Die Brexit-Prämie nutzen

Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management / Foto: © Twenty Four Asset Managment

In der Brexit-Debatte im britischen Parlament herrscht derzeit Stillstand, ebenso wie bei den Verhandlungen mit der EU. Angesichts der verschiedenen Optionen ist vollkommen ungewiss, wie der Austrittsprozess weitergehen wird. Daher überrascht es kaum, dass die Anleger weiterhin eine Spread-Prämie für auf Pfund Sterling lautende Anleihen fordern, die über vergleichbaren Euro-Emissionen liegt.

Ein Vergleich der Asset-Swap-Spreads auf Indizes für auf Sterling und Euro lautende Hochzinsanleihen zeigt, dass die Prämie derzeit 125 Basispunkte (Bp.) beträgt und damit etwas über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liegt. Da der Spread auf den Euro-Index lediglich bei 360 Bp. liegt, kann es sich sicherlich auszahlen, am Sterling-Markt nach Relative-Value-Chancen zu suchen, vorausgesetzt, dass sich diese auf sichere Weise realisieren lassen.

Während es natürlich attraktiv ist, den zusätzlichen Spread zu nutzen, den das Halten von Pfund-Sterling-Anleihen bietet, müssen Anleger hier aber letztlich die Gewinne mitnehmen – entweder durch Fälligkeit oder Kündigung der Anleihen oder durch eine Verengung des Spreads in Richtung null. Letzteres scheint auf kurze Sicht allerdings nicht wahrscheinlich. Aber Anleger haben in jüngster Zeit davon profitiert, dass Emittenten Anleihen zum Nennwert zurückbezahlt haben.

Im bisherigen Jahresverlauf wurden viele unserer Anleihefavoriten entweder gekündigt oder zum Rückkauf angeboten, darunter Anleihen von Nationwide, Coventry, Barclays, Swiss Re und zuletzt Virgin Money. Insgesamt verlassen nachrangige Finanzanleihen in Höhe von nahezu 7 Milliarden Pfund Sterling den Markt, wovon ein Teil dem Markt nicht durch Neuemissionen wiederzugeführt wird. Dies bietet technische Unterstützung für bestehende Anleihen und kommt den Anlegern zugute, die die Brexit-Prämie nutzen möchten.

Interessant und vielleicht überraschend ist, dass der Index für Sterling-Hochzinsanliehen trotz der Vorsicht der Anleger seit Anfang Juli 2016, also seit kurz nach dem Referendum über den EU-Austritt, eine Outperformance gegenüber dem Euro-Index erzielt hat. Skeptische Anleger würden anführen, dass sich die wahren Nachteile erst nach einem ungeordneten Brexit offenbaren werden und dass die Risiken stärker wiegen als das Potenzial. Wir stimmen eindeutig zu, dass sich Anleger vorsichtig bewegen müssen und Emittenten meiden sollten, die nicht in der Lage sind, sich gegen die Folgen eines harten Brexits abzusichern.

Aber es gibt am Markt für Pfund-Sterling-Papiere auch eine Vielzahl von Emittenten, die vom Brexit-Ausgang unberührt bleiben werden oder sich durch ihr diversifiziertes Geschäft absichern können. Anleger, die auf sicherem Wege den zusätzlichen Spread nutzen möchten und denen der Brexit Sorgen bereitet, dürften weiterhin von einer Position in Sterling-Anleihen mit kurzer Laufzeit profitieren, die sich auch als gute Diversifizierungsquelle im aktuellen Niedrigrenditeumfeld erweisen sollten.

Marktkommentar von Mark Holman,
CEO von TwentyFour Asset Management