Die Deutsche Post hat höhere Kosten für Klopapier als unsere gesamte BGA

finanzwelt: Angenommen, die E-Post hätte sich durchgesetzt, wie ließe sich die heutige Situation der Post vermuten?

Lars Weiper: Kurz gesagt, ihr angestammtes Monopol würde sich  dezimieren. Aber anders betrachtet: Das Zeitalter der Digitalisierung bietet auch kleinen Unternehmen die Chance, einem Weltkonzern Paroli zu bieten. Dabei muss man auch nicht deep pocket veranlagt sein. Kopf schlägt Kapital, heute mehr als je zuvor. Das weiß auch die Deutsche Post. Entsprechend aktuellster Statistik, beförderte die Post im Jahre 2016 18,3 Milliarden Briefe. Pakete außen vor. Mit der Etablierung der E-Post hätte die Deutsche Post dieses lukrative Geschäft für obsolet erklärt. Eine Vielzahl Konkurrenten würde fortan invasiv mitmischen, innerhalb eines völlig andersartigen Wettbewerbs. Denken wir an CAPEX, OPEX, an die Milliarden-Assets der Post, auf lange Sicht überflüssig. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber um es mal auf den Punkt zu bringen: Die Deutsche Post, mit ihren 520.000 Angestellten, hat schon höhere Klopapierkosten pro Jahr, als wir eingangs für unsere BGA aufbringen mussten. Auch das bedeutet Digitalisierung. Ich will es beleibe nicht behaupten, aber viel spräche dafür, die E-Post ist ein Bluff. Wollte die Post ihr lukratives Geschäft tatsächlich für obsolet erklären und ist daran einfach nur gescheitert? Hätte es weniger als eine halbe Milliarde an verbratenem Investment sein dürfen, um potentielle Konkurrenten von einem vergleichbaren Vorhaben abzuhalten? Es versuchte ja seither auch tatsächlich niemand mehr. Davon ab, mit der Aufrechterhaltung ihres Monopols hat man das Geld eh schon wieder reingeholt, was an anderer Stelle verloren gegangen wäre. Ein prominentes Scheitern der E-Post war zumindest von der Wirkung eine klare Message, die da heißt: „Wenn wir als Deutsche Post schon scheitern, wer will es dann schon besser machen?“ Glauben Sie mir, diese Frage stellt man uns ja auch allzu häufig.   Unser Ansatz: Wie auch schon bei der schwierigen Umstellung auf das Online-Marketing und den Online-Vertrieb, ist mindestens die unternehmerische Umstellung, vom herkömmlichen Korrespondenzmodell, hin zu einer digitalen Alternative, nur eine Frage der Zeit. Diesen Impuls setzen wir. Also die Gegenfrage: „Wären Sie 1914 noch long auf Postkutschen gegangen, als der erste Ford-T vom Fließband rollte?“

finanzwelt: Wie schätzen Sie, anlässlich dessen, die Unternehmens-entwicklung der Deutschen Post, innerhalb der kommenden 5 Jahre ein?

Lars Weiper: Zunächst in der Momentaufnahme: Aus Investorensicht ist die Deutsche Post derzeit keineswegs uninteressant. Unter gesamt-wirtschaftlicher Betrachtung dürfen wir jedoch nicht außer Acht lassen, dass wir uns derzeit im längsten Wirtschaftserholungszyklus, seit Beginn der  weltwirtschaftlichen Datenerfassung vor 200 Jahren, befinden. Wissend, dass auf jede Hausse die Baisse folgt, beachten wir aktuelle Trends steigender Personalkosten, Energiekosten, operativer Kosten, Zinskosten und so weiter. Diese werden sich künftig noch verschärfen. Die Gewinnwarnung der Deutschen Post im Juni dieses Jahres mag ein kleiner Vorbote gewesen sein. Geringe  Margen, insbesondere im Paketgeschäft, sind dabei noch besorgniserregender, als die des Briefgeschäfts. Doch auch da, Ohren gespitzt, die Deutsche Post erhöht die Kosten pro Standardbrief erneut um 10 Cent, Beginn 2019. Wie sehr diese Faktoren einer Deutschen Post zusetzen können, lesen wir aus der Vergangenheit. Die Deutsche Post, 2008 noch weitaus „staatlicher“ unterwegs, vergleicht sich heute viel mehr mit der damaligen FedEx. Die haben gehörig auf die Mütze bekommen. Es bleibt also spannend wie immer, Herr von Stockhausen.

finanzwelt: Zurück zu Ihrem Projekt. Ist der Umfang so umfassend, wie sich vermuten lässt und wie kann man diesen stemmen?

Lars Weiper: Der Umfang und die Komplexität sind enorm, das Investment hoch. Im Management verfügen wir über die notwendige Erfahrung in den Bereichen IT, IT-Sicherheit und Kommunikationstechnologien. Hinter uns stehen zudem rund 200 Entwickler, Domänenexperten und übrige Technologen, welche seit vielen Monaten täglich hervorragende Arbeit leisten. Das macht uns Beine.

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