Research, sagt aus, dass ein globales Family Office-Portfolio in 2013 schätzungsweise sogar 9 % Rendite eingefahren hat. Den größten Teil machten Aktien aus Industrieländern aus. Offices aus Nordamerika haben demnach doppelt so viel Vermögen in Hedgefonds gesteckt, während europäische Verwalter auf einen wesentlich höheren Anteil im Immobilienmarkt setzten.

Nur die wenigsten Family Offices bieten derzeit hauseigene Fondslösungen für den breiten Publikumsvertrieb an. Die Frankfurter FOCAM AG ist eine der Ausnahmen. Der Multi Asset Fonds „Global Family Value” kam im Herbst 2012 auf den Markt und wurde als „Fondsinnovation des Jahres 2013″ ausgezeichnet. Das Fondsvermögen kann variabel in Aktien-, Renten-, Geldmarkt- und gemischte Fonds investiert werden und bis zu 20 % des Teilfondsvermögens in Unternehmensbeteiligungen eingebracht werden. Die Wertentwicklung auf 1-Jahressicht beträgt aktuell 2,4 %. Der gemischte Fonds „ASSETS GENERATION FUND UI” von Lange Assets & Consulting GmbH investiert weltweit in Wertpapiere unterschiedlicher Währungen, die den Aktien-, Renten- und Geldmarkt abdecken. Hierzu können auch Investmentfonds- und Zertifikate erworben werden. Das Fondsvolumen beträgt aktuell knapp 12 Mio. Euro.


Kurz zusammengefasst

Family Offices handeln diskret und verschwiegen. Kerninvestments sind Aktien und Renten, die mit Satelliten wie Private Equity, Infrastruktur oder Rohstoffinvestments kombiniert werden. Die Maxime des Kapitalerhalts bestimmt eindeutig die Anlagestrategie. (ah)

Family Offices – Printausgabe 05/2014