Die Geschichte wiederholt sich

Auch für Europa nehmen die Analysten die Schätzungen zurück. Die Deutsche Bundesbank hat das Wachstum 2018 und 2019 für die „Lokomotive Europas (BRD)“auf 1,5 bzw. 1,6 Prozent reduziert. Italien kämpft verstärkt um weitere Kredite, was bei 130 Prozent Schulden (wahrscheinlich 150 Prozent unter Zurechnung der Target-Schulden) zum BIP schwierig bleiben wird. Griechenland ist eh außen vor und Frankreich wird die Kredit-Kriterien von Maastricht wieder überschreiten. Ob die deutsche Steuerschätzung bei Wirtschaftsschwäche aufrecht zu halten ist, wird das kommende Jahr zeigen. Zweifel sind angebracht.

Noch befinden wir uns hier in einem Stadium der allgemeinen Zufriedenheit. In Italien und Frankreich wächst aber die Bereitschaft zur Gewalt (als Ergebnis der Unzufriedenheit). In Europa hat die EZB ihr Pulver verschossen. Sie könnte höchstens ihre Zinserhöhungsstrategie ab Herbst 2019 aussetzen und die Wertpapierkäufe wieder aufnehmen. Die FED könnte sogar die Zinsen entgegen allen Schwüren wieder senken. Aber halt nur von 2,75 Prozent auf Null. In einer Zeit, in der die Inflationsrate über dem „Ziel“ liegt, die Zinsen senken? Muss aber sein. Die Inflation galoppiert.

Und wie reagieren die Börsen? Die Aktienmärkte könnten aufgrund der Zinsphantasie mit einem Strohfeuer antworten. Bis sie zur Erkenntnis kommen, dass der Grund für die Umkehr der Notenbankpolitik eigentlich durch eine Schwäche der Wirtschaft hervorgerufen wurde, und dass die Zinspolitik ihre Wirkung verfehlt. Die Aktienmärkte fallen wieder in ihren Baisse-Trend zurück, die Börsenzinsen steigen sogar, weil die Anleger ein steigendes Risiko erkennen und nur noch zu höheren Zinsen bereit sind, Schulden zu finanzieren. Immer mehr Unternehmen haben Probleme sich an den Kapitalmärkten zu finanzieren. Allen voran Firmen aus dem High-Yield-Markt. Einige BBB-Anleihen werden Ramsch. Die Zahlungsausfälle mehren sich. Auch den privaten Kreditnehmern bereiten die steigenden Zinsen immer größere Schwierigkeiten, Zins und Tilgung zu leisten. Jetzt galoppiert auch die Schuldenkrise. Die Abschreibungen erreichen Höchstwerte. Die Banken kommen ins Gerede. Die Sparer bekommen Angst um sein Geld, denn die Bank wird zum Risiko. Dann ist der Bankenrun nicht mehr weit. Die Immobilienpreise kommen ebenfalls unter Druck. Die Aktienmärkte kollabieren. Ein schwarzer Schwan jagt den nächsten.

Der Anleger fragt sich nun, welches Anlagesegment die bevorstehende Krise überstehen wird. Sie kommen „plötzlich“ alle zur Erkenntnis, neben der schuldenfreien, eigengenutzten Immobilie: Es sind die Edelmetalle. Denn die haben auch keine Schulden. Gold ist aber zum Teil in fester Hand und die Produktion kann nicht gesteigert werden (Produktions-Peak ist erreicht). Verkaufswillige ziehen ihr Angebot zurück. Das Angebot fällt bei gleichzeitig explodierender Nachfrage. Der Katalysator ist der Preis. Da Edelmetalle die einzige Anlagegruppe mit steigenden Kursen sind, wollen immer mehr Anleger aufspringen. Der Preis steigt weiter. Gold ist vielen Anlegern jetzt viel zu teuer. Wer zu spät kommt oder den Kaufpreis zu knapp limitiert hat, verpasst den Anstieg. Da die Kapitalversicherung Gold im Depot fehlt, bleibt dem Anleger nur noch das Jammern über die Verluste bei den Aktien. Entnervt verkauft er mit sehr hohen Verlusten. Es wird eben sein wie immer.

Kolumne von Rolf Ehlhardt,
Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH