Die Inflation ist nicht der größte Feind der Anleger

Thomas Hünicke / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

Die Inflation soll sich bei 1,8 bis zwei Prozent pro Jahr einpendeln und bewegt sich damit auf dem Niveau von 2017 und 2018. Für Anleger kann aber schon dieser Wert schädlich sein, wenn die Kapitalanlage teuer und nicht wirklich renditestark ist.

Neben dem historischen Niedrigzins flattert seit geraumer Zeit ein weiteres Schreckgespenst durch die Lande. Die Inflation ist dazu geeignet, gerade in einem zinsschwachen Umfeld letzte Renditen zu vernichten oder das Vermögen sogar in seiner Substanz zu schädigen. Nämlich dann, wenn das Vermögen durch den kontinuierlichen Preisanstieg einfach weniger und weniger wert.

Dabei hat sich die Entwicklung der Inflation in den vergangenen Monaten zunächst wieder maßgeblich abgeschwächt. Lag sie im Herbst 2018 in Deutschland noch bei 2,5 Prozent, ist sie laut offizieller Angaben im Januar auf 1,4 Prozent gesunken und lag damit wieder auf dem Stand von vor einem Jahr. Prognosen gehen aber von einem Jahresdurchschnitt von zwei Prozent für 2019 und von 1,8 Prozent für 2020 aus. Damit bewegt sich der Preissteigerungsindex auf dem ungefähren Niveau von 2017 und 2018, aber liegt rund 1,5 Prozent höher als 2015 und 2016.

Das Problem: Aufgrund des Zinsniveaus ist der Abstand zwischen dem risikolos erzielbaren Zins und der Inflation erheblich. Auf Spareinlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr werden momentan 0,30 Prozent gezahlt, eine zehnjährige Bundesanleihe hat einen Kupon von gerade einmal neun Basispunkten, also knapp 0,08 Prozent jährlich – das riesige Kursverlustrisiko des Anleihenmarkts inbegriffen.

Und selbst bei zunächst rentierlichen Anlagen schmälert die Inflation die Erträge erheblich, vor allem in Kombination mit (allzu hohen) Kosten für die Kapitalanlage. Um das zu verdeutlichen: Immer wieder trifft man am Markt auf Produkte mit laufenden Gebühren von mehr als zwei Prozent jährlich. Dabei müssen dann noch schon mindestens vier Prozent Rendite jährlich erwirtschaftet werden, damit Anleger nach Kosten und Inflation (und ohne jede steuerliche Implikation!) keinen Wertverlust erleiden. Wird dies nicht dauerhaft sichergestellt, muss zumindest ein nomineller Wertverlust eingeplant werden, wenn nicht sogar ein realer.

Was aber können Anleger tun, um diesem Risiko zu entgehen? Kurz gesagt: bestimmte Formen der Kapitalanlage meiden. Das größte Risiko besteht bei klassischen Anlageprodukten wie Festgeld oder Sparbuch, und genauso sind kostenintensive Produkte mit einem hohen Anteil an Liquidität problematisch. Viel sinnvoller erscheinen natürlich weiterhin Aktien, Rohstoffe (auch über ETFs oder Derivate) und inflationsgeschützte Anleihen, aber auch Gold und Immobilien können in bestimmten Größenordnungen als Inflationsschutz dienen. Wichtig bleibt in jederlei Hinsicht ein ausgewogenes Anlageportfolio: Der überwiegende Teil des liquiden Vermögens sollte in Aktien investiert werden, maximal zehn Prozent in liquide Anlagen, der Rest in Immobilien, Rohstoffe und Gold.

Zumal viele Aktien auch ordentliche Dividenden abwerfen, wodurch die Inflation mehr als ausgeglichen werden kann: Die Nestlé zahlt seit vielen Jahren 3,5 Prozent Dividende jährlich, die Telekom und die Deutsche Post aktuell mehr als vier Prozent, die Zürich Versicherung rund sechs Prozent.

Ein gesteigertes Inflationsrisiko besteht zumindest in Deutschland erst einmal nicht. Wie die Zahlen zeigen, bleibt die Inflation auf einem überschaubaren Niveau, wie wir es seit mehr als einem Jahrzehnt gewöhnt sind. Entscheidend ist zu erkennen, dass die Inflation nicht der größte Feind der Anleger ist. Sondern eine teure, renditeschwache Investmentstruktur.

Kolumne von Thomas Hünicke,
geschäftsführender Gesellschafter der unabhängigen WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH aus Düsseldorf