DIA warnt vor „Rentnerdiktatur“

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge formuliert kritische Thesen zur Altersstruktur bei politischen Mandatsträgern. Die Entscheidung in die Hände von Ältestenräten zu legen, werden hier hinterfragt.

2015-12-03 (fw/db) Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat vor einer „Rentnerdiktatur in der deutschen Gesellschaftspolitik der Zukunft“ gewarnt. DIA-Sprecher Professor Dieter Weirich (70) forderte in Berlin Parteien und andere Organisationen auf, künftig „mehr Kandidaten unter 35 Jahren für Wahlen vom Bundestag über Kommunalparlamente bis hin zu den Sozialversicherungen zu nominieren“. Es sei ein „Vergehen an der Nachhaltigkeit“, dass zumeist ältere Menschen über die Zukunft Junger entscheiden und die Betroffenen außen vor bleiben.

Ist Deutschland als „überaltert“?

Weirich verwies auf die besorgniserregende Alterung der Gesellschaft in der Bundesrepublik. Bereits jeder Fünfte sei über 65 Jahre alt, weshalb „Deutschland bei den Vereinten Nationen als Super-Ager“ eingestuft werde. Bis 2060 wird dieser Anteil auf mehr als ein Drittel ansteigen.

Weirich behauptet, bei einer solchen Altersstruktur wagten die Parteien keinen Aufbruch in die Zukunft mehr. Die Rente mit 63 sei ein erster Schritt rückwärtsgewandter Beharrung gewesen. Eine „Rentnerdiktatur“ lähme die Dynamik der Republik. Nur die vermehrte Partizipation junger Menschen stärke die Nachhaltigkeit der Demokratie meint der DIA-Funktionär.

Im Deutschen Bundestag, so Weirich, sind nur 32 Abgeordnete unter 35 Jahre, was knapp fünf Prozent der Abgeordneten entspricht. In der Gesamtbevölkerung kommen Menschen bis 35 auf einen Anteil von rund 20 Prozent. Das Durchschnittsalter der Parteien liege bei etwas unter 60 Jahren, nur die Grünen machten dabei eine Ausnahme.

Von repräsentativen Strukturen könne keine Rede sein. Weirich wandte sich allerdings gegen die Einführung einer „starren Nachwuchsquote für junge Menschen“. Das DIA sei kein Freund von Alters-Quoten, setze vielmehr auf die Einsicht der politischen Verantwortungsträger.

Verfassungsgebot einer „Generationengerechtigkeit“

Weirich bedauerte, dass das interfraktionelle Bemühen junger Abgeordneter im Deutschen Bundestag, durch eine Grundgesetzänderung der Generationengerechtigkeit Verfassungsrang zu verschaffen, vor Jahren gescheitert ist. Ein neuer Anlauf sei ein Gebot der Stunde.

finanzwelt-Fazit: Das Deutsche Institut für Altersvorsorge wird mit Mitteln deutscher Versicherer unterstützt um in den Medien und in der Politik für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge zu werben. Das dies der DIA-Sprecher als gesellschaftspolitischen Auftrag sieht ist seine Sache. Die Warnung vor einer „Altersdiktatur“ in Deutschland, könnte auch durch die von Herbert Grönemeyer gesungener Forderung „Kinder an die Macht“ ersetzt werden. Verfolgte Grönemeyer als Künstler noch pazifistische Ansätze, wird es bei Weirich bedenklicher. Für die Auswirkungen „junger“ Strukturen steht als negatives Beispiel die terrorostische Organisation „Islamischer Staat“. Deren Werbung ist in Bild und Rapper-Musik nur auf junge Leute ausgerichtet, auch die Struktur der Organisation ist auf Männer und Frauen unter 35 Jahre gerichtet. Stellt sich Weirich Deutschland so vor? Da erscheint es doch besser auf Kompetenz für die Frage „Generationengerechtigkeit“ statt auf eine „Altersquote“ zu setzen.

Dietmar Braun