Der große Quatsch vom„Superpool“ und andere Storys aus der InsurTech-Szene

Oliver Pradetto, Geschäftsführer blau direkt / Foto: © blau direkt

Jetzt ist es also überall zu lesen. Nachdem sich die Story vom Superpool bis zum Journalisten Herbert Fromme rumgesprochen hat und dieser diese in einer Kolumne veröffentlicht hat, griffen andere Fachmedien den Bericht auf. Seitdem werden Pools nicht müde, die Story vom geplanten Superpool zu dementieren.

Wer sie noch nicht gehört hat – die Story geht so: wefox sammelt mächtig Geld von Investoren ein. Die erwarten dafür eine Erfolgsstory mit großem Wachstum. Da die erhofften Wachstumsraten selbst dem ansonsten recht selbstbewussten Newcomer nicht in so kurzer Zeit aus eigener Kraft erreichbar scheinen, muss er zukaufen. Also kauft er sich mit dem vielen schönen Geld einfach mal die zwei bis drei größten Pools zusammen, hebt die sich daraus ergebenden Synergie-Effekte, peppt das ganze technisch noch ein bisschen auf und voilà: Der Superpool ist da.

Tatsächlich ist Julian Teicke, Chef von wefox, auf der letztjährigen DKM zu allen relevanten Pools gelaufen und hat jedem gefühlte Fantastillionen an den Kopf geworfen, wenn er dafür den Pool übernehmen könne, um seine Idee vom Superpool umzusetzen. So viel ist also tatsächlich wahr. Allein: Der umtriebige Chef-Disruptor hat das erforderliche Geld nicht zusammen bekommen. Um seinen Plan umzusetzen, bräuchte er geschätzt mindestens 250 Mio., eher 300 Mio. Euro, bekommen hat er aber „nur“ 110 Mio., von denen er höchstens 90 Mio. in Zukäufe investieren kann. Das reicht nicht, denn ein Drittel Superpool ist eben kein Superpool; der Welteroberungsplan also vorerst abgesagt.

Nun ja, wir kennen das: Diese ganzen InsurTech-Schaumschläger, die nicht müde werden, uns klassischen Marktteilnehmern zu erzählen, was sie alles besser machen, warum unsere Zeit abgelaufen ist und wie sie demnächst die Weltherrschaft übernehmen – um dann selbst wenig später mit dem Aschehaufen verbrannter Millionen in einem viel zu großen leeren Büro zu sitzen. Zumindest scheint es so und an dieser Stelle kann jeder aufhören weiter zu lesen, der sich nicht in seiner Komfortzone stören lassen und sich in Schadenfreude baden will.

Wer nun doch weiter liest, der mag einmal über den weisen Spruch „Geld schlägt Ideen“ nachdenken. Es mag ja sein, dass die jungen Wilden vor allem große Sprüche klopfen. Sicher sind ihre angeblich innovativen Disruptionsansätze vor allem Storys für deren Investoren und gleichzeitig leider nicht sehr praxistauglich. Doch mit genügend Geld ist das egal. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Geld ist reichlich unterwegs.

Im Investmentmarkt verdienen die Banken hauptsächlich damit, dass sie Geld zum Investieren einsammeln. Wenn die Investments tatsächlich funktionieren, ist das schön, aber letztlich unerheblich für die Bank, denn die Bank verdient das Geld schon allein dafür, dass sie es unter ihre Verwaltung bekommen hat. Deshalb kommt es vor allem auf gute Storys an. Eine solche Story ist die: „Fast alle Bereiche sind schon digitalisiert worden. Die Versicherungsbranche hingegen hinkt hinterher. Die Banken haben rund drei bis fünf Jahre Vorsprung. Wer sich anschaut, wie die FinTechs der Bankenwirtschaft sich entwickelt haben – die Erfolgsstory von Wirecard als jüngstem Dax-Mitglied mag dafür ein Beispiel sein – hat eine ungefähre Vorstellung davon, was in den nächsten drei bis vier Jahren im Bereich der InsurTechs passieren wird.“ Man mag die Story für überzeugend halten oder auch nicht, aber die Banken haben damit spezielle InsurTech-Fonds aufgelegt und – sie mochten es selbst kaum glauben – satte 30 Milliarden eingesammelt.

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