Die Kunst des Scheiterns!

Jahresanfang.

Die Zeit der guten Vorsätze, Vorhaben und Zielvereinbarungen.

Wer kennt noch die wunderbare Fernsehserie “Münchner Geschichten” vom kürzlich verstorbenen Regisseur Helmut Dietl Mitte der 70-er Jahre? Der Protagonist Karl “Tscharlie” Häusler ist der Prototyp des herrlich optimistischen Lebenskünstlers, der alle neuen Projekte ganz begeistert angeht und permanent scheitert.

Sein Spezi (= Freund), der bei einer Versicherung arbeitet, steht ihm treu zur Seite, versucht aber auch immer wieder zu warnen: “Nur nicht zu optimistisch!”

Warum Optimismus und positives Denken zum Scheitern führen!

Halt! Werden Sie jetzt sagen.

Eine ganze Industrie hat uns doch mindestens 20 Jahre lang eingehämmert, wir müssen nur an unsere Ziele glauben, dann erfüllen sie sich ganz von selbst.
Die Kraft positiven Denkens! Tschakka! Denke dich glücklich! Tschakka! Reich und erfolgreich durch die Macht des Unterbewusstseins! Tschakka!

Jetzt darf ich es ja verraten: Daran habe ich nie geglaubt!

Geholfen haben mir dabei sicher die Erkenntnisse, die ich 25 Jahren Sport und Training zu verdanken hatte. Natürlich geht man in jeden Wettkampf, um zu gewinnen.

Mindestens ebenso wichtig wie der Glaube an die eigene Stärke ist aber auch die Beschäftigung mit möglichen Schwierigkeiten: Was machen wir, wenn wir in Rückstand geraten? Auf welches System stellen wir um, wenn wir in Unterzahl spielen? Gehen wir in Manndeckung, sollte ein gegnerischer Spieler einen Lauf bekommen oder decken wir den Zuspieler?

Scheitern ist nur ein Wort!

Jetzt kommen wir der eigentlichen Sache näher!
Ganz nahe!

Natürlich sollte man sich seine Wünsche und Ziele klar machen.
Ganz eindeutig sogar!

Ich bin ein Fan davon, sich seine Wünsche aufzuschreiben. Ich mache mir einen Wunschzettel für das neue Jahr und hänge ihn gut für mich sichtbar an den Schrank.
Andere gehen theoretischer ran und nutzen die SMART-Technik.

Danach müssen Ziele, wenn man sie den erreichen will, folgende Eigenschaften haben:

S wie Spezifisch oder Speziell
M wie Messbar
A wie Angemessen, also von den Beteiligten akzeptiert sein
R wie Realistisch
T wie Terminiert, also mit Zeitraum und Start- und Enddatum

Was beiden Vorgehensweisen – dem Wunschzettel und der SMART-Technik – allerdings fehlt, ist genau das Kriterium des Scheiterns. Unsere moderne Arbeitswelt hat das Scheitern eindeutig stigmatisiert. Wäre das richtig, hätte niemand von uns Gehen gelernt, Fahrrad fahren oder Latein.

Im Film “Alexis Sorbas” von 1964 stürzt die soeben eingeweihte Bergseilbahn in sich zusammen. Der verantwortliche Bauleiter bricht in schallendes Gelächter aus
und ruft seinem Investor japsend zu: “Hast du schon einmal etwas so schön einstürzen sehen?”

Scheitern gehört einfach zum Lernen, zum Besserwerden und zum Ändern.

Überlegen Sie sich deshalb für Ihre Vorhaben immer mögliche Szenarien, wie Sie vorgehen wollen, wenn Schwierigkeiten auftauchen.

Deshalb ist der erste Schritt auch immer das klare Formulieren von Zielen oder Wünschen und die Vorstellung davon, warum wir das erreichen wollen.

Doch dazu gehört auch der zweite Schritt: Was tun, wenn das oder das passiert?
Denn die Realität hält doch immer Überraschungen für uns parat.

Nehmen wir mal das beliebte Vorhaben zu Sylvester: Ab morgen nehme ich ab!
Die ersten Tage werden Diäten gelebt, Turnschuhe ausgepackt und Ziele ausgegeben.

Doch irgendwann meldet sich unweigerlich der innere Schweinehund, der viel zu viel zu tun hat, das Wetter für zu kalt und das Essen für zu wenig befindet. Also belohnt man sich für die ersten 14 Tage Durchhalten abends plötzlich mit einer Tafel Schokolade. Und da es dann sowieso schon egal ist, folgt die hemmungslose Attacke auf den Kühlschrank. Das positive Vorhaben stürzt in diesem Moment in sich zusammen, weil man sich nicht vorher klar gemacht hat, was alles schief gehen kann und wie man dann darauf reagiert!

Die Tafel Schokolade ist nämlich kein Scheitern, sondern ein Lehrer!

Laut einer buddhistischen Weisheit gibt es ja nur zwei Arten von Menschen, denen wir begegnen: Freunde oder Lehrer!

Die Tafel Schokolade ist Realität, kein Scheitern. Sie haben sich für 14 Tage erfolgreiche Änderung belohnt! Morgen machen Sie weiter mit Ihrem Änderungsvorhaben. Frisch gestärkt und neu motiviert. Sie dürfen sich Belohnungen gönnen! Gleichen Sie das einfach wieder aus oder essen beim nächsten Mal eine halbe Tafel. Lernen ist kein Scheitern, sondern Lernen!

In einem nächsten Artikel folgen dazu wissenschaftlich untersuchte Erkenntnisse, die in eine fundierte “Gebrauchsanweisung” übersetzt wurden.

In diesem Sinne wünschen wir erfolgreiches Lernen!

Autor: Kai Falkenberg, Schittly-Trainer-Team
E-Mail: info@sales-stories-interactive.de