Die Deutschen sparen falsch

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Dass die Deutschen gern Geld sparen – und viel – ist ein Klischee, das sie immer wieder bestätigen. Im Schnitt legen sie etwa 10 Prozent ihres Einkommens zurück. Im ersten Quartal 2018 beispielsweise hatten deutsche Privathaushalte rekordverdächtige 69 Milliarden Euro zusammengespart. Doch unter dem Strich vermehrt sich das Vermögen kaum, denn das meiste Geld fließt in die falschen Finanzprodukte.

„Wie spare ich am besten?“ – Mit dieser Frage beschäftigen sich zwar viele, doch die wenigsten wissen wirklich, wie man am besten Geld anlegen kann. Und das, obwohl Ratgeberseiten wie www.cleverdirekt.de/partnerschaft/finanzen/geld-anlegen/ den Lesern gleich mehrere Anlagestrategien empfehlen – fast immer wird dabei auf unterschiedliche Sparmöglichkeiten eingegangen, wie beispielsweise auf Festgeld, Tagesgeld und Aktienfonds. Mittlerweile hat es sich auch herumgesprochen, dass man am besten Vermögen aufbaut, wenn man sein Geld streut – also in verschiedene Anlagen investiert. Dennoch machen das die wenigsten Deutschen. Trotz anhaltender Niedrigzinsen und langsamem Kapitalverlust bei höherer Inflation ist das klassische Sparbuch immer noch die beliebteste Geldanlage der Deutschen.

Laut Income-Barometer des J.P.Morgan Asset Management besitzen 53 Prozent ein Sparbuch. Sparbücher erhalten zwar das Geld, führen aber nicht zum Vermögensaufbau. Vielmehr steht einer Verzinsung von nur etwa 0,2 Prozent eine Inflation von 1,7 Prozent entgegen, was wiederum einen Kaufkraftverlust von 1,5 Prozent pro Jahr ausmacht. Bei anderen Anlagen wie Festgeld- oder Tagesgeld sieht es ähnlich schwach aus. Laut J.P.Morgan Asset Management sind dennoch 29 Prozent der Deutschen Tages- oder Festgeldnutzer.

Erschreckend ist, dass rund 16 Prozent nicht einmal wissen, welche Spar- oder Anlageprodukte sie besitzen. Ebenfalls auffällig: Nur etwa 21 Prozent der Deutschen investieren in den Kapitalmarkt. Dabei ist die Kapitalbeteiligung (nebst Immobilieneigentum) gegenwärtig eine der besten und zuverlässigsten Strategien zum Vermögensaufbau. Die Deutschen allerdings sind dem Kapitalmarkt gegenüber weiterhin skeptisch.

Studien ergaben, dass die Deutschen wenig Interesse am Börsengeschäft haben. Vor allem die Generation der Babyboomer (also jene Menschen, die aktuell zwischen 50 und 64 Jahre alt sind) ist dem Kapitalmarkt gegenüber negativ eingestellt. Die meisten halten Investitionen an der Börse für Spekulation mit hohem Risiko. Zudem sind viele der Meinung, nur mit Expertenwissen in Börsenanlagen investieren zu können. Gerade die Babyboomer-Generation ist jedoch die, die gegenwärtig das meiste Vermögen ansammelt. Spätestens mit dem Eintritt in die Rente macht sich das falsche Sparverhalten der Deutschen bemerkbar: Die Lücke zwischen Renteneinnahmen und gewohntem Lebensstandard ist sehr hoch und nur wenige werden nach der schleichenden Entwertung ihrer Ersparnisse mit ihrem Geld auskommen können.

Autorin: Daria Riegler