Deutschland droht keine Immobilienpreisblase

Trotz teilweise massiv steigender Immobilienpreise in Ballungszentren gibt es in Deutschland derzeit keine Anzeichen für eine gefährliche Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt. Lediglich vereinzelt lassen sich regionale Überhitzungen beobachten. Ein wichtiger Grund: Viele Käufer nutzen die aktuelle Niedrigzinsphase für hohe Tilgungsraten. Zu diesem Ergebnis kamen jüngst übereinstimmend Experten diverser Anbieter im Rahmen der Diskussionsrunde von TransparenzOffensive Immobilienwirtschaft.

(fw/ah) „Droht Deutschland eine gefährliche Immobilienblase? Diese Frage verneinten am Donnerstagabend (08.11.) Prof. Dr. Michael Voigtländer (Leiter des Kompetenzfeldes Immobilienökonomik am IW Köln), Lothar Jerzembek (Bereichsleiter Bilanzierung und interne Revision beim Bundesverband Öffentlicher Banken), Axel von Goldbeck (Sprecher der Geschäftsführung des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.), Simon Rubinsohn (Chief Economist der Royal Institution of Chartered Surveyors), Carsten Rieckhoff (Leiter Research bei Engel & Völkers Commercial) und Michael Kiefer (Chefanalyst bei ImmobilienScout24).

Dass Immobilienpreise im Zuge des allgemeinen Booms derzeit in vielen Großstädten steigen, ist unbestritten. „Eine Preisblase ist jedoch immer auch eine Kreditblase“, sagt Prof. Voigtländer. Und eine solche sei derzeit nicht in Sicht. Vielmehr würden viele Käufer die aktuelle Niedrigzinsphase für hohe Tilgungsraten nutzen. Ein Hauptmotiv vieler Käufer wäre nicht eine möglichst hohe Rendite, sondern die langfristige Absicherung ihres Vermögens in Sachwerten. Dies bestätigt auch Lothar Jerzembek: „Die Kreditwirtschaft handelt in der aktuellen Boomphase verantwortungsvoll und achtet bei Hypotheken auf eine hohe Eigenkapitalausstattung.“ Wie umfassend derzeit das Bedürfnis ist, Vermögen sicher anzulegen, erläutert Carsten Rieckhoff: „Deutschland schwimmt im Geld. Wir machen als Makler die Erfahrung, dass auch teure Objekte teilweise zu 100 Prozent aus Eigenkapital finanziert werden.“ Viele Käufer würden dabei auch von der Großelterngeneration finanziell unterstützt. Eine deutschlandweite Blase sieht auch Michael Kiefer nicht. Er gibt jedoch zu bedenken, dass Immobilienmärkte immer regionale Märkte sind und in solchen vereinzelt Übertreibungen stattfinden: „In manchen Standorten wie etwa Freiburg haben sich die Kaufpreise gefährlich von den Mieten abgekoppelt.“ Die Nachfrage sei hier nicht so hoch, so dass diese leichter einbrechen könne als in München oder Hamburg. Insbesondere wenn im kommenden Jahr die Konjunktur wie prognostiziert erlahmen sollte. Käufer müssten dann unter Umständen mit Wertverlusten rechnen.

Für mehr Gelassenheit warb Axel von Goldbeck. Grundsätzlich sei die aktuelle mediale Diskussion über das Thema auch eine Art Übersprunghandlung von Politik und Medien. Die Politik laufe hierbei Gefahr, wider besseres Wissens, falsche Entscheidungen zu treffen, um Volkes Stimme zu besänftigen. Weil sich die Immobilienmärkte in Deutschland und UK sehr stark unterscheiden, sieht Simon Rubinsohn derzeit keine Gefahr, dass sich der deutsche Markt ähnlich überhitze wie in UK. So gebe es etwa in UK im Vergleich mit Deutschland nur einen sehr kleinen Mietmarkt. Zudem seien aktuell in Deutschland viel weniger internationale Großinvestoren auf Einkaufstour. Der deutsche Immobilienboom würde durch eine starke Binnennachfrage getragen.

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