Die deutsche Politik ist eine Chance zum Neustart

Millionen Menschen suchen in einer Völkerwanderung neue Chancen für Arbeit und Sicherheit. Ob Auswanderung, Flucht oder Information aus dem Internet, die Ursache und Gründe sind völlig egal.

2016-03-11 (fw/db) Die Folgen der Demografie und dem Wandel für die Systeme der Altersvorsorge, Gesundheitsvorsorge und Pflegeversicherung werden im politischen Alltag völlig falsch eingeschätzt.

Diese These vertritt Thomas Straubhaar, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, in einer aktuellen Medienmitteilung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Der Experte fordert die Politik und Wissenschaft auf, die langfristigen Projektionen, mit denen die Entwicklung der Bevölkerung bis 2060 beschrieben wird, mit mehr Verantwortung und Sinn für die Realität zu verwenden. In der Vergangenheit lagen solche Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung in der nationalen Entwicklung immer deutlich über oder unter den beschriebenen Extremen.

„Bei diesen Projektionen handelt es sich um sehr lange Zeiträume. 30, 40, 50 Jahre. In solch langen Zeitspannen, das lehrt die Geschichte, treten immer wieder brutale Brüche auf“, warnt Straubhaar.

Staubhaar nennt als Beispiele Kriege, das Wirtschaftswunder, die Wiedervereinigung. Lediglich ein einziger Bruch genüge, damit die Entwicklung der Zahlen und Statistiken ihre Richtung ändert. Der Experte beschreibt solche Veränderungen am Beispiel der aktuellen Zuwanderung nach Deutschland, einer entscheidenden Größe für die Bevölkerungsvorausberechnungen.

„Wir hatten Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg, wir hatten einen Zustrom an Gastarbeitern, 16 Millionen neue Bürger durch die Wiedervereinigung, der Zusammenbruch der Sowjetunion löste die Rückkehr vieler Russlanddeutscher aus. In den nächsten 45 Jahren wird es mit Wahrscheinlichkeit wieder ein oder zwei solche Ereignisse geben, die die heutigen Berechnungen zu Makulatur werden lassen“, warnt der Professor für Volkswirtschaft.

Straubhaar stellt auch die Größenordnung des Fachkräftemangels in Frage. Diese Prognosen, die sich je nach Quelle in einer Spanne von drei bis 15 Millionen Personen bewegen, sind seiner Auffassung nach absolut unseriös.

„Heute schon könnten sechs Millionen Menschen mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wenn wir die notwendigen Bedingungen schaffen würden. Damit meine ich nicht die stille Arbeitsmarktreserve im üblichen Sinne“, beschreibt Straubhaar das Chaos in der aktuellen Arbeits- und Sozialpolitik von Bundesministerin Andrea Nahles.

finanzwelt-Fazit: Volkswirtschaftlich gilt Schweden aufgrund seiner Sozialpolitik als zukünftiges Entwicklungsland in Europa. Großbritannien macht seine Hausaufgaben und sorgt für eine staatlich kontrollierte Einwanderungs- und Sozialpolitik. In Deutschland gibt es zwar das Leitmotto „Wir schaffen das“, allerdings sind die Einwanderungs-Bedingungen und Anforderungen an Einwanderer noch völlig unklar. Die Zahlung von Milliarden Euro an die Türkei wird, wie mit der Griechenland-Hilfe zwar Zeit erkaufen, aber die Herausforderungen der Zukunft nicht lösen. Die Auswanderung der deutschen Leistungsträger ist auch eine Gefahr und ein reales Risiko.

Private Vorsorge ist für die Deutschen also wichtiger denn je, weil nur die private Altersvorsorge global für Versicherte nutzbar ist. Bei Kreditzinsen zu null Prozent ist der Kauf von Grundstücken und Immobilien weltweit finanzierbar. Die Exportweltmeister werden bald dort leben, wo ihre Produkte, Dienstleistungen und Fähigkeiten genutzt werden, das gilt für Deutsche und Leistungsträger global. Was die jungen und talentierten Auswanderer zurücklassen, ist ein Sozialstaat der Transferleistungen immer teurer mit immer weniger aktiven Steuer- und Sozialbeitragszahlern finanzieren muss.

Dietmar Braun