Der ETF-Boom und seine Folgen

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André Kunze / Foto: © Prometheus

Es kommt nicht oft vor, dass Banken Produkte anbieten, die nicht nur bei der Bank selbst, sondern auch bei Anlegern gut ankommen. Mit Exchange Traded Funds (ETFs) scheint die Finanzindustrie aber endlich das für beide Seiten beste Finanzinstrument gefunden zu haben. Die Absatzstatistik von Investmentfonds der letzten Jahre zeigt, dass in Deutschland mittlerweile mehr Geld in ETFs, also in passive Indexfonds fließt, als in aktiv gemanagte Fonds.

Die Gründe für den ETF-Boom sind schnell gefunden: ETFs sind mit Verwaltungsgebühren von in der Regel nur wenigen zehnteln Prozent deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Zudem unterliegt man als Anleger nicht dem Risiko, dass sich das eigene Investment schlechter als der Index entwickelt. Schließlich spiegelt ein ETF den Index stets exakt wider. Im Umkehrschluss bedeutet dies für ETF-Anleger jedoch auch, dass der Durchschnitt das Ziel ist, denn ein Index bildet immer den Durchschnitt eines Marktes ab.

Sich mit Durchschnitt zufrieden zu geben, ist bei der Kapitalanlage durchaus eine Überlegung wert, denn statistisch betrachtet sind nur die wenigsten Fondsmanager in der Lage, ihren Index zu schlagen. Als logisch denkender Anleger sollte man bei den genannten Argumenten für ETFs dennoch kurz innehalten und ins Grübeln kommen. Gehe ich für meine Pizza Diavolo auch immer zum billigen Durchschnittsitaliener? Oder kaufen die großen Fußball-Clubs bevorzugt billige Durchschnittskicker, da die Ronaldos und Messis so rar gesät sind?

Und wieso bieten Banken freiwillig ETFs an, deren offiziell ausgewiesene Kosten gerade einmal 0,09 Prozent jährlich betragen – wie beispielweise bei einem ETF auf den Euro Stoxx 50 der Deutsche Bank-Tochter Deutsche Asset Management? Irgendwie passt diese genügsame Minimarge gar nicht zu dem Bild der Banken, dass sich diese in den letzten Jahren „mühselig“ durch unerlaubte Preismanipulationen bei Anleihen, Rohstoffen, Devisen und Zinsen „erarbeitet“ haben. Auch leichtgläubigen ETF-Anhängern sollte also klar sein, dass bei der Strukturierung und Verwaltung von ETFs für Banken am Ende deutlich mehr hängen bleibt als die offiziell ausgewiesene Enthaltsamkeit.

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