„Der Handelsstreit wird frühestens 2020 gelöst“

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers / Foto: © Merck Finck

Trotz zweier großer politischer Risiken und einer schlechteren Stimmung in der Wirtschaft bietet das Jahr 2019 keinen großen Grund zur Sorge. Für die Finanzmärkte könnte nach dem Ende der Politik des billigen Geldes eine schmerzhafte Phase kommen. Das wurde auf dem gestrigen Investmentausblick von Merck Finck deutlich.

Häufig werden Jahresausblicke am Ende des Vorjahres vollzogen. Merck Finck Privatbankiers entschied sich jedoch, erst im neuen Jahr auf die künftige Entwicklung zu blicken. Und der Zeitpunkt hätte wohl kaum besser sein können: Ausgerechnet einen Tag, nachdem vom britischen Parlament der Brexit-Entwurf abgelehnt wurde, lud die Privatbank nach Frankfurt zum Pressegespräch. Dennoch war die Entscheidung des House of Commons in London nur Randthema und kein Grund, die Prognosen komplett neu zu erstellen. So zeigte sich Merck Finck Chefstratege Robert Greil von diesem Ereignis wenig überrascht. „Was gestern passiert ist, war erwartbar. Deshalb gibt es auch keine große Reaktion an den Börsen“. Dennoch bleibe der Brexit das größte politische Risiko in Europa. Insgesamt zeigte sich Greil bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone verhalten optimistisch. So zeigten aktuelle Daten zwar, dass die Stimmung in der Wirtschaft nachlasse, das Verbraucherverhalten sei aber weiterhin optimistisch. „Was wir sehen ist eine normale Abschwächung, aber keine Katastrohe, keine Rezession“. Insgesamt geht Merck Finck in diesem Jahr in der Eurozone von einem Wirtschaftswachstum von 1,6 % aus.

Handelsstreit: „Es wird keine schnelle Einigung geben“

Das andere große wirtschaftliche Risiko, das derzeit die Märkte belastet, ist der weiterhin schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China. Robert Greil glaubt nicht, dass dieser Konflikt bis zum 1. März gelöst sein wird (an diesem Tag läuft eine 90-tägige Aussetzung von Zollanhebungen aus) – schon deshalb, weil es nicht im Sinne Donald Trumps sei. So könne der US-Präsident eine (für die USA positive) Einigung erst im nächsten Jahr gebrauchen, weil er dann im Präsidentschaftswahlkampf diesen Erfolg in die Waagschale werfen könne. Merck Finck geht davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 2,6 % wachsen wird.

So entwickeln sich die Aktienmärkte

Auch die Entwicklung der Aktienmärkte war Thema des Jahresausblickes. Für Europa und Amerika gehen die Experten von einem Wachstum von 5,6 % aus. Wachstumsraten im zweistelligen Bereich dürfte hingegen der japanische Aktienmarkt erleben. Dasselbe dürfte auch in den Schwellenländern zu beobachten sein. Bezüglich der Volatilität gehen die Experten von einer Seitwärtsbewegung aus.

Welche Themen künftig an Bedeutung gewinnen werden und wie es für die Finanzmärkte nach der Zeit des billigen Geldes weiter gehen wird, erfahren Sie auf Seite 2