Der neue Heilige Gral?

In Zeiten der Niedrigzinsen gerät die Dividendenstrategie immer mehr in den Fokus der Investoren. Der Spruch „Dividenden sind die neuen Zinsen“ macht die Runde in der Finanzbranche. Doch was muss ein Investor bei der Auswahl der Aktien beachten, um dauerhaft erfolgreich zu sein?

Ist eine hohe Dividendenrendite bereits die Lösung? So einfach ist die Sache leider nicht. Wer Dividendenaktien allein nach der Höhe der Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs auswählt, dürfte zumindest auf lange Sicht enttäuscht werden. Denn hoch kann die Dividendenrendite auch deshalb sein, weil die Aktie dauerhaft schwach ist. Aktionäre der DAX-Werte E.ON und RWE können ein Lied davon singen: Allein in diesem Jahr brachen diese Versorger-Aktien um 50 bis 60 Prozent ein. Bei den Dividendenrenditen lagen sie mit Werten um die sechs Prozent im DAX allerdings weit vorn.

Nachhaltigkeit der Dividende reicht nicht
Oft ist zu lesen, dass eine gute Dividendenstrategie auf Aktien basiert, die nachhaltige und hohe Dividenden ausschütten. Schließlich, so die Begründung, hätten Unternehmen, die dauerhaft hohe Dividenden zahlen können, neben soliden Bilanzen gewinnbringende Geschäftsmodelle. Doch auch das kann man pauschal nicht stehen lassen, denn: Einer der dividendenstärksten Werte im DAX war über Jahre hinweg die Deutsche Telekom. Trotzdem verloren viele deutsche Anleger sehr viel Geld mit der Aktie, weil die enormen Kursverluste selbst mit hohen Dividenden nicht auszugleichen waren.

Gute Margen auch in schlechten Zeiten
Unseres Erachtens sind solide Bilanzen sowie gewinnbringende und etablierte Geschäftsmodelle zwar unverzichtbar für den langfristigen Erfolg. Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmen selbst in konjunkturellen Abschwüngen gute Gewinnmargen erzielen, was eine nachhaltige Dividendenausschüttung sehr wahrscheinlich macht. Folgende Fragen helfen, die richtigen Aktienkandidaten zu finden: Wie hoch ist die Ertragskraft des Unternehmens? Wie gut steht es um seine Preissetzungsmacht? Wie stark fällt das künftig erwartete Gewinnwachstum aus?

Keine hohe Aktienrendite ohne Dividenden
Bei solchen Qualitätsaktien handelt es sich meist um renommierte Weltfirmen mit einzigartigen Produkten, die aufgrund ihrer besonderen Marktstellung ständig nachgefragt werden. Diese „Dividendenperlen“ bleiben in der Regel im Kurs stabiler bzw. erholen sich schneller als durchschnittliche Dividendentitel, wenngleich man auch damit nicht vor Kursschwankungen gefeit ist. Investoren, die bei der Aktienauswahl ihre Hausaufgaben gemacht haben, erkennen früher oder später, dass Dividenden einen wesentlichen Teil ihrer Aktienrendite ausmachen.

Autor: Gerd Häcker, Leiter Fondsmanagement der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung