Der geteilte Aktienmarkt!

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Covid-19 bleibt das beherrschende Thema an der Börse. Auch wenn es den Anschein hat, als wenn die Börse die Krise für ausgestanden hält, bleibt bei den Investoren eine gewisse Skepsis.

Der Markt ist gespalten. Die bekannten Indices wie der DAX und der S&P 500 haben ihre Kurseinbrüche weitgehend aufgeholt und notieren wieder auf einem sehr hohen Niveau. Der Wermutstropfen dabei: die Erholung wird nur von ein paar wenigen Aktien getragen. Tech-Titel wie Apple und Amazon ziehen die Börse nach oben und erreichen immer neue Rekorde, doch die vielen anderen Werte liegen weiterhin am Boden. Der amerikanische NASDAQ-Index liegt seit Jahresbeginn mit 27,6 % im Plus. Die preiswerten tech(zum Beispiel Autos, Finanzwerte und Ölwerte) bilden das Schlusslicht und zeigten bislang eine äußerst schlechte Kursentwicklung. Der EuroStoxx 50-Index weist ein Minus von 14,7 Prozent auf und der britische FTSE100 liegt sogar mit 22,2 Prozent im Verlust. Unterschiedlicher könnte die Entwicklung nicht verlaufen.

Es ist richtig, dass die Börse die Zukunft vorweg nimmt und wir erwarten dürfen, dass es ein Leben nach der Pandemie gibt. Nur dürfen wir nicht die Augen vor den steigenden Fallzahlen und den schwachen Wirtschaftsdaten in der Realwirtschaft verschließen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns gerade. Einerseits wollen wir Geld verdienen und ganz bewusst Risiken eingehen. Auf der anderen Seite wissen wir aus Erfahrung, dass es keinen Sinn macht, den teuren Tech-Titeln hinterherzulaufen. In diesem Umfeld, das von starker Unsicherheit über die Zukunft geprägt ist, ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste! Wir wollen was wagen, aber nicht um jeden Preis und nicht zu jeder Zeit!

Manchmal müssen wir die Widerspruche des Lebens aushalten, auch wenn wir keine Erklärungen finden, die uns einleuchten. Während die Wirtschaft im 2. Quartal 2020 um 9,7 Prozent eingebrochen ist, steigen die Aktienmärkte zuletzt dynamisch. Im März fiel der DAX auf unter 9.000 Punkte. Fünf Monate später klettert er wieder auf das Niveau vom Jahresanfang von 13.250 Punkten, obwohl Corona nicht vorbei ist und es auch keine V-förmige Erholung der Wirtschaft zu geben scheint. Diese Widersprüche können wir schlicht nicht ignorieren, sondern müssen sie hinterfragen, um Antworten für die Zukunft zu finden. Zum Ende des 3. Quartals steht der deutsche Leitindex bei 12.760 Punkten minus 3,70 Prozent unter dem Stand zu Beginn des Jahres.

Es stimmt – die Börse blickt nicht auf die aktuelle Situation bei den Unternehmen, sondern schaut, wie sich diese vermutlich entwickeln werden. Nur kennt niemand die Zukunft – weder in den Zeiten von Covid-19 noch sonst irgendwann. Wir wissen nicht, wann wir wieder zu einem „normalen“ Leben zurückkehren werden. Deshalb sind Aussagen von Anlageexperten wie „Das Schlimmste liegt bereits hinter uns!“ genauso fragwürdig wie die der Crash-Propheten „Wir bekommen eine riesige Inflation!“ oder „Es bricht alles zusammen!“.

Damit werden Bedenken zerstreut bzw. Ängste bei den Menschen geschürt. Beides sind keine guten Ratgeber, denn wir alle kennen die Zukunft nicht.

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Gastbeitrag von Wolfgang Juds,
Geschäftsführer Credo Vermögensmanagement GmbH
in Nürnberg