Die Hybridisierung der Arbeitswelt

Thomas Kessler, CEO von Locatee / Foto: © Locatee

Mit der schrittweisen Aufhebung des Lockdowns und der Einkehr des Frühlings füllen sich
auch die deutschen Innenstädte wieder mehr mit Leben. Doch mit Blick auf die Büros zeigen sich aktuell noch keine Tendenzen hin zu einer Pre-Covid-Normalität. Trotz sinkender
Inzidenzen und einer immer weiter steigenden Impfquote sind die meisten deutschen Büros
noch immer verwaist. Dies zeigt sich auch in einer aktuellen Auswertung von Locatee zur
Büroflächennutzung. Hier liegt die durchschnittliche Auslastung im Mai 2021 bei rund 20
Prozent. Diese Entwicklung wirft die grundsätzliche Frage auf, ob es überhaupt ein “Back to
Normal” geben wird. Und wenn nicht, gilt es abzuschätzen, wie die künftige Normalität des
Bürolebens aussehen wird und welchen Einfluss dieses auf den Büromarkt haben wird.

Ein Stichprobenvergleich der Länder über die Büroauslastung der vergangenen 12 Monate aus den Daten von Locatee. Senkungen und Steigerungen der Kurven zeigen, wie wechselhaft die Nutzung teilweise war.

Das veraltete Büromodell

In vielen deutschen Büros galt vor nunmehr fast eineinhalb Jahren noch eine Präsenzpflicht, mit meist entsprechend starren Arbeitszeiten. Dieses Modell, welches in den vergangenen Jahrzehnten zwar oft hinterfragt wurde, sich realistisch aber nicht verändert hat, hat sich insbesondere im Zuge der Digitalisierung noch weiter von den tatsächlichen
Lebensrealitäten der Arbeitnehmer entfernt. Ein Grund für das Festhalten am
althergebrachten System liegt vielerorts in der Furcht vor einem Kontrollverlust über die
eigenen Mitarbeiter und einem damit einhergehenden Leistungsabfall. Doch als Reaktion auf die Pandemie waren Unternehmen schlicht gezwungen, sich nun mit neuen
Arbeitsplatzmodellen und einer veränderten Arbeitsorganisation auseinanderzusetzen.
Doch auch Arbeitnehmer mussten sich zu Beginn der Pandemie auf die veränderten
Bedingungen einstellen. Das spontan eingeführte Homeoffice, war allerdings nicht für alle
Arbeitnehmer die ideale Lösung, so dass es viele weiterhin ins Büro gezogen hat. Dies zeigt
sich auch in einer Umfrage von Locatee, die in Kooperation mit Yougov durchgeführt wurde.
Trotz einer Homeoffice-Möglichkeit sind zu Beginn des Jahres trotzdem zwei Drittel der Befragten regelmäßig in das Büro gekommen, sowohl aus eigenem Wunsch, aber auch
nicht zuletzt durch die Erwartungshaltung der Unternehmen selbst. Ein schneller und
erzwungener Wandel kann also nicht die Lösung sein – aber es kann ein Anstoß für einen
grundlegenden Wandel der Arbeit sein, um sich an die tatsächlichen Wünsche und
Ansprüche der Arbeitnehmer anzupassen und auch Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben
die eigenen Büroflächen zu überdenken.

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