DIA-Studie: Vier Vorschläge für mehr Altersvorsorge

Foto: © pressmaster - stock.adobe.com

Wie können mehr Menschen durch eine eigenverantwortliche Altersvorsorge abgesichert werden? Die neueste Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) präsentiert hierzu vier Vorschläge, die sich Mechanismen der Verhaltensökonomie zunutze machen.

1. Opting-Out

Einer der Vorschläge, das so genannte Opting-Out-Modell, basiert auf einer gewissen Trägheit der potenziellen Sparer. Mit einer automatischen Einschreibung sollen diejenigen Menschen erreicht werden, die zwar den guten Vorsatz zur Altersvorsorge schon haben, aber wegen verschiedener mentaler Barrieren trotzdem nicht handeln. Daher zäumt Opting-Out das Pferd andersherum auf: bei diesen Anspar-Modellen ist der Kunde automatisch dabei, es sei denn er widerspricht. „Es ist empirisch nachgewiesen, dass sich hierbei tatsächlich mehr Menschen an Vorsorgesystemen beteiligen als bei Opting-In-Modellen, weil man nicht aktiv werden muss“, weiß Studienautorin Nora Stampfl.

2. Standardeinstellung für die Kapitalanlage

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Diese Qual kann zur Überforderung werden. Daher lautet der zweite Vorschlag der DIA-Studie: in Opting-Out-Modellen eine Standardeinstellung für die Kapitalanlage anbieten. Das reduziert die Gefahr, dass nach einer automatischen Einschreibung am nächsten Entscheidungspunkt die Vorsorgeplanung letztlich doch noch abgebrochen wird. Zudem hilft eine Standardeinstellung laut Analyse gegen verschiedene Verhaltensanomalien, die bei Auswahlprozessen auftreten. Eines dieser Phänomene ist vielen Menschen bekannt, wenn sie z.B. vor den bunten, vollen Supermarktregalen stehen und sich in der gleichen Produktkategorie zwischen gefühlt unzähligen Optionen entscheiden müssen. Oft erfolgt die Wahl dann zufällig, um den Auswahlprozess abzuschließen. Neben der Standardeinstellung statt Zufallsentscheidung sollten aber immer auch alternative Anlagen zur Wahl stehen. „Eine solche Entscheidungsstruktur mit einer vorgegebenen Standardeinstellung darf schließlich nur ein Anstoß, aber keine Anordnung sein“, ergänzt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern.

3. Automatische Steigerung der Sparquote

Eine automatische Steigerung der Sparquote verhindert, dass Menschen bei anfänglich gewählten Sparraten bleiben, obwohl im Laufe der Zeit eine umfangreichere Vorsorge möglich und auch nötig ist. „Eine Festlegung für die Zukunft, zum Beispiel in Abhängigkeit von Einkommenszuwächsen, verhindert ein solches Verharren“, erklärt Morgenstern.

4. Einfacher und niedrigschwelliger Zugang

Mit dem vierten Vorschlag weist die Studie daraufhin, dass für jedermann ein einfacher und niedrigschwelliger Zugang zur Altersvorsorge gewährleistet sein muss. Dieser könnte zum Beispiel durch das Angebot freiwilliger Basisprodukte erfolgen. Sie würden Menschen erreichen, die ansonsten gar nicht vorsorgen, weil sie sich nicht eingehender mit Altersvorsorgelösungen beschäftigen wollen. Ein solcher Weg würde, anders als zum Beispiel eine Pflichtvorsorge, sicherstellen, dass allen anderen Personen die bisherige Angebotsvielfalt weiterhin offensteht.

Die komplette DIA-Studie „Mit einem Stupser zum Sparen – Nudging in der Altersvorsorge: Potenzial, Legitimierung und Wirkmechanismen“ steht auf der DIA-Webseite zum Download zur Verfügung. (sh)