Der Schwarm ist auf dem Vormarsch

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Digitalisierung, Niedrigzins und Immobilienboom: Aus diesen drei Zutaten speist sich der aktuelle Boom beim Crowdinvesting. Vor allem die niedrigeren Einstiegssummen und kurze Laufzeiten machen diese Assetklasse zu einer attraktiven Alternative. Auch Vermittler sind dabei nicht außen vor.

Die ersten Ansätze für eine Art Crowdfunding gab es bereits im 18. Jahrhundert: Als Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 drei neue Klavierkonzerte aufführen wollte, verschickte er Einladungen an potenzielle Geldgeber und bot diesen als Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung Manuskripte der Noten an. Während es beim „Crowdfunding“ des 18. Jahrhunderts also eher um einen immateriellen Wert ging, ist aus dieser Form der Finanzierung in den letzten Jahren eine eigene Assetklasse entstanden: Crowdinvesting.

Wachsender Markt

Alleine im vergangenen Jahr ist laut www.crowdinvestment.de der deutsche Crowdinvesting-Markt um 171 % gewachsen und hat beim Volumen die Marke von 200 Mio. Euro erreicht. Mit einem Volumen von 130 Mio. Euro machen dabei Immobilien-Crowdinvestments den Löwenanteil aus und konnten ihr Volumen im vergangenen Jahr sogar das dritte Jahr in Folge verdreifachen. „Wir sind begeistert davon, wie schnell der Crowdinvesting-Markt in Deutschland wächst. Das zeigt uns, dass unser Ansatz sinnvoll ist und es einen Bedarf sowohl bei den Anlegern als auch bei Projektentwicklern gibt“, so Volker Wohlfarth. Der Geschäftsführer von zinsbaustein.de sieht besonders die aktuelle Lage an den Finanzmärkten als Wachstumstreiber: „Immerhin gehören im aktuellen Niedrigzinsumfeld Immobilien-Crowdinvestments zu den wenigen Möglichkeiten, mit denen Privatanleger Renditen von über 5 % erzielen können. Der Grund ist ei-fach: Der Immobilienmarkt boomt und viele Projektentwickler expandieren.“ Auch Simon Brunke macht die aktuelle Lage auf den Finanzmärkten als wesentlichen Faktor für die rasante Entwicklung bei Crowdinvesting aus und ist sich sicher, dass dieser Bereich auch in Zukunft weiter wachsen wird. „In den nächsten Jahren werden digitale Immobilieninvestments weiter an Popularität gewinnen – diese Entwicklung ist schon heute in vielen europäischen Ländern zu beobachten“, so der Vorstandsvorsitzende der Exporo AG. Ähnlich sieht es Esko Fritz. „Kluge Projektentwickler von Immobilien nutzen Crowdinvesting in den letzten Jahren zunehmend als einen wichtigen Baustein ihrer Gesamtfinanzierung. Das Marktvolumen entwickelt sich rasant und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen“, so der CFO der Moneywell GmbH, für den der Boom auch von Rahmenbedingungen beeinflusst wird. „Beides – die Versorgung von mittelständischen Projektentwicklern mit Kapital und die Bereitstellung von unkomplizierten Anlageformen für den Vermögensaufbau – ist politisch gewollt und volkswirtschaftlich sinnvoll.“ Das Crowdinvesting ermöglicht auch eine ganz neue Art des Immobilienbesitzes: Laut Simon Brunke spielt bei Exporo das Thema Digitalisierung von Bestandsimmobilien eine immer größere Rolle. So bietet die Plattform die Möglichkeit, über „Digitaleigentum“ schon mit kleinen Beträgen wie ein Eigentümer der Immobilie zu agieren.

Neue Anleger werden erschlossen

Crowdinvesting-Plattformen bieten Anlegern die Möglichkeit, schon mit dreistelligen Beträgen in Immobilienprojekte zu investieren. Gerade diese relativ niedrigen Anlagesummen macht Esko Fritz als wesentlichen Nachfragetreiber aus. So könnten dadurch neue Anlegerschichten erschlossen werden, die für Anlagen in Immobilienfonds nicht erreichbar waren. Diesen Markt möchte auch Moneywell erschließen und bereitet derzeit das erste Immobilienprojekt vor. Nach Aussage seines CFO erwartet das Unternehmen dabei branchenübliche Anlagesummen von mehreren Tausend Euro. Mehr Erfahrungswerte bezüglich der durchschnittlichen Anlagesummen bei Immobilien-Crowdinvestings haben die Akteure, die bereits länger am Markt sind. So liegt die durchschnittliche Anlagesumme bei BERGFÜRST bei 1.200 Euro je Emission. „Bei Exporo investiert ein Kunde im Schnitt rund 3.000 Euro je Projekt“, berichtet Simon Brunke. Nur unwesentlich höher sind die durchschnittlichen Anlagesummen bei zinsbaustein. „Der durchschnittliche Anlagebetrag liegt bei ca. 3.100 Euro“, erklärt Volker Wohlfarth. Damit liegen die genannten Durchschnittssummen bei lediglich einem knappen Drittel der 10.000 Euro, die üblicherweise bei Immobilienfonds als Mindesteinlage nötig sind. Die niedrigeren Anlagesummen erschließen nicht nur neue Investorengruppen, sondern machen Crowdinvesting auch als Beimischung im Portfolio interessant. Laut einer Studie der Crowdinvesting-Plattform Zinsland beträgt bei 60 % der Investoren Crowdinvesting maximal einen Anteil von 10 % im Portfolio. Nicht nur wegen der geringeren Anlagesummen, auch wegen der kürzeren Laufzeiten bietet sich Crowdinvesting als Alternative zur AIFs an, die häufig Laufzeiten von über zehn Jahren haben. So bevorzugen laut der Zinsland-Studie 88 % der Crowdinvestoren eine Laufzeit von zwölf bis 24 Monaten, ca. jeder zweite Anleger sogar eine Laufzeit von bis zu 18 Monaten.

Alles hat seinen Preis und bei Geldanlagen ist es häufig das Risiko: Ähnlich wie bei Fonds müssen Anleger bei Crowdinvesting immer mit der Möglichkeit des Totalverlustes rechnen. Entsprechend ist auch hier Streuung wichtig. „Wir stellen fest, dass ein Großteil unserer Anleger, immer wieder investiert und die Investments auf viele Projekte verteilt“, erklärt Volker Wohlfarth. Dass Crowdinvestoren sich des Risikos bewusst sind und deshalb auf Streuung setzen, macht auch die Studie von Zinsland deutlich, in der 35 % der Befragten angaben, künftig eine breitere Streuung vornehmen zu wollen. Lediglich 12 % wollen sich künftig auf wenige Projekte konzentrieren. Dass Crowdinvesting sich längst vom ursprünglich altruistischen Crowdfunding abgekoppelt hat, zeigt auch die Tatsache, dass in der Zinsland-Studie 54 % der Crowdinvestoren in A-Städten investieren und es nur 8 % der Anleger wichtig ist, dass ihr Crowdinvesting-Projekt in ihrer Region ist.

Von der zunehmenden Bedeutung des Crowdinvestings können auch Sie als Vermittler profitieren. So bieten viele Plattformen Partnerprogramme an, bei denen Sie sich registrieren können und somit an Umsätzen Ihrer Kunden partizipieren können.

Eine Übersicht über die unterschiedlichen Partnerprogramme der Crowdinvesting-Plattformen, erhalten Sie in der nächsten Printausgabe der finanzwelt. (ahu)