Deutsche Kommunen brauchen Rücklagen!

Jochen Wermuth

Die öffentliche Hand kann mit dem Ausstieg aus fossilen Energiekonzernen gleich vier Dinge erreichen: Die Absicherung der eigenen Rücklagen, das Erreichen von Klimazielen, eine Vorbildfunktion für private und institutionelle Anleger sowie die Lenkung von Kapitalflüssen hin zu nachhaltigem Wachstum.

Am 23. Juni 2016 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus über alle Parteiengrenzen hinweg, die Versorgungsrücklagen des Landes Berlin aus fossilen Energieunternehmen abzuziehen. Als größte deutsche Kommune steigt Berlin noch in diesem Jahr aus Investitionen in Kohle, Öl und Gasunternehmen aus. Mit dem Abzug trägt Berlin einerseits zum Erreichen der eigenen Klimaziele bei. Andererseits sichert es den langfristigen Wert seiner Rücklagen. Dies ist ein starkes Signal an andere institutionelle Anleger, die eigenen Kapitalanlagen zukunftsfähig auszurichten. Bereits 2015 hatte Münster als erste deutsche Stadt beschlossen, vorhandene Rücklagen zu deinvestieren. Immer mehr Kommunen denken darüber nach, welche Auswirkungen ihre Investitionen auf das Weltklima haben – und auch finanzielle Sicherheit spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Denn abschreckend wirken Szenarien, wie sie momentan im Ruhrgebiet zu beobachten sind: Allein die Stadt Essen hat in den letzten Jahren katastrophale Verluste von fast einer Milliarde Euro hinnehmen müssen, weil die gehaltenen RWE Aktien dramatisch gefallen sind. Das Finanzloch hat direkte Auswirkungen auf die Bürger der Stadt, beispielsweise weil das Budget für Infrastruktur minimiert werden musste. Von Investitionen in Firmen wie RWE, Total oder BASF wird sich Berlin nun verabschieden. Ein zusätzliches Argument für den Ausstieg: Auch ohne Subventionen sind erneuerbare Energien bereits heute vielerorts wettbewerbsfähig und viel günstiger als erwartet. Wenn statt in Kohle, Öl und Gas gezielt in Unternehmen investiert wird, die Ressourceneffizienz, Elektromobilität und erneuerbare Energien voranbringen, profitieren die Menschen in der Region nicht nur von sicheren Rücklagen, sondern auch von nachhaltigem Wachstum und sicheren Arbeitsplätzen.

Kommentar von Jochen Wermuth, CIO Wermuth Asset Management

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