Deutschland und die private Altersvorsorge

Die Deutschen helfen, wo sie können. Aber helfen sie auch sich selbst? Eine Studie untersucht das eigenverantwortliche Handeln im Thema Altersvorsorge. Die Ergebnisse sind nur wenig erstaunlich.

2015-11-02 (fw/db) Was machen die Deutschen mit überschüssigen Geldbeträgen? Die Gothaer Versicherung und das Meinungsforschungsinstitut Forsa haben nachgefragt und interessante Antworten bekommen.

Hat ein Mensch monatlich einen kleinen Betrag übrig, verhält er sich anders, als wenn dieser Mensch über die Verwendung einer großen Summe entscheiden muss? In der Befragung hat sich eindeutig gezeigt – bei der Altersvorsorge stehen die Lebensversicherung und die private Rentenversicherung auf der Wunschliste ganz oben.

Was machen mit übrigen 200 Euro im Monat?

58 Prozent der Befragten würden dieses Geld für Freizeit und Hobbies ausgeben. 53 Prozent würden für einen Urlaub sparen. Immerhin 42 Prozent würden das Geld zu Hause in einen Sparstrumpf als Rücklage stecken. 31 Prozent würden shoppen gehen. Frauen würden das Geld eher für einen Urlaub sparen oder eine Shoppingtour nutzen, während bei Männern Freizeitaktivitäten und Hobbies ganz vorne stehen.

Erstaunlich ist, dass unter 30-jährige überdurchschnittlich das Füllen des heimischen Sparstrumpfes bevorzugen.

Auszahlung der Lebensversicherung, was tun?

Steht ein größerer Geldbetrag zur Verfügung, ist die Neigung zur Bildung von Rücklagen größer als die Anschaffung von Konsumartikeln. Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) würde das Geld für sich selbst oder für Kinder und Enkelkinder wieder anlegen.

Mit 38 Prozent steht die Renovierung von Haus oder Wohnung noch vor der Sicherung des laufenden Lebensunterhaltes mit 33 Prozent.

Ein Viertel der Befragten würde das Geld für größere Anschaffungen ausgeben. Frauen neigen eher zum Sparen für Kinder und Enkelkinder als Männer, die wiederum die Summe eher in die Abbezahlung der Immobilie stecken würden. Fast doppelt so viele West- wie Ostdeutsche würden das Geld für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses verwenden.

Welche Anlageformen für die Altersvorsorge?

Die am häufigsten genutzte Form der Geldanlage für die private Altersvorsorge ist immer noch das Sparbuch (43 Prozent).

Gleich dahinter folgen mit 39 Prozent die private Rentenversicherung und mit 38 Prozent die Lebensversicherung. Die Anschaffung von selbst genutzten Immobilien steht mit 36 Prozent weit oben auf der Liste der bevorzugten Formen der Altersvorsorge.

Gesamtwirtschaftlich spielt die Lebensversicherung in Deutschland trotz staatlicher Regulierung und Einschränkung der Finanzierung der Beratung eine große Rolle. Pro Tag wurden im Jahr 2014 die stolze Summe von 231 Millionen Euro an Versicherungsnehmer ausgezahlt, im gesamten Jahr sind das über 84 Milliarden Euro. (*Quelle: Statista und der GDV)

finanzwelt-Fazit: Die Wiederanlage einer ablaufenden Lebensversicherung ist für die ältere Generation eine Herausforderung. Und die jüngere Generation tut freiwillig für das Alter zu wenig. Sie muss überzeugt werden, dass dies für sie wichtig ist. Es gibt noch sehr viel zu tun für die deutschen Vermittlungsunternehmer und Versicherungsmakler. Dies gilt besonders unter schweren Rahmenbedingungen die ein staatlicher Verbraucherschutz bewirkt und in Zeiten einer Staaten-Entschuldung über niedrige Sparzinsen.

Vorsorgesparen wird zwar bestraft, ist aber notwendiger denn je. Die Gesellschaft braucht ein hohes Maß an eigenverantwortlicher Altersvorsorge. Und das funktioniert nicht ohne persönliche Aufklärung über die Notwendigkeit und das Aufzeigen der individuellen Lösungswege.

Dietmar Braun