Der letzte Bullenmarkt Ihres Lebens

Foto: © eyetronic - fotolia.com

Wenn man sich die Kursentwicklung des deutschen Aktienmarktes der letzten 2 Jahre anschaut, kommt wenig Freude auf. So kämpft der DAX seit Sommer 2014 mit der 10.000 Punkte-Marke und pendelt unter großen Schwankungen richtungslos unter und über dieser herum.

Doch ich bin guter Dinge, dass diese Lethargie bald ein Ende hat und wir gerade den Beginn eines fulminanten Bullenmarktes erleben – des letzten Bullenmarktes Ihres Lebens. Die Idee mit dem Bullenmarkt wird Ihnen sicherlich gut gefallen, die anschließende Einschränkung vermutlich weniger. Doch alles der Reihe nach. Konzentrieren wir uns zunächst auf die Gründe für den fulminanten Bullenmarkt.   Zugegeben, das fundamentale Umfeld mag für die Vorhersage eines fulminanten Bullenmarktes auf den ersten Blick etwas sperrig erscheinen. Zu hohe Schulden, zu geringes Wachstum und zu viele politische Unsicherheiten sind nicht unbedingt die perfekten Zutaten für einen Bullenmarkt. Doch – das sollte man wissen – für die 3 eindrucksvollen Bullenmärkte der letzten gut 100 Jahre gab es zunächst ebenfalls keine guten Gründe. Die guten Gründe sind uns als Investoren erst eingefallen, als die Bullenmärkte bereits das Zeitliche gesegnet hatten. So geschehen auch beim letzten Bullenmarkt von 1982 bis 2000. Erst nach Platzen der Internet-Blase erkannten wir, dass dieser Bulle von der Phantasie der Informations-technologie geritten wurde. 1982 ahnte davon noch niemand etwas – da stapelte die Welt noch ganz andere Probleme. Nachfolgender Chart spiegelt am Beispiel des US-amerikanischen Aktienindex Dow Jones Industrial Average die Aktienmarktzyklen der letzten gut 100 Jahre wider. 20160722_Prometheus_Grafik_Bullenmarkt Quelle: P.A.M. Prometheus
Asset Management GmbH   Gut erkennbar sind die grün dargestellten, in der Tat fulminanten Bullenmärkte, die sich im Anschluss an zermürbende, mitunter über 20-jährige Seitwärtsphasen anschlossen. Eine ebensolche zermürbende Seitwärtsphase mit zwischenzeitlich dramatischen Kurseinbrüchen erlebten wir als Anleger in den Jahren 2000 bis 2013. Seither ist der Weg für einen neuen fulminanten Bullenmarkt frei – trotz aller wirtschaftlichen und politischen Fragezeichen. Optimistisch bin ich insbesondere, seitdem mit dem Dow Jones Industrial Average und dem S&P 500 die wichtigsten US-Aktienindizes vor wenigen Tagen aus ihrer rund 1-jährigen Konsolidierungsphase auf historische Allzeithochs ausgebrochen sind. Technisch sauberer hätte Florian Hambüchen den gestreckten Tsukahara nicht zelebrieren können, als die beiden Indizes den Aufbruch in einen neuen Bullenmarkt bestätigt haben. Wem das alles zu sehr bildlich hergeleitet erscheint, dem sei mit dem nachfolgenden Versuch geholfen, bereits heute die wahren Gründe für diesen Bullenmarkt zu definieren. Meine feste Überzeugung: Dieser Bullenmarkt geht – wenn wir ihn in einigen Jahren im Rückspiegel betrachten – als die Notenbank-Rallye oder der Bullenmarkt des billigen Geldes in die Geschichte ein. Dass wir an den Märkten derzeit da stehen, wo wir stehen, ist kaum darauf zurückzuführen, dass unser Kapitalmarktumfeld vor Kraft nur so strotzt. Einziger Grund für die historisch hohen Aktienkurse sind die sperrangelweit offen stehenden Geldschleusen der Notenbanken und die nahe oder unter der Null festgetackerten Zinsen. Die lassen unter den liquiden Anlageformen eigentlich nur Aktien als sinnvoll erscheinen. So verrückt dies auf der einen Seite ist, so sicher bin ich mir, dass dies noch eine ganze Zeit so weiter geht. Die Mannen um Mario Draghi werden sich von der Erkenntnis, dass das erhoffte Wachstum einfach nicht kommt, nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nach der letzten Zinssenkung ist einfach vor der nächsten Zinssenkung. Und wenn der Negativzins dann endlich auch bei Privatanlegern auf dem Konto angekommen ist, das Wachstum aber immer noch ausbleibt, weil wir von allem eh schon so viel haben, dass wir vor Langeweile Pokémons jagen, kommt das Helikoptergeld. Die EZB überweist uns allen also Geld aufs Konto – aus lauter Güte zwar, aber mit der Maßgabe, dass wir endlich konsumieren. Das tun wir dann auch artig, jubeln das Wachstum kurz hoch, was dann aber wieder wegbricht, da wir ja immer noch von allem genug haben. Per Saldo also kein Schritt vor. Wo sind die Pokémons? Was das alles mit meinem fulminanten Bullenmarkt zu tun hat? Ganz einfach. Die EZB hat noch einige gezinkte Asse im Ärmel, die die Aktienmärkte – trotz aller Probleme – letztlich in ungeahnte Höhen treiben lässt. Denn eines haben die letzten Jahre gezeigt – die Kapitalmarktteilnehmer stehen mittlerweile auf gezinkte Asse, freuen sich sogar über den Irrsinn negativer Zinsen und verdeckter Staats- und Unternehmensfinanzierung durch die EZB und kaufen freudestrahlend Aktien, Aktien und Aktien. Es wird zwar einer der dümmsten Bullenmärkte, dafür aber auch einer der profitabelsten. Den sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Denn anschließend werden uns die Pokémons nicht helfen – wenn wir aus der Virtualität des Geldes in die Realität des Geldes zurückversetzt werden und wir erkennen müssen, dass wir mal wieder zu blauäugig waren. Damit kommen wir auf die Sache mit der Einschränkung zu Beginn dieser Ausführungen zurück: Es sollte der letzte Bullenmarkt Ihres Lebens sein. Denn zum einen lehrt uns die Historie, dass zwischen 2 Bullenmärkten in aller Regel sehr viele Jahre liegen. Und zum anderen wird uns nach der Rückversetzung zur Realität des Geldes das Licht aufgehen, dass ein System, das wie unseres ausschließlich auf permanentem Wachstum fußt, nicht ewig funktionieren kann.

von: André Kunze, Geschäftsführender Gesellschafter, P.A.M. Prometheus
Asset Management GmbH