“Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht völlig aus”…

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… so denkt laut einer aktuellen Umfrage fast jeder zweite Deutsche. Die Wissenslücken sind zum Teil dramatisch – und können dramatische Folgen haben.  Gerade bei der älteren Bevölkerungsgruppe scheint die Umgestaltung des Sozialstaates noch nicht ganz ankommen zu sein.

Der demografische Wandel bringt große Herausforderungen: Da die Menschen immer älter werden, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. So geht die Bertelsmann-Stiftung davon aus, dass im Jahr 2045 5 Mio. Menschen auf Pflege angewiesen sein werden, 1,7 Mio. mehr als aktuell. Dieser Zuwachs geschieht nicht nur absolut, sondern auch relativ, da aufgrund der deutlich geringeren Geburtenrate der Anteil jüngerer Menschen rückläufig ist. Damit ergibt sich ein weiteres Problem: Es gibt in der Pflegeversicherung immer weniger Beitragszahler und immer mehr Beitragsempfänger. Entsprechend zerbricht sich die Politik den Kopf darüber, wie die Pflege zukünftig finanziert werden kann und Ökonomen erwarten einen weiteren Anstieg des Beitrages zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Diese kann die Kosten für die vollstationäre Pflege dennoch nicht vollständig übernehmen. Diese Tatsache ist vielen Bundesbürgern aber nicht bewusst, wie eine repräsentative Kantar Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt. Laut dieser glauben 43 % der über 18-jährigen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten für einen vollstationären Pflegeplatz in voller Höhe übernimmt. Diejenigen, die wissen, dass dies nicht der Fall ist, unterschätzen aber häufig den Eigenanteil, den sich für vollstationäre Pflege aufbringen müssen. So glauben 21 %, dass sie 1.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen müssen. Tatsächlich sind es im Bundesdurchschnitt ca. 1.800, wie aus Berechnungen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung hervorgeht.

Durch die Bank bestehen Wissenslücken

Eine besorgniserregende Erkenntnis der Studie: Selbst diejenigen, für das Thema Pflege von durchaus aktueller Relevanz ist, nämlich ältere Menschen, glauben häufig, dass sie durch die gesetzliche Pflegeversicherung einen Vollkaskoschutz hätten. So sind 43 % der Rentner dieser Meinung und damit fast genauso viele wie Nicht-Rentner (44 %). Jeder vierte Befragte über 60 Jahren kann zudem nicht abschätzen, wie hoch der Eigenanteil für eine vollstationäre Pflege sein wird.

Auch Abitur oder Studium schützen nicht vor falschen Annahmen über die Finanzierung der eigenen Pflege. Von den Bundesbürgern mit höherem Bildungsabschluss ist mehr als jeder Dritte schlecht informiert: 38  % der Befragten mit Abitur oder Universitätsabschluss meinen, dass kein Eigenanteil zu den Pflegekosten zu leisten sei.

„Die Unkenntnis über die Kosten der Pflege für den Einzelnen und ihre Finanzierung zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten“, sagt Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, zu den Ergebnissen der Umfrage. „Es ist erstaunlich, dass sogar Menschen im Rentenalter, für die die eigene Pflege ein greifbareres Szenario ist, und die wahrscheinlich im eigenen Umfeld bereits mit dem Thema konfrontiert wurden, nicht besser informiert sind“, so Bargel weiter.

Wie die Deutschen für den Pflegefall vorsorgen und warum viele es nicht tun, lesen Sie auf Seite 2