Der neue Schlachtruf der Revolution

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Was ist das größte Rätsel des Finanzvertriebs? Warum er noch nicht digitalisierter ist. Denn der verlockende Vorteil von weniger Aufwand und mehr Umsatz sollte Vermittler doch genauso anziehen wie der Eiswagen die Kinder. Wir stellen Ihnen zwei Softwares vor, die versteckte Botschaften Ihrer Kunden aufdecken bzw. Ihren lästigen Papierkram erledigen. Da könnte der eine oder andere clevere Vermittler auf eine scheinbar ungewöhnliche Idee kommen.

„Der Fortschritt der Zivilisation ist abzulesen an der Anzahl der Handlungen, die wir ausführen können, ohne über sie nachzudenken“, befand der britische Philosoph Alfred North Whitehead. Recht hat er! Denn wenn das menschliche Gehirn intensiv denkt, verschlingt es 20 % der gesamten Körperenergie. Dabei beträgt der Anteil unseres Gehirns an unserer gesamten Körpermasse gerade einmal 2 %. Die Evolution gibt aber eine klare Regel vor: Nur diejenigen setzen sich durch, die mit so wenig Energie wie möglich auskommen. Die Folge: wir sind von Natur aus denkfaul.

Time is money

Glücklicherweise gibt es pfiffige Nerds, die uns beim Energiesparen im Hirn gern unterstützen, z. B. bei der Reisekostenabrechnung. Hier hat das deutsche Start-up Book One eine mobile und webbasierte Softwarelösung entwickelt – vollautomatisiert und revisionssicher. „Für eine durchschnittliche Dienstreise, also zwei Tage, liegt der administrative Aufwand derzeit bei ungefähr 90 Minuten“, erklärt Andrew Hubbard, Co-Founder des Berliner Unternehmens. „Mit unserer Lösung schaffen wir es unter zehn Minuten.“ Das ist eine unglaubliche Zeitersparnis von 80 %! Der Benutzer fotografiert nur seine Belege und den Rest übernimmt die Software durch eine automatisierte Dokumenterfassung. Abgerundet wird die Prozessoptimierung mit einer bequemen Auto-Vervollständigung. Book One berechnet sogar die Verpflegungspauschale automatisch. All dies geht praktischerweise sogar offline, also auch im Flugzeug oder im Funkloch während der Zugreise. Natürlich arbeitet die Software immer auf der Grundlage der aktuellen Gesetze, also müssen Sie nicht mehr nach neuen Paragrafen Ausschau halten.

Das Geheimnis in der Stimme

Selbst bei der Steuer sieht Hubbard seine Benutzer im Vorteil: „Wer die Book One-App benutzt, wird mehr Geld zurückbekommen können, weil unsere Lösung es dem User erlaubt, schneller und einfacher all seine Belege einzureichen“. Das und den Kundenservice eines Unternehmens am Telefon zu optimieren. Diese Software-Schmiede heißt „voiXen“ – angelehnt an „la voix“, also das französische Wort für „Stimme“. Denn voiXen leistet im Kern etwas geradezu Magisches: Die Software entlockt der Stimme des Kunden ihre versteckten Botschaften und zeigt den Verkäufern, wie sie besser auf die Wünsche ihrer Anrufer eingehen.

Im Eifer des Gefechts

Konkret läuft es so, dass voiXen Telefonate mit dem Kunden aufzeichnet und auswertet. Dabei stehen je nach Bedarf verschiedene Funktionen zur Auswahl, z. B. das „Alerting“. Hier können kritische Schlüsselwörter im Gespräch identifiziert und der User darüber benachrichtigt werden. So kann der Vertrieb Handlungsbedarf sofort erkennen und entsprechend Fehler vermeiden. Das gleiche gilt für den Fall, dass bestimmte Wörter in einem gewissen Zeitintervall auffällig häufig vorkommen. Ein weiteres Tool ist der „Tabuwort-Tracker“. Hiermit bekommt der User vorher definierte „No-go“-Wörter in seiner Rhetorik aufgezeigt. Der eine oder andere verkaufsschädliche Ausdruck rutscht einem im Eifer des Vertriebsgefechts schon mal heraus, wie z. B. das berüchtigte „Problem“. Als top geschulte Sales-Profis wissen wir ja, dass es – wenn überhaupt – nur „Herausforderungen“ gibt. Mit dem Tracker werden wir uns dieser Fehltritte mehr bewusst.

Was Software für den Finanzvertrieb mit Tanzstudios gemein hat, lesen Sie auf Seite 2