Deutschland legt immer nachhaltiger an

Das Volumen Nachhaltiger Geldanalgen hat einen neuen Rekordwert erreicht – und dürfte diesen sogar bald wieder übertreffen. Am häufigsten wird Nachhaltigkeit über Ausschlüsse definiert. Die Erhebungsmethodik wurde angepasst.

Heute hat das FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen den Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2018 – Deutschland vorgelegt. Im Zuge der Harmonisierungsmethodik mit europäischen Standards unterschiedet der diesjährige Marktbericht erstmals zwischen Nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichem Investieren. Bei Nachhaltigen Geldanlagen werden entsprechende Anlagestrategien und -kriterien auf Produktebene definiert und festgelegt, also bspw. für Nachhaltigkeitsfonds. Beim verantwortlichen Investieren werden nachhaltige Anlagestrategien hingegen auf alle Anlagen angewendet und auf Ebene des jeweiligen Instituts verankert, bspw. eines Vermögensverwalters. „Durch die Anpassung der Methodik erreichen wir zwei Dinge“, erklärt FNG-Vorstandsvorsitzender Volker Weber. „Zum einen können wir die unterschiedlichen Ansätze besser erfassen und beschreiben, zum anderen greift das FNG bereits jetzt proaktiv die steigenden Anforderungen der EU zum verantwortlichen Investieren auf.“ Die Umstellung der Erhebungsmethodik führt im Vergleich zum Vorjahr zu punktuellen Veränderungen bei der Zuordnung von Kapitalanlagen zu den beiden Segmenten. So werden 25 Mrd. Euro künftig dem verantwortlichen Investment und nicht länger der Nachhaltigen Geldanlage zugeordnet.

Neuer Rekordwert

Die Summe der Anlagevolumina Nachhaltiger Geldanalgen in Deutschland liegt laut FNG-Bericht bei 171 Mrd. Euro, so viel wie noch nie zuvor. Damit wuchs das unter Berücksichtigung strenger ökologischer, sozialer und auf eine gute Unternehmensführung bezogener Kriterien angelegte Vermögen um 9 %. Die Summe des verantwortlichen Investierens lag in Deutschland Ende 2017 bei ca. 1,4 Billionen Euro.

Zum Rekordwert bei den Nachhaltigen Geldanlagen haben insbesondere nachhaltige Investmentfonds beigetragen, die ihre Volum um 30 % auf nunmehr ca. 30 Mrd. Euro gesteigert haben. Einen neuen Höchststand erreichte auch das Gesamtvolumen der nachhaltigen Mandate, das bei 62 Mrd. lag, 11 % mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2017 wuchsen die nachhaltigen Investmentfonds und Mandate mit 17 % zwar weniger als der Durchschnitt, der seit 2005 bei ca. 27 % liegt. Sie übertreffen aber deutlich das Wachstum des Gesamtmarktes.

Ausschlüsse wichtigste Anlagestrategie

Mit 83,3 Mrd. Euro sind Ausschlüsse bei nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten die mit Abstand am weitesten verbreitete nachhaltige Anlagestrategie. Dahinter folgen der direkte Dialog mit den Unternehmen, das so genannte Engagement (52,7 Mrd. Euro), das normbasierte Screening (50,8 Mrd. Euro) und die Integration von sozialen, ökologischen und auf eine gute Unternehmensführung bezogenen Kriterien in die traditionelle Finanzanalyse mit einem beeinflussten Volumen von 49,6 Mrd. Euro. Wichtigste Ausschlusskriterien für Unternehmen sind die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten. Investments in bestimmte Staaten wird hingegen häufig ausgeschlossen, wenn in diesen Korruption weit verbreitet ist oder wenn der Staat Umweltkonventionen nicht ratifiziert hat.

Weiteres starkes Wachstum erwartet

Die Mehrheit der befragten Experten erwartet, dass der nachhaltige Anlagemarkt in diesem Jahr um bis zu 30 % wachsen wird. Als wichtige Nachfrageimpulse gelten dabei die Nachfrage institutioneller Investoren und die Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Besonders dem EU-Aktionsplan „Finanzierung nachhaltiges Wachstum“ komme hierbei eine besondere Bedeutung zu.

FNG-Geschäftsführerin Claudia Tobler zufolge kann dem aktuell veröffentlichten Vorschlag der EU-Kommission zum stärkeren Ausbau der Pflichten für institutionelle Investoren bereits heute eine zentrale Rolle bei der Transformation zu einem nachhaltigeren Finanzmarkt zugeordnet werden. (ahu)

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